Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 21/22 (22.5.1879)
- Date
- 1879-05-22
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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erfüllen soll, dann wird der KmnPf gegen den Eindringling ein harter, in dem acWP) Viele unterliegen, aus dem so Wenige siegreich hervorgehen, wie auch unsere Weisen sagen: rmx niTO X'IH HDn PltW X1N „Anfangs ist die Sünde ein Gast inmitten der Tugenden, in die sie gedrungen, gar bald aber steigert sich ihre Anmaßung, mit welcher sie diese zu verdrängen trachtet. — Legen wir daher das Wort des Herrn als einen mächtigen Riegel an unsere Herzensthüre, auf daß wir von der Sünde, von den Gelüsten nicht überwältigt werden, unser Herz rein und nur von Tugenden erfüllt, und so der Weg zu unserem hohen Ziel glatt und eben bleibe immerdar! — Das Wort des Herrn sei uns endlich ein Siegel! Ein Siegel soll die Wahrheit unserer Behauptung, unserer Erklärung bekräftigen, ein gegebenes Zeugniß bestätigen. Auch das Wort des Herrn ist ein Siegel! Legt es nicht ein beredtes Zeugniß ab von dem erhabenen Walten der ewigen Gottheit, von deren Weisheit und Allgerechtigkeit? Bekräftigt es uns nicht all die beseligenden Verheißungen, die unseren Erzvätern sind geworden? An ihm muß Israel treu halten, wenn es seine Mission, auf die das jetzige Fest uns hinweist, treu erfüllen will. Treten ihm auch Hindernisse entgegen, sucht man hier und dort, gestachelt durch entsittlichenden Religionshaß, dieses heilige Wort zu schmähen, die finstere Nacht des Fanatismus wird bald einem jungen heiteren Morgen der Erkenntniß, der Bruderliebe folgen — '1 15 D denn „der Mund des Herrn verheißt es ja in seiner heil. Lehre!" — So soll uns denn 'T nTlD, die Lehre des Herrn ein klarer Spiegel sein, damit wir stets vor Ueberschätzung unseres eigenen sittlichen Werthes geschützt bleiben. Sie soll uns ferner ein Riegel sein, daß vorder Sünde verlockende Stimme unsere Herzensthüre sich niemals öffne und unser Herz makellos bleibe. Endlich soll sie uns auch ein Siegel sein, das uns in freudigen und in Trübsalsstunden die Verheißungen des Allmächtigen bestätigt und wir nicht verzagt unsere Arme sinken lasten. Zu Gott, dem Allmächtigen, wollen wir aber dankend sprechen mit jenem Galiläer: IN'N rüDm tyH3 dyd ■»t hv '»xn^n nyh >xwbn xjwix •»xir^n xrmn 'xwbn Gepriesen seist Du, o Herr, der Du die Thora verdreifacht*), gegeben einem verdreifachten^Volke**) durch dreifache ***) Boten am dritteNjTage x) im dritten^) Monate! px! Meppen, im Mai 1879. I. Herzberg. *) -p"ri i) rrnn, 2) dwdj, 3) **) ffOrD, 2) W17, 3) D^xntF» ***) 1) Moscheh, 2) Ahron, 3) Mirzam. 1) W'ihwn DVD W 2 B. M., 19, 16. 2) pD. Zeitungsnachrichten und Lorrespondenzen. Deutschland. Bonn, 14. Mai. Einem statistischen Berichte zufolge repräsentirt das steuerfreie Grundeigenthum der Synagogen in New-Dork nach der neuesten Schätzung einen Werth von 1,702,000 Dollars. Bonn, 18. Mai. Heute empfingen wir nachstehendes Circulair: Leipzig, 13. Mai 1879. Verehrlicher Vorstand! Der ergebenst Unterzeichnete Ausschuß des deutschisraelitischen Gemeindebundes hat beschlossen, zur Feier der goldenen Hochzeit des hohen Kaiserlichen Ehepaares am 11. Juni d. I. eine Glückwunsch-Adresse zu überreichen. Er darf sich ohne Zweifel Ihrer Zustimmung zu dieser von ihm, als dem Centralorgan für die Interessen des deutschen Gesammtjudenthums ergriffenen Initiative im Voraus versichert halten. Es soll damit der Zersplitterung, welche durch Absendung von Adressen einzelner Corporationen hervor- Ireten könnte und die gerade bei dieser Veranlassung einen ungünstigen Eindruck machen würde, vorgebeugt werden. Von höchster Wichtigkeit ist es vielmehr, wenn in dieser unserer Kundgebung die patriotischen Gesinnungen und Gefühle sämmtlicher deutsch-israelitischer Gemeinden als eine Einheit zum Ausdruck kommen. Aus diesem Grunde richten wir an Sie die dringende Bitte, uns gestatten zu wollen, den Namen Ihrer werthen Gemeinde den Unterschriften unserer Bundesmitglieder anschließen zu dürfen. Ferner halten wir es für angemessen, daß dieser denkwürdige Tag durch einen Festgottesdienst, bestehend in Gebet und Predigt, in allen Synagogen unseres deutschen Vaterlandes begangen werden möchte. Kleinen oder Landgemeinden, die eines Predigers oder Lehrers ermangeln, sind wir auf Wunsch bereit, ein von berufener Seite für diesen Zweck verfaßtes Gebet in Form einer Ansprache zur Verfügung zu stellen. Um aber auch eine bleibende Erinnerung an dieses nationale Fest zu stiften, erlauben wir uns, die geehrten Vorstände hierdurch aufzufordern, durch Sammlungen die bereits vorhandene Beamten-Pensionskaffe des Gemeindebundes, welche den in Deutschland bestehenden segensreich wirkenden israelitischen Lehrer- und Lehrerwittwen-Kassen jährliche Unterstützungen aus ihren Zinserträgen gewährt, verstärken zu helfen, und soll der Fond einen an diesen Tag erinnernden Namen erhalten, falls die uns zugehenden Sammlungen einen entsprechenden Erfolg liefern werden. *) Ihrer geneigten Anschluß-Erklärung an die oben bezeichnete Glückwunsch-Adresse sehen wir bis spätestens zum 25. d. Mts. entgegen. Hochachtungsvoll der Ausschuß des Deutsch-Israelit. Gemeindebundes Jacob Nachod, Vorsitzender. *) Wir gestatten uns außerdem unsere verehrten Leser darauf aufmerksam zu machen, daß es in der Absicht des Ausschusses liegt, der zu errichtende Fond auch zur Unterstützung einzelner invalider und pensionsbedürftiger Beamten zu verwenden und können wir dieser löblichen Absicht nur unsere Anerkennung zollen. (Redaktion.) (Nachbemerkung.) Wir haben bereits in Nr. 12 vom 20. März, 1. Seite, auf das fünfzigjährige Hochzeitsfest hingewiesen und freut es uns, daß der Jsr. Gemeindebund die Initiative in dieser Angelegenheit ergriffen hat. Es wird wohl Keiner versäumen, den diesbezüglichen Beitritt frühzeitigst an den Vorsitzenden Herrn Jakob Nachod anzumelden. Bei dieser Gelegenheit erlauben wir uns von einem uns zugegangenen Schreiben von Sr. Ehrmürden Herrn S. Silberstein, Rabbiner a. D. aus Vietz Mittheilung zu machen, in welchem sich der ehrenwerthe 93jährige Greis, in Folge unseres Artikels wie oben bereits angeführt, dahin aussprach, eS möge jeder Rabbiner, Prediger oder Lehrer in seiner Gemeinde sich bestreben, durch Ergebenheits- Adressen und Festgottesdienst den Beweis der Liebe und Hochachtung für das erlauchte Kaiserpaar zu bethätigen, was gewiß auch Jeder mit Freude thun wirb, da das ganze deutsche Judenthum stets ihre patriotische Gesinnung, Treue und Ergebenheit an das Kaiserliche Haus an den Tag gelegt hat und immer legen wird. Auch von vielen anderen Rabbinen und Cultusbeamten gingen uns noch viele Beweise der Anhänglichkeit und Theilnahme an dem seltenen Feste zu, welche wir aber wegen Raummangel nicht zum Abdruck gelangen lassen konnten. Wir ersuchen daher den Betreffenden um gefällige Nachsicht, zumal der Jsr. Gemeindebund die Sache jetzt in die Hand genommen. — Bei Gelegenheit der silbernen Hochzeit des Kaisers und der Kaiserin von Oesterreich sind unter Anderem zwei Huldigungs-Adreffen im Namen von 580 Rabbinen und dessen Gemeinden an das Herrscherpaar gerichtet worden. Herr Ignatz Deutsch hat eine Adreffe des Rabbinats Jerusalem sowie des Chacham Baschi in Nord-Afrika und aus sonstigen Ländern nebst beiqefügten großartigen werthvollen Geschenken persönlich dem Herrscherpaare überreicht. — Auch wir gratuliren den edlen Monarchen und die Monarchin. (Red.) Köln, 12. Mai. Gestern Vormittag wurde Herr Milius Goldstein, welcher länger als 20 Jahre der Druckerei der Kölnischen Zeitung als Factor vorgestanden hat, unter großer Betheiligung seiner Freunde und Fachgenoffen aus dem israelitischen Kirchhofe in Deutz zur Ruhe bestattet. Der Verstorbene war ein vortrefflicher Mann und höchst ehrenwerther Charakter. Für die gründliche Kenntniß seines Faches zeugen die vielen Werke, namentlich ans dem Gebiete des Kunstdrucks, welche unter seiner Leitung aus der Offizin hervorgegangen sind. Mit energischer Geschäftsführung verband er Milde und Wohlwollen gegen die Gehülfen, deren Interesse ihm eben so am Herzen lag wie das seiner Vorgesetzten. Sämmtliche Mitglieder des umfangreichen Instituts des Hauses M. Du-Mont-Schauberg sahen ihn mit Schmerzen aus diesem Leben scheiden und das ganze Trauergefolge wird den warmen Worten, die der Rabbiner Dr. Frank in einer trefflichen Grabrede dem Verstorbenen widmete, aus innerstem Herzen zugestimmt haben. „Gradheit des Sinnes, Offenheit des Characters, Redlichkeit des Willens, rücksichtslose Strenge gegen sich, gewissenhafte Pflichterfüllung sind die hervorragenden Tugenden, die ihn auszeichneten. Er verstand zu gehorchen und zu befehlen, er fand die rechte Mitte, die vom unwürdigen Sichselbstaufgeben und verwerflichen Sichselbstüberheben gleich weit entfernt blieb." So charakterisirte der Redner den Hingeschiedenen, so haben wir ihn gekannt, als er noch unter uns wirkte, und so wird sein Bild in unserm Andenken sortleben. (Anmerkg. der Red.) Der Verstorbene war Berliner und stammt aus einer sehr religiösen Familie, selten versäumte er den Besuch der Synagoge. Tanten, 18. Mai. Die Rheinisch-Westf. VolkSz. in Wesel, von deren Rischus ich Ihnen bereits oft Proben eingesandt habe und in deren Augen alle Wucherer Juden und alle Judcn Wucherer sind, hat in einer ihrer jüngsten Nummern wieder ein Pröbchen dieses Judenhasses abgelegt, das auch zugleich seine heitere breite hatte. — Vor einiger Zeit wurde in hiesiger Stadt der Kaufmann Abraham Ernestus als zweiter Beigeordnete gewählt und Niemand fiel es bei, diese Wahl zu bemängeln, die Rh. Wests. Volksztg. schrieb jedoch, nachdem sie von der genannten Wahl Nachricht hatte: „In Xanten wurde der Israelit Abraham Ernestus als Beigeordneter gewählt, ist das Parität in einer katholischen Stadt? rc. rc. Hier hat sich nun die Volksztg., wie in so manchen anderen Dingen wieder einmal recht fehlbar gezeigt, denn der Kaufmann Ernestus ist trotz seines Vornamens „Abraham" ein guter Christ und mußte herzlich darüber lachen, daß die Volksztg. ihm die Ehre erzeigte, ihn ohne Weiteres der jüdischen Consesston zuzuzählen. Am 11. Juni, an dem Tage, wo unser erlauchtes Kaiserpaar die goldene Hochzeit begehet, feiert das jüdische Ehepaar Mehler in Dülken die diamantene Hochzeit. Das seltene Fest soll großartig gefeiert werden und die ganze Stadt wird sich daran betheiligen. Einer der angesehensten Bürger der Stadt ein Christ, ist Vorsitzender beim Festkomits. Ich werde mir erlauben, Ihnen später über den Verlauf der Festlichkeit, nähere Mittheilung zu machen. Adolph Oster. Brannschweig Der durch seine Synagogengesänge rühmlichst bekannte Cantor, Herr Goldberg, feierte am 1. Tage Peßach sein 50jähriges Amtsjubiläum als Cantor und Lehrer. Der Jubilar fungirte 37 Jahre in hiesiger Gemeinde und 13 Jahre in den Gemeinden Seesen und Holzminden, und wußte er sich die größte Achtung und Anerkennung zu erwerben Der Vorstand der hiesigen Gemeinde überraschte den Jubilar mit einem ansehnlichen Geldgeschenke und wurden ihm auch von vielen anderen Seiten Zeichen der Aufmerksamkeit zu Theil. Der Herzog zeichnete ihn dadurch aus, daß er ihm den Verdienstorden Heinrichs des Löwen erster Klasse verlieh und ist der Jubilar der Erste, dem eine solche Auszeichnung zu Theil geworden. Halberstadt. Der langjährige Lehrer der isr. Gemeindeschule „Hascharath Zewi", Herr H i rs ch I o s e f starb am 12. vor. Mts. in einem Alter von 76 Jahren. Der Verstorbene war ein tüchtiger Pädagoge und hat sich namentlich durch die Herausgabe mehrerer guter Rechenbücher einen Namen erworben. Er war stets ein pflichttreuer Beamter und war seine Wirksamkeit von frommer Gesinnung und echt religiösem Geiste getragen. PD~n^ UHD* Frankfurt a. M. Am 7. v. M. fand die Bestattung des Herrn Moritz B. Goldschmidt, des Chefs der Bank-Firma gleichen Namens, unter allseitiger Betheiligung statt. Der Verblichene hatte ein Alter von 80 Jahren erreicht. Er hatte in der jüdischen Gemeinde eine Reihe von Ehrenämtern bekleidet. Er war bis zum letzten Augenblicke als Vorsitzender des Gemeindevorstandes thätig. Die Armen verlieren in ihm einen großen Wohlthäter. n"2^Jn Bayreuth, 1. Mai. Priv.-Mitth. (Unlieb verspätet Red.) Am 27. v. Mts. hat ein Leben voll rühmlichen Strebens und rastloser Thätigkeit seinen Abschluß gefunden. Herr Moses Vogel, seit 18 Jahren Religions-, Elementarlehrer und Cantor der israelitischen Gemeinde Altenkundstadt ist nach längerem, schwerem Leiden im 42. Lebensjahre sanft verschieden. Es beweinen und beklagen seinen frühzeitigen Hingang nicht allein eine junge Gattin mit vier unmündigen kleinen Kindern, sondern auch die ganze israelitische Gemeinde mit ihrer verwaisten Schule, alle Qrtseinwohner ohne Unterschied des Glaubens und Standes, sowie zahlreiche Schüler, College» und Freunde. Arme und Dürftige, denen er stets Wohlthäter gewesen und Alle die ihn kannten und ihm näher standen. War während seines langen Krankenlagers die Theilnahme schon sehr groß und allgemein, so hat das Leichenbegängniß noch viel mehr Zeugniß gegeben von der allgemeinen Verehrung und Liebe, die man dem Verstorbenen zollte. Vom Sterbehause bis zum israel. Friedhose in Burgkundstadt entfaltete sich ein so großartiger und feierlicher Leichenzug, wie ihn dort noch Niemand gesehen hat. Herr Rabbiner Wittelshöser aus Floß, ein Onkel der Wittwe, hielt am Sarge, der von der Cultusverwaltung getragen und bei der Synagoge abgestellt wurde, in liefergreifenden Worten die