Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 24 (12.6.1879)
- Date
- 1879-06-12
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Bruch, weil sie einmal gefaßt war. Trotzdem aber besitzt sie einen hohen Werth. „Wo haben Sie diese Perle gekauft?" — „Ein Herr will sie mir in Pfand geben. Sagen Sie mir, was sie werth ist." — „Ich weiß es selbst nicht, denn sie ist eine große Rarität." — „Kann ich dafür 200 Gulden geben?" — „Getrost auch das Dreifache." — „Wollen Sie die Perle nicht selbst kaufen?" — «Ich nicht, denn es existirl nur eine Firma in der Monarchie, welche sie weiter zu verkaufen im Stande wäre, nämlich der Hofjuwelier Biedermann in Wien." — Der Perlenmann entfernte sich. Tags darauf erschien er bei Biedermann, der aber kurzen Prozeß mit ihm machte, einen Polizisten holte und den Juden arretiren ließ. Im Verhör sagte er aus, daß er Isaak Roth heiße und in Großwardein ein Pfandleih-Jnstüut besitze. Eines Tages hörte er in einer abseits liegenden Gasse aus dem Hause eines ihm bekannten Landmannes ein Geräusch. Er trat ein. Man war eben daran, die Effekten des armen Gyuri wegen einer Steuerschuld von 20 Gulden zu licitiren. Bei dieser Gelegenheit übergab ihm Gyuri die Perle als werthes Andenken, damit er statt feiner die Steuer bezahle, was er auch that. Die in Großwardein eingezogencn Erkundigungen bestätigten diese Aussage. Jener Landmann war einst der Lieblingsdiener des Grafen Ludwig Batthyäny und dieser schenkte ihm kurz vor seinem Tode seine Busennadel. Als er nun später in Roth gerieth, nahm er von derselben die goldene Fassung herab und verkaufte sie, die Perle aber, von der er glaubte, daß sie werthlos sei, behielt er als Andenken. Diese Perle war, wie sich herausstellte, gestohlenes Gut. Vor hundert und fünfzig Jahren wurden nämlich drei Perlen aus der englischen Krone gestohlen. Dies waren die einzigen damals bekannten schwarzen Perlen. Die englische Regierung ließ sie seitdem vergebens suchen. Von dem Funde benachrichtigt, löste sie die Perle sofort von Isaak Roth um zwanziglausend Gulden ein. Wie sie zu Batthyäny gelangt war, weiß Niemand. Wahrscheinlich kaufte er sie von einem Antiquitätenhändler und kannte wohl selbst ihren Werth nicht, sonst hätte er sie nicht einem Diener gegeben. Der Großwardeiner Jude verdankt es dieser Perle, daß er heute ein gemachter Mann ist. N. L.-Z. — Als Curiosum wird berichtet, daß der verstorbene Dr. Aub s. Z. aus der «Augsburger Synode", n"y, den Antrag gestellt hatte, man möge auch bei jüdischen Trauungen das Ringwechseln einführen und dabei sprechen: Y1VT1 'HY'6 (Ich gehöre meinem Geliebten an, und mein Geliebter mir.) Der sel. Dr. Treuenfels h"', machte hierzu die witzige Bemerkung: Und wenn ein Ehepaar sich scheiden läßt, so soll die Frau sagen: vy,*T fTD Mach, daß du fortkommst, mein Geliebter!) I. W. — Baron Lyonel Rothschild, dessen Tod aus London gemeldet wurde, forderte einst, wie Wurzbacher erzählt, Heinrich Heine auf, ihm ein Autograph zu senden. Hierauf schickte dieser ihm — wenn die Anekdote wahr ist — die bekannten Verse: Hast du viel, dann willst du bald Noch viel mehr dazu bekommen; Doch wer wenig hat, dem wird Selbst das Wenige genommen. Wenn du aber gar nichts hast, Ach, dann lasse dich begraben, Denn ein Recht zum Leben, Lump, Haben die nur, die was haben. V. Z. — Schuldirektor Eckardt, Wien, versucht im Maiheft des Paedagogiums (Leipzig, Klinkhardt), die Einheit des Menschengeistes durch gleiche Volkssitten bei räumlich und zeitlich getrennten Völkern nachzuweisen. Er sagt: die Beschneidung ist wohl mehr als Hygienische Maßregel aufzusasien. Sie wurde schon von den alten Egyptern und einigen Stämme« der alten Mexikaner ausgeübt. Bei den Juden war sie seit der Partriarchen-Zeiten Stammeszeichen. Durch die Araber ist diese Sitte zu vielen Völkerschaften gelangt, welche den Islam angenommen haben. Auch bei den Polynesiern ist der Gebrauch weit verbreitet, das Präruptium auszuschlitzen. Lokales. Bonn, 10. Juni. Hier hat sich schon der neue Rabbiner —?— unentbehrlich gemacht: man war schon sehr besorgt um dessen Abwesenheit, und allerlei Gedanken, selbst die schlimmsten Befürchtungen griffen Raum;-Wie man uns mittheilte (ob es wahr?) hatte man nach Bingerbrück, nach Mainz und nach Wiesbaden Kundschafter geschickt — und als der neue Seelsorger weder am Freitag Abend noch am Samstag Morgen in der neuen Kirche anwesend war, bemächtigte sich Aller eine allgemeine bange Ahnung. Doch bald kam die Nachricht, Schreiber, so heißt ja der Betreffende, sei am Samstag Morgen im Tempel in Wiesbaden gesehen worden. Ein hiesiges Gemeinde- Mi'.stied, welches sehr nahe Verwandte in Wiesbaden hat, soll dieses ermittelt haben. — In der That zu '»NAIV (das ist ja Samstag Abend) wurde die Aufregung beseitigt. Das nennen wir schnell schreiten und schnell reisen; am t£H1p im Tempel zu Wiesbaden und am nit^ ^82112 in Bonn, ist, seitdem die Eisenbahn fährt, keine Hexerei mehr. Unlängst wurde auch demselben nachgesagt: er wäre am nit£> in den Rhein gegangen, wahrscheinlich um zu baden, doch auch dieses war ein Mißverständniß, da derselbe nur über den Rhein gefahren war, und zwar nach Beuel. Letztere Gemeinde veranstaltete am jüngsten ersten Tag einen Ball, zu Gunsten eines Anbaues ihrer alten Synagoge. Ein Ueberschuß ist jedoch bei diesem (selbstverständlich unstatthaften) Feste nicht herausgekommen, indem man so allgemein am min ^nv DY» doch keinen Antheil an Tanzvergnügungen nimmt. Der ganze Anbau soll überhaupt nur höchstens 750 Mk. gekostet haben, welche auch, durch die guten Verhältnisse der Gemeinde, disponibel waren, weil solche wohlhabend ist. Auch Wefflingen (gehörte früher unter demRabbinate Crefeld zwischen Bonn u. Cöln) hat am demselben Feiertage einen Ball abgehalten; Die Aufnahme eines diesbezüglichen Inserates hatte die Exped.tion dieses Blattes verweigert, indenr wir nicht religionswidrige Gebräuche zur Nachahmung empfehlen mochten. Briefkasten der Dieboction. I. I. B, Bonn. Aus Ihren Wunsch die Beantwortung Ihrer Frage. Entnommen aus dem „min“ von Rabbiner Samson Raphael Hirsch (Siehe Kapitel 21 Werkverbot am Sabbath) ad 38. Da heißt es: Einen Ton Hervorbringen vermittelst eines dazu bestimmten Werkzeugs ist ein Verbot. Jegliches Hervorbringen eines musikverwandten Tones außer mit bloßem Munde ist Verbot. O. E. in Magdeburg. Mit Unsinn in ernsten Sachen befassen wir uns nicht; heißt es doch: Nimm nicht auf nichtigen Bericht re. rc. (II. B. M. 23, 1.) Berichtigung. Es haben sich einige sinnentstellende Druckfehler in der Doppelnummer 21—22 eingeschlichen: Hauptblatt S. 1, Z. 30 v. o. statt „mit" lies «nach unseren Weisen". S. 1, Z. 5 fehlt nach „einen" — «Spiegel". S. 2, Z. 31 lies statt «folgen" — „weichen". Andere eingeschlichene Druckfehler wird der gesch. Leser selber verbessert haben. Für den Aufruf in Nr. 19 sind ferner eingegangen': L. B. Poststempel Bonn 5 M. M. L. u. St. in Bonn je 1 M., N. N. 3 M. Die Redaktion. Kükfe-Wuf! Eine höchst traurige Katastrophe versetzt unsere tiefbeträbte Gemeinde in die schmerzliche Lage, die Hülfe anderer Gemeinden anzurufen. Montag den 12. d. Mts. hat ein gegen 10 Uhr ausgebrochenes Feuer Hab' und Gut unserer Gemeinde vernichtet. Synagoge, Schule, Gemeindehaus und Frauenbad liegen in Schutt und Asche: Das Maß des Unglücks aber ist um so größer, wenn man bedenkt, daß 16 jüdische Familien von einer nur aus 25 Mitgliedern bestehenden Gemeinde total abgebrannt sind, während die übrigen mehr oder minder starke Verluste zu ertragen hatten. Kurz, unsere Gemeinde ist so schwer betroffen, daß wir verzagten, wenn nicht die Hoffnung auf fremde Hülfe, wie wir sie oft bethätigt, uns aufrichten würde. Trotz der großen persönlichen materiellen Verluste, die wir erlitten, schmerzt es uns am tiefsten, daß uns gänzlich ein geeignetes Lokal fehlt, wo wir uns zum Gebete vereinigen, wie es in hiesiger Gemeinde stets in würdiger Weise üblich war. Der Mangel an Privatwohnungen sogar ist in Folge der riesigen Dimension der Brandstätte so groß, daß viele unserer Glaubensgenossen in den benachbarten Dörfern, wo keine Israeliten wohnen, ihr Unterkommen suchen mußten. Unter diesen Verhältnissen halten wir es deshalb für eine der ersten und heiligsten Aufgaben, noch im Laufe des Sommers mit dem Bau der Synagoge und Schule zu beginnen. Unsere Gemeinde gehörte nach Verhältniß ihrer Größe zu den opferfähigsten. Niemand ging mit leeren Händen von uns, der unsere Wohlthätigkeit beanspruchte. Hülfs-Aufrufe in den Zeitungen, Noth in den Nachbargemeinden fanden bei uns stets bereitwilliges Entgegenkommen. Wir hoffen daher zu Gott, daß auch wir mitleidige Herzen finden werden und richten die innigste Bitte an die verehrl. Cultusvorstände und an alle edelgesinnten Menschen, uns Ihre Hülfe zum Aufbau der Synagoge und Schule nicht zu versagen. Geldspenden beliebe man gütigst an einen der Unterzeichneten zu senden. Tann a. d. Rhön, den 18. Mai 1879, Wormser, L. Hecht, Districtsrabbiner in Gersfeld. Lehrer. B. Freudenthal I, B. Frendenthal II, Cultusvorsteher Cassirer. (in Firma Stern & Frendenthal.) 2375 S. Heilbronn, (in Firma Gebrüder Heilbronn.) Avis. Der Unterzeichnete sah sich veranlaßt, wegen des Religionsunterrichtes dahier einen Lehrer für seine Kinder zu gewinnen. Im Interesse derjenigen, welche seit dem Bestehen der hnp min sich das Verdienst erworben für unsere hl. Lehre zu eifern, bietet sich nunmehr die Gelegenheit dem wahren und nöthigen Bedürfnisse für ihre Kinder abzuhelfen. Dev betreffende Lehrer stellt nur ganz bescheidene Ansprüche. Auf eine rege Betheiligung hofft der Unterzeichnete, damit das Honorar bald zur Genüge festgestellt werden kann. Dieses schöne Werk wird jedem Zeichner zu einer besonderen Ehre gereichen, weil es an einem Tage ausgeht, wo so viele mildthätige Stiftungen in Aussicht stehen. Anmeldungen nimmt entgegen Bonn, 11. Juni 1879. Moritz Jaum, Peterstraße Nr. 8. Israelitische Heil- und Pflege-Anstalt für Nervenu. Gemnths-Kranke zu Sayn bei Bendorf a. Rh. (Reg.-Bez. Coblenz). In den erweiterten Räumlichkeiten können jederzeit Patienten beiderlei Geschlechts, in jedem Stadium der Erkrankung bei mäßiger Pension freundliche Aufnahme finden. (Bäder, Electricität, Heilgymnastik:c.) Leicht Verstimmte in der von der Anstalt getrennten und einige Minuten entfernten Villa. Prospekte sowie jede nähere Auskunft durch die Unterzeichneten 2367 M. Jaeoby. Dr. Behrendt. Mors an der Sieg, sehr gesunder u. angenehmer Sommer Ausenthalt. Mit billiger ni^l^Pension wre auch Uedernahme jüdischer Hochzeiten empfiehlt sich gestützt auf beste Referenzen W. Menkel Eitorf, im Mai 1879. 2371 Bestellungen auf den „Israelitischen Boten" für das nächste Quartal werden von allen Postanstalten zum Preise von % Mark entgegengenommen. Neu hinzutretende Abonnenten erhalten auf Verlangen die bis 1. Juli erscheinenden Nummern, sowie das darin enthaltene Feuilleton „Der Schabbes-Hans" vollständig gratis nachgeliefert. IMF* Demnächst kömmt eine höchst interessante Novelle „Im Banne des Gesetzes" zum Abdrucke. Wir ersuchen unsere geehrten Leser um recht zeitige Abonnements-Erneuerung, sowie um ihre gefällige Mitwirkung immer mehr Leser zu gewinnen, denn, wird unser Leserkreis größer, können wir auch rüstig fortarbeiten. Hochachtungsvoll der Herausgeber Mönch Baum.