Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 24 (12.6.1879)
- Date
- 1879-06-12
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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als da sind: „wir wissen es jetzt besser als der Talmud jener Zeit," es jenen Herren ein Leichtes sein würde, einen großen Theil aller talmudischen Gesetze über Bord zu werfen, abgesehen von dem möchten wir fragen, ob jene Herren, und dazu dürfte man selbst Laie in der Medicin sein — denn wirklich glauben, der Talmud, der an so vielen Stellen so ausgezeichnetes medicinisches Wissen an den Tag gelegt, habe in der Thal nicht gewußt, daß man, statt eine Wunde auszusaugen, sie ebensowohl abspülen könne, daß bei gewissen Krankheiten Ansteckung möglich, und auf welchem Wege diese Ansteckung sich millheilen ließe? ob sie denn wirklich glauben, oder von einigen medicinischen Heroen (?) es sich glauben machen lassen, die heutige Höhe der Medicin gegen jenes rohe Zeitalter der Barbarei und Finsterniß rühre daher, daß jüdische Aesculapiaden es herausdocirt, das Aussaugen der Wunde sei nachtheilig, und statt dessen müsse man mit Wein abspülen? Sie sehen, m. H., „vom Hohen bis zum Lächerlichen ist nur Ein Schritt." Jndeß, wir folgen ihnen weiter. Die bekannte Stelle im H21 t£H“TD, also im jerusalem. Talmud pp|20 bmo n\n N2D nptVD Vt&nppl VHS ist allerdings etwas auffallend. Allein nptVÖ mit „Abspülen" zu übersetzen, und darin Herrn Collin's neuentdecktes Mittel des Weinspritzens wiederzufinden, will mich doch gleich gegen Grammatik und Logik gesündigt, bedünken. nptVD heißt „zu trinken geben," bezieht sich jedenfalls hier auf den dritten Theil des Beschneidungsactes, und zwar den, der unmittelbar nach der 'yv)®) folgt. Weshalb nun nicht einfach bei der Wortübersetzung stehen bleiben? und es auf das Zu-trinken-geben zum Behufe der Vornahme der beziehen? Schon der nnit erwähnt des mit Wein gefüllten rwSD hw D12, und kömmt schon die sehr alte Entscheidung vor, daß man nur am yi nicht mit Wein 'pflö sein sollte, während an andern Fasttagen dieses erlaubt sei. Aus diesem möchte wohl hinlänglich bewiesen sein, daß PiptPÜ das Hinreichen des Weines zum Behufe der an den blTlD der eben die 'yv")S vorgenommen hatte, bezeichnen will, ein Gebrauch, der sich bis auf den heutigen Tag in allen Gemeinden, wo man noch nach alter Vätersttte vornimmt, erhalten hat^ Nach dem bisher Erörterten, kann es nun keinem Zweifel mehr unterliegen, daß die pjstVD sowohl den angeblichen Nachtheil des Aussaugens als die andern entsprechenden Mittel kannte; allein wenn wir einen Grund für das Gesetz der nitVD anführen wollen, so ist es unbedingt kein anderer, als der von XDZ 'n angegebene, weshalb man stets selbst an m aussaugen mußte. Deshalb ist es auch falsch, was Dr. Frankel unbegreisticher Weise anführt, daß der die Worte IV Dtpimn mWpDÖ Din aus freien Stücken hinzugesetzt hätte. Indem nämlich die XID) sagt, 82^11ND nnnD rnnn b"vp Tps TpsD di >xn was y'bh schon in der n:iVD erklärt V^nnD prM Din YW liegt darin schon, daß durch die das Blur von ferneren Stellen herbeigelockt werden soll. Und in demselben Sinne, wie D"2Dn und V'tVI führen S]Vn und D'pDlSH ^21 y"un "ms denselben ob ne alle Controverse, ohne irgend eine Beschränkung an, und sie alle pflanzen die n2^n der XIDi fort pp6 pv-QVD *|D*1N 22V (Schluß folgt.) Der geschichtliche und literaturgeschichtliche Unterricht in der Religionsschule. Bon Dr. D. Barnaß, Berlin. (Fortsetzung ) Bei dieser außerordentlich hohen Wichtigkeit, welche der Geschichtsunterricht bei der Erziehung unserer Jugend hat, dürfen wir jedoch niemals außer Acht lassen daß derselbe nur immer Hilfsmittel ist und bleibt für die wahrhafte Ausbildung, die sich erst in der gründlichen Kenntniß und Erkenntniß der Religionsgesetze zeigt. Die männliche Jugend muß in der Religionsschule dazu vorbereitet und befähigt werden, dereinst, wenn sie der Aufsicht der Schule entwachsen den Pflichten ihres Berufes folgt, selbstständig mit Lust und Eifer aus den Quellen unserer Religionsgesetze Verständniß und Belehrung für die Anforderungen, die die Religion an sie stellt, zu schöpfen und sich aus diesen für den praktischen Bedarf des Lebens Rath zu holen. Die Geschichte soll und wird, wie bereits gesagt, dazu beitragen, die Pietät vor dem Gottesgesetz und das Interesse für die heiligen Schriften, die uns die Vergangenheit übermittelt, stets wach und lebendig zu erhalten, und was der Geist bisweilen nicht zu fassen vermag, wird ein frommes, überzeugungsvolles Gemüth als unverbrüchliche Wahrheit festhalten und mit Wärme und aufrichtiger Hingebung bethätigen. Besonders aber ist es das empfängliche, für Thaten sittlicher und Charactergröße zugängliche Herz des Mädchens, welches unter dem Eindrücke geschichtlicher Ueberlieferung sich veredeln und zu tiefer Gemüthsinnigkeit heranbilden wird, Eindrücke, welche, wie die Erfahrung lehrt, von der nachhaltigsten und wohlthuendsten Wirkung auf die gesunde Lebensgestaltung sind. Freilich muß man beim Vortrag der biblischen Geschichte einzig und allein der Ueberlieferung folgen, die uns von den biblischen Büchern gegeben sind. Eine Kritik hierbei üben wollen, hieße nicht blos die Achtung des Kindes vor den Worten der heiligen Schrift schwächen, sondern einen ewigen Conflict heraufbeschwören, der das zarte Herz rastlos bewegen und aufregen muß. Welch trübe Vorstellung muß dann in ihm aufsteigen von der Zuverlässigkeit der Bibel, an der das subjective Urtheil mit leeren Vermuthungen zu markten und zu mäkeln wagen darf! Der Schüler muß dabei aber immer auf die Bibel selbst verwiesen werden, als die einzige und unverfälschte Quelle der Ueberlieferungen unseres Stammes, und das Studium derselben muß ihm dringend an's Herz gelegt werden. Hier wird uns die Geschichte vom Ursprung unseres Volkslebens bis zu seiner höchsten Entwickelung, mit allen seinen Vorzügen und Schwächen vorgeführt, hier treten die Gestalten der gottbegeisterten Stammväter in ihrer unvergleichlichen Charactecstärke und Glaubenstreue vor uns auf, sehen wir die Propheten, das verkörperte Wissen und Gewissen des Volkes, mit der Begeisterung ihres Flammenwortes für die Beobachtung der religiösen Institutionen nach ihrem eigentlichen und wahren Sinne gegen die gedankenlose Uebung der Gesetze als Herolde und Verkünder des göttlichen Willens, als Deuter der Gegenwart und Ausleger der Zukunft warnend und ermuthigend vor dem Volke auftreten, hier vernehmen wir die erhebenden Worte der Psalmisten, welche als Dolmetscher für des Volkes Wohl und Wehe das religiöse Gemüth durchzuckten und erweckten und alle Stimmungen und Lagen des menschlichen Herzens in allen seinen heitern und düstern Erlebnissen zu kräftigem und beseligendem Ausdruck bringen. Es ist also eine reiche Fülle des Stoffes, die uns hier in den biblischen Büchern für Erweckung und Hebung des religiösen Bewußtseins in unserer Jugend geboten wird; in ihrer ungeschminkten, schlichten Einfachheit führen sie uns eine Reihe der herrlichsten, leuchtendsten Muster für unser eigenes Leben vor und lehren uns die Unerforschlichkeit und Erhabenheit der göttlichen Wege kennen. — Es ist natürlich, daß die Geschichte nach der Zerstörung des zweiten Tempels nicht mehr Gegenstand des Unterrichts in der Religionsschule ist. Von der Zeit ab gipfelt unsere Geschichte fast ausschließlich in der Literatur- und Culturgeschichte des jüdischen Volkes. Obwohl die Juden fortan regen Antheil nahmen an der wissenschaftlichen und kommerziellen Arbeit des Volkes, so bietet ihre Geschichte seit dem Verlust ihrer nationalen Selbstständigkeit uns das düstere Bild ununterbrochener Verfolgung und Bedrückung, vor welcher sie nur das ideale Streben nach geistiger, wissenschaftlicher Ausbildung vom völligen Untergang retten konnte. Fortsetzung folgt. Zeitungsnachrichten und Aorrej pondenzen. Deutschland. Bonn. Sr. Ehrwürden Herr Oberrabbiner Dr. Adler in London, welcher am ersten Tag rfiVQtV sein 50jähriges Rabbiner-Jubiläum feierte, erhielt bei dieser Gelegenheit viele Telegramme und Glückwunschschreiben, unter Anderem eine schön aus gestattete, in blauem Sammet eingebundene Adresse von der Gemeinde zu Hannover, von welcher Herr Dr. Adler vom Jahre 1830 bis 1845 Oberrabbiner war. Die Adresse war von den vornehmsten Geistlichen, Vorstands- und anderen Gemeinde-Mitgliedern, an der Spitze vom jetzigen Landrabbiner Herrn Dr. E. Meyer, von Hannover unterzeichnet. Berlin. Vor Kurzem spielte sich hier eine ganz für die Betheiligten höchst charakteristische Verhandlung ab. Drei Studenten, die in Rußland als Juden geboren, aber erklärten, daß sie zu keiner Religion sich bekennen, also von Religion bei ihnen nicht die Rede sein könne, waren wegen nihilistischer Umtriebe angeklagt. Das Urtheil lautete auf 9, resp. 6 und 4 Monate Gefängnisse. Ein Blick in den Gang der Verhandlungen läßt erkennen, daß man es hier mitj unreifen ehrgeizigen Heißsporne zu thun hatte. Braunschweig Der Landrabbiner Dr. Herzfeld Hierselbst ist in Anerkennung seiner langjährigen und verdienstvollen schriftstellerischen Thätigkeit auf dem Gebiete der Theologie und Geschichte von dem Herzoge der Titel eines „Professors" verliehen worden. Altona. Jüngst starb Hierselbst Herr Seligmann Moses m einem Alter von 105 Jahren. Der Verstorbene erfreute sich bis zu seinem Ende einer seltenen Geistesfrische und Rüstigkeit. Zerbst. Am 18. v. M. fand hierselbst die Einweihung der restaurirten Synagoge in erhebender Weise unter allgemeiner, reger Betheiligung statt. Die Festrede hielt Herr Rabbiner Dr. Dessauer aus Cöthen. Würzburg. Am 22. April feierte Herr Lehrer Adler zu Heidingsfeld sein 50jähriges Dienstjubiläum. Von allen Seiten wurden dem Jubilare Beweise der herzlichsten Theilnahme dargebracht. Von Sr. Maj. dem Könige wurde er durch die Verleihung des Ludwigsordens für seine Treue und seinen Eifer im 50jährigen Dienste ausgezeichnet. Von der israelitischen Kultusgemeinde wurde ihm ein Pokal durch eine Deputation überreicht. Bromberg. (Russische Auswanderer.) 'Unter den Passagieren,^ welche jüngst mit dem von Thorn kommenoen Zuge hier anlangten, befand sich eine Menge jüdischer Personen beiderlei Geschlechts und jeglichen Alters; dieselben hatten zwei Coupees 4. Klasse fast für sich allein in Beschlag genommen. Diese Leute kommen aus Rußland und gehen, dem Lande der Nihilisten den Rücken kehrend, nach Amerika. Nakel. (Probepredigt). Herr Rabbiner Dr. Kutznitzki aus Braunschweig, der 4. Bewerber um die hier vacant gewordene Rabbinerstelle, hielt vor Kurzem vor zahlreich versammelten Gemeinde - Mitgliedern seine Probepredigt. Wie verlautet, wird man in nächster Zeit zur Wahl schreiten. Äußer dem genannten Herrn haben vor einiger Zeit Bezirksrabbiner Dr. Blök aus Brix in Böhmen, Dr. Deutsch aus Sorau O.-Schl. und Dr. Dankowitcz aus Schwetz, Probepredigt gehalten. Exirr. Nachdem die Fundamente zur neuen Synagoge fertiggestellt sind, erfolgte vor Kurzem die Feier der Grundsteinlegung, zu welcher sich eine zahlreiche Versammlung aus allen Ständen und Confessionen der Stadt und Umgegend auf dem Festplatze eingefunden hatte. . Herr Rabbiner Dr. Pleßner aus Rogasen hielt die Festrede und nach ihm Maurermeister v. Stabrowski, welchem die Ausführung des Baues übertragen ist, eine passende Anrede. Mit dem Grundstein wuroe ein Glaskasten versenkt, welcher die Chronik der Stadt Exin, die Namen der Anstalten, sämmtlicher Beamten und der Gemeindemitglieder enthielt. Die üblichen drei Hammerschläge thal zuerst der Corporationsvorsteher M. Bendel, welcher für diese Ehre ein Baugeschenk von 150 Mark spendete. Auch übernahm er als Selbstschuldner die auf 2000 Mark veranschlagten Kosten für die Anfertigung des Altars, womit der Bildhauer I. Goldbaum aus Bromberg beauftragt ist. Für diese Opferwilligkeit seines Vorstehers verpflichtet sich die Gemeinde, jährlich am Sterbetage seiner Frau 36 Mark an Arme zu vertheilen. Laut contractlicher Vereinbarung soll die neue Synagoge zum 1. September d. I. fertig gestellt sein, und hofft man, dieselbe dann an den hohen Festtagen einweihen zu können. Vermischtes. (Naturwunder in New.-Iork.) Das British Medical-Journal macht auf die Menge außerordentlicher Naturerscheinungen aufmerksam, welche sich kürzlich in New-Aark zusammengefunden haben. Neben den Zwillingen von Nord-Karolina und der zweiköpfigen Nachtigall befand sich daselbst das Mormonen-Riesenmädchen, welches seitdem verstorben ist und das im Alter von 18 Jahren nicht weniger als 516 Pfund wog. Sein Sarg maß 6^/z Fuß in der Länge und 2 Fuß in der Breite. Weiter waren in New-Jork die „Mücken" zu sehen, zwei Zwerge, ein Knabe von 14 Jahren, der 22 Zoll in der Höhe mißt und nur 9 Pfund wiegt, und ein Mädchen von 15 Jahren, welches mit Kleidern — wahrhafte Puppensachen — nur 4% Pfd. wiegt. Der Kopf des Knaben gleicht an Durchmesser dem Kopf eines neugeborenen Kindes und der Kopf des Mädchens ist noch kleiner. Bei der Geburt soll das Mädchen nur 9 Zoll gemessen und % Pfd. gewogen Haben. Württ. L.-Z. (Die Geschichte einer Perle.) Vor etwa Jahresfrist kam in Pest ein dürftig gekleideter Jude in eine Juwelenhandlung in der Herrengasse und holte aus seiner Tasche ein zusammengerolltes Stückchen Papier hervor, wickelte das Papier auf und nahm daraus einen kleinen schwarzen Gegenstand. Er hielt ihn dem Juwelier hin und fragte: „Was ist das werth?" — „Das ist viel Werth, antwortete der Juwelier, nachdem er den Gegenstand mit prüfenden Augen betrachtet hatte, das ist eine schwarze Perle, eine der größten Seltenheiten. Graue habe ich wohl genug, aber eine solche nicht. Sie hat zwar einen kleinen Fehler, einen