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Der israelitische Bote · 1879-05-22 · 21/22 (22.5.1879) · p. [Seite 3]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
21/22 (22.5.1879)
Date
1879-05-22
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German
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.«achenrede. Der gewandte Redner hob die Religiösität und das schöne Familienleben des Verlebten hervor und sprach über die großen Verdienste und das edle Streben rc. Eine Schülerin zollte im Namen ihrer Mitschüler und Mitschülerinnen dem Verklärten den Tribut wohlverdienten Dankes in einem schöngesprochenen Gedichte. Endlich trat der derzeitige Cultusvorstand, Herr Kaufmann Seeligsberg, an die Bahre und sprach mit gewohnter Beredtsamkeit den Dank der Gemeinde aus. Derselbe schilderte das dem Verstorbenen innewohnende Bedürfnis, Anderen wohlzuthun, seine seltene Hingebung und Aufopferungsfähigkeit für allgemeine Interessen. Vor und nach diesen Reden trugen die zahlreich erschienenen College» des Verstorbenen einen ergreifenden Trauergesang vor. Unter Vorantritt einer Abtheilung Turnerseuerwehr — der Verlebte war Mitbegründer und Mitvorstand derselben — und eines Mustkcorps, das einen Trauermarsch ausführte, setzte sich der Trauerzug in Bewegung. Vor dem Sarge ging die trauernde Schuljugend, rechts und links schritten Mitglieder des Kriegervereins, dessen Ehrenmitglied Bogel war, mit Fackeln, diesen folgten der Herr Rabbiner, die Kinder und Verwandten des Entschlafenen, der k. Bezirksamtmann Herr Zeller aus Lichtensels, begleitet von Deputationen auswärtiger Feuerwehren, der k. Herr Districtsschul-Jnspector von Weismain, die Herren Geistlichen von Altenkundstadt und Burgkundstadt, der Bezirkslehrerverein, frühere Schüler und viele Freunde des Verstorbenen von Nürnberg, Bamberg, Bayreuth, Lichtensels rc., die Mitglieder des Cultus- und der politischen Gemeinde Altenkundstadt und die der Schwestergemeinde Burgkundstadt. Den Schluß des Zuges bildete wieder eine Abtheilung Feuerwehr. Am Friedhofe angekommen, bildete die Feuerwehr Spalier, und der Zug bewegte sich zum Grabe. Nachdem hier vom Rabbiner das übliche Trauergebet gesprochen war, widmete Herr Lehrer Löbenstern von Burgkundstadt im Namen der Collegen dem Heimgegangenen verdienstvollen Freunde einen recht innigen und herzlichen Nachruf. H^nnt endete die erhebende Trauerfeier für den verstorbenen Biedermann. — Möge ihm die Erde leicht sein! Gollrrb, 15. Mai. (Priv.-Mitth.) Einen großen überaus schmerzlichen Verlust hat dieser Tage unsere Gemeinde und mit ihr die ganze israelitische Gesammtheit erlitten. Unser hochverehrter, durch sein talmudisches Wissen sowohl, wie durch seine Frömmigkeit weit hin gekannter Rabbiner Rabbi Baruch Rosenfeld hat uns verlassen, um in ein höheres, schöneres Leben ein- .zugehen. Mehrere Jahre schon kränkelnd und schwach, erfaßte ihn in der jüngsten Zeit eine schwerere Krankheit, von welcher er nicht wieder genesen sollte. Donnerstag den 15. Jjar hauchte er nach kurzem ernstem Krankenlager seine reine Seele aus. Rasch verbreitete sich die Trauerkunde in der ganzen Umgegend, so daß trotz Freitags eine großartige Theilnahme am Leichenbegängnisse von Seiten nahen und fernen Gemeinden sich kund gab. Sowohl aus Polen wie aus Preußen kamen Rabbinen und Deputationen von Gemeinden, um dem in beiden Ländern Berühmten und Verehrten die letzte Ehre zu erweisen. 7 Redner sprachen an der Bahre des Verklärten. Im Tempelhof sprach der Rabbiner aus Kikul; im Tempel die Rabbinen aus Lipno und Dobrzyn, Dr. Goldschmidt aus Briefen, sowie ein intimer Freund des Verblichenen, der Kaufmann Louis Kalischer aus Thorn und am Grabe sprachen die Rabbinen Karo aus Loebau und Dr. Stiebe! aus Straßburg W./P. Sämmtliche Redner schilderten in der ergreifendsten Weise die Größe des Verlustes und den Schmerz den jeder wahre Iehudi ob des frühen Heimgangs des Vollendeten empfinden muß. 33 Jahre war der Verklärte der religiöse Führer unserer Gemeinde, und hatte sich durch seine herrlichen Eigenschaften und seinen edlen Charakter die Liebe und Hochachtung der ganzen Stadt, auch die der nichtjüdischen Einwohner in vollem Maße zu erwerben verstanden. Möchte die Kehilloh ihren Rav, durch welchen, wie ein Redner richtig bemerkte, sie erst ihren Ruf erhalten, auch noch nach seinem Tode dadurch ehren, daß sie das vacante Rabbinat nur einem ihrem bisherigen Rabbiner würdigen Nachfolger überträgt. p htdt Württemberg. Zwiefalten, 8. Mai: (Toleranz.) In der hiesigen Irrenanstalt verstarb vor kurzer Zeit eine 78jährige Jüdin, gebürtig aus Altkrautheim, O. A. Künzelsau. Sie hatte 25 Jahre in der Anstalt verlebt und hatte sich der besonderen Gunst der Anstaltsvorstände zu erfreuen. Sie beobachtete während der ganzen Zeit ihres Aufenthalts streng alle jüdischen Speisengesetze. Die Direktion und das Wärterpersonal erleichterten ihr diese seltene Anhänglichkeit an ihren Glauben auf das Möglichste. Die Festtage verbrachte sie gewöhnlich bei ihren Glaubensgenossen in Buttenhausen, wo sie auch begraben wurde. Auch beeiferte sich der Direktor der Anstalt, ihrem Wunsche gemäß, eine Summe zust-mmenzubringen, um eine Jahrtagsstiftung für sie in der israel. Gemeinde Buttenhausen zu errichten. Der Be-rdigung wohnte die Oberwärterin bei, um der Verstorbenen, die hier allgemein beliebt und bekannt war, die letzte Ehre zu erweisen. Eine solche seltene Toleranz, wie dieser Person in unserer Anstalt zu Theil wurde, verdient öffentliche Anerkennung. Aus d. W. Landeszeitg. Rumänien. Bukarest, 17. Mai. (Neueste Nachricht). In einer gestern hier stattgehabten Wahlversammlung beantragte Costinescu, ein anerkannter Führer der liberalen Partei, folgende Lösung der Judenfrage: Es sollen die Rechte des rumänischen Bürgers und die volle Gleichberechtigung mit denselben allen in Rumänien geborenen Israeliten zuerkannt werden, welche niemals unter ausländischem Schutze gestanden und sich der Militärauslösung unterzogen haben. Costinescu erachtet die Betheiligung an der Militärauslösung als eine Option für die rumänische Nationalität. Alle Juden, welche rumänische Unterthanen seien, müßten dieser Kategorie angehören. Die übrigen Juden seien fremdländische Unterthanen und den allgemeinen Rechtsnormen unterworfen, sie würden demnach, um die Naturalisation zu erlangen, sich den für alle übrigen Ausländer vorgeschriebenen Formalitäten unterziehen müssen. Diese vorgeschlagene Lösung der Judenfrage wurde von der Versammlung, an welcher über 2000 Wähler Theil nahmen, sehr günstig ausgenommen. V. Z. In Alt- und Neuserbien haben die Israeliten schon längst ihre Gleichberechtigung. Der Cultusminister genehmigte die Schulen aus Staatsmitteln zu erhalten. Synagogen und Schulen werden errichtet. Bou«, 19. Mai. Heute früh stürmteein hiesiger Neologe in unser Redactions-Bureau mit dem Ausrufe: „Hier lesen Sie einmal ein Artikelchen in dem Blatte des Rabbiners —?— Schreiber, Prediger und Religionslehrer zu Bonn, gegen den nahezu 70jährigen Herrn Dr. L. Philippsohn, dessen Brust erst jüngst mit einer Auszeichnung seitens Sr. Majestät geschmückt wurde." Wir hatten nichts dagegen einzuwenden, den beregten Artikel auf Wunsch wortgetreu in unsrem Blatte wiederzugeben, ohne jedoch in Bezug auf den Inhalt eine Verantwortung zu übernehmen. Wir stimmen nicht mit den Ansichten des Herrn Dr. L. Ph. überein, konnten auch, als es sich um die hiesigen Gemeinde-Angelegenheiten handelte, seiner Mitverwaltung als Vorstandsmitglied in allen Theilen unsere Mißbilligung nicht zurückhalten, und hatten auch stets Protest dagegen erhoben; jedoch an Ausschreitungen gegen den Redakteur der Allg. Ztg. des Judenthums haben wir niemals gedacht, noch von dieser Seite erwartet. Sind das erwa die höheren Mo live des 27jährigen Neulings, um in der Universitätsstadt Bonn zu wirken? Der fragliche Artikel lautet: Vom Main. In einer der letzten Nummern der altersschwachen Zeitung des Judenthums äußert sich Dr. Philippsohn über Geiger in einer Weise, die öffentliche Rüge verdient. Er erdreistet sich nämlich nichts Geringeres zu behaupten, als daß Geiger der Schöpfer einer wissenschaftlichen jüdischen Theologie, „kein Theologe gewesen wäre"(!!). Herr Dr. Philippson, der auch in Verherrlichung des Finsterlings Bambergers*) (in Würzburg) seiner Zeit gemacht hat, möge sich doch Vorhalten, daß er trotz seines vorgerückten Alters noch immer bei Geiger gerade Theologie hätte studiren können. Solche Aeußerungen, in die leider ebenso unwissende wie indifferente Masse hineingeworfen, schädigen nicht so sehr das Ansehen Geigers, dessen theologische Capacität über alle Anfechtung erhaben ist, als sie vielmehr zeigen, wie wenig Verlaß auf Herrn Dr. Philippson, wo es die entschiedene und wahre Vertretung des ächten Judenthums gilt. Während Geiger eine Zierde der Judenheit unseres Jahrhunderts bleibt und ein Bamberger selbst in talmudischer Gelehrsamkeit an seine Fußknöchel nicht hinanreicht (vide Zomber u. s. w.) schickt sich Herr Dr. Philippson dazu an, Letzteren, dessen Gleichen man zu Dutzenden in Polen antreffen kann, zu glorificiren und einem Geiger — freilich dem tobten*) G. — die Bedeutung als Theologe abzusprechen. *) Wem fällt da nicht das talmudische Gleichniß vom todten Löwen ein? Was Philippson gegen Geiger hat, ist uns überhaupt schon längst unbegreiflich, da er doch mit den jüdischen Satzungen schon seit Jahren auf gespanntestem Fuße steht, an nichtjüdischen Festessen vollständig theilnimmt **) u. s. w. — also doch kein prinzipieller Gegner G's. sein kann. Oder kann er's ihm noch heute nicht vergessen, daß vor 40 Jahren in Breslau bei der Rabbinerwahl eben Geiger über den Mitbewerber Philippson den Sieg davontrug? Das PH. ein ausgezeichnetes Gedächtniß hat, würde man natürlich auch wissen, wenn er nicht durch ihn geradezu lächerlich machende Behauptungen daran erinnerte. Geiger kein Theologe — Sehr gut. _ Die Redaction. *) Red. des „Jsr. Boten". ** Mit oder ohne Bouillon? (Red. des „Israelitischen Boten"). Bonn. (Feuersbrunst sin Tann im Kreise Gersfeld Reg.-Bez. Kassel.) Es'sind etwa 130 Gebäude, darunter 84 Häuser, eine Kirche, die Synagoge, die jüdische Schule, das Rentamt, die Post, und drei evangelische Pfarrwohnungen ein Raub der Flammen geworden. (Die bedauernswerthe Gemeinde bedarf schnellstens der Hülfe ihrer Nebenmenschen. Gebe wer geben kann! Der Vorstand der israelitischen Gemeinde nimmt Gaben gerne entgegen. (Red.) Cöln. Der jüngst hier auf offener Straße von Geschästscollegen Erschossene, war der Sohn des ttn zu Magdeburg. Die Ursache der Streitigkeiten entsprang aus Geschäfts-Neid. Der Thäter entzog sich der weltlichen Gerechtigkeit, indem er sich selbst nach Vollbringung der That das Leben nahm. Vermischtes. Eine seltsame Testamentsklausel hat sich in der letztwilligen Verordnung eines kürzlich verstorbenen alten Ehepaares gefunden. Dasselbe war Besitzer eines Hauses in der Spandauerstraße und hat es einer Kirche unter der Bedingung vermacht, daß sie es nicht an einen Bekenner des jüdischen Glaubens verkaufen oder vermiethen dürfe. Für den Mohel-Verein eingegangen von Herrn I. Weyermann in Bonn bei der Beschneidung seines Söhnchens 10 Mk. Eingegangene Spenden (siehe Aufruf im Jnseratentheil.i G. Adler 3 M. Jos. Anschel 3 M. N. L. 1 M. M. Schuster 1 M. H.H. 1 M. R. Schmitz 1 M. A. Bingen 1 M. H. H. 50 Pfg. N. N. 50 Pfg. » S. Herz 50 Pfg. S. Samuel 1 M. Frau Wwe. » Wallerstein 1 M. D. David 1 M. S. Arensberg? 50 Pfg. G. Weyermann 1 M. Ab. Sonnenberg in Wetzlar 2 M. 50 Pfg. M. B. A. in H. 3 M. Briefkasten der Redaktion. Einigen neugierigen Fragern zur Antwort, daß das in Nr. 26 des vorigen Jahrganges gebrachte Gedicht „Zur Bar-Mizwah-Feier", unterzeichnet mit HirT* tS^X, von unserem Mitarbeiter, Herrn Lehrer I. Herzberg in Meppen, verfaßt ist. Israelitisches Asyl für Kraute und Altersschwache. Wir haben seit unserer letzten Bekanntmachung wiederum nachstehende Geschenke zu verzeichnen. M. S. 6 Mk. Rhein. Strtckgarnfabrik 30 M. Spende. B. Abraham 5 M,, desgl. I. Menke 3 M., desgl. Jac. Baruch 10 M., desgl. Frau Netto Falk 153,70 M. Sammlung von mehreren Frauen pro. 1. Quartal. Frau S. M. Frank 100 M. Salomon und Michel Rothschild in Grevenbroich 300 M., Vermächtniß ihres sel. Vaters Benedikt Rothschild. S. M. Frank ein Sack 200 Pfd. Weizenmehl. H. Michels u. Co. 25 Flaschen Rothwein. Frau Rebekka Auerbach 30 M. anläßlich des Ablebens ihrer Tochter Johanna. Erben Frank 1500 M., Vermächtniß des verewigten S. M. Frank. G. M. Meyer 10 M. Spende. Aug. Rothschild 5 M., desgl. H. Metz, desgl. Ph. Bock, Jac. Brünell sen. 5 M. Aug. Loeb 3 M. Louis Löwenwarter 3 M. D. Cohen 3 M. S. Hoffmann 3 M. H. Bing 3M. Max Harff 10 M. Louis Mendel 5 M. Moritz F ied 50 M. D. Waller 5M. Abr. Meyer aus Linnich 5 M. S. v. Peclstein 1,50 M. Eduard Stern 5 M. Wir sprechen hiermit den edlen Gebern für diese Liebesgaben Namens der Anstalt unfern wärmsten Dank aus. Köln, den 10. Mai 1879. Das Curatorium. Pensionat, höhere Töchterschule & Vorbereitung zum Lehreriuueu-Exame». Trier a. d. Mosel. Referen? Herr Lanvrabb. Dr. Adler in Eaffe!' „ Rabb. Dr. Frank in Cöln. „ Realschullehrer Dr. Holzmann in Berlin. Prospecte und Näheres durch die Vorsteherin. 1815 Josephine Araenkel.

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