Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 14/15 (3.4.1879)
- Date
- 1879-04-03
- Page
- [Seite 4] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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II. Curs Beschreibungen und Schilderungen, Vergleichungen, Erklärungen und Abhandlungen; Lehrer Ehrmann. 3) Lesen: I. Curs Prosaische und poetische Lesestücke aus dem Lesebuche von Heinisch 3) Theil; Lehrer Neumann. II. Curs Prosaische und poetische Lesestücke aus dem Lesebuche von Lüben, Lesen und Erklärung des Dramas -Wilhelm Tell" von Schiller und „Ernst von Schwaben", v. Uhland; Lehrer Ehrmann. Mit dem Lesen verbunden war das Memoriren von Gedichten und prosaischen Musterstücken. t>. Rechnen: I. Curs. Die Decimal- und die gemeinen Brüche; die einfachen und zusammengesetzten Verhältnißrechnungen; Lehrer Neumann. II. Curs. Die Prozent-, Zins-, Gesellschafts-, Rabbat« nnd Mischungsrechnungen, Flächenberechnungen und Wurzelausziehen nach Heuner und Häster; Lehrer Ehrmann, o. Weltgeschichte: I. Curs. Die römische Geschichte von Augustns bis zum Untergange des römischen Reiches. Die deutsche Geschichte bis zum Interregnum. Lehrer Neumann. II. Curs. Die deutsche Geschichte von den Hohenstaufen bis zum Westphälischen Frieden nach Weiter; die bayrische Geschichte dieses Zeitraums nach Saffenreuther; Lehrer Ehrmann, ä. Geographie: I. Curs. Das Allgemeine von Europa, Deutschland mit besonderer Berücksichtigung Bayerns; Lehrer Neumann. II. Curs.Deutschland, Oesterreich, die Schweiz, Belgien und Holland nach Arendts; Lehrer Ehrmann, e. Naturgeschichte: I. Curs. Die Lehre vom Menschen, die Säugethiere und die Vögel; Lehrer Neumann. II. Curs. Die Reptilien, Amphibien, Fische, Insekten und Spinnenthiere nach Schilling; Lehrer Ehrmann. k. Physik: I.Curs. Die Lehre vom Luftdruck, vom Licht, von der Wärme und von dem Magnetismus nach der Physik für die Volksschule von Krüger; Lehrer Neumann. II. Curs. Im Wintersiinester: Die Lehre vom Schall und von der Wärme nach Krüger mittlere Lehrftufe; im Sommersemester trat Botanik für Physik ein; Lehrer Ehrmann. g. Schönschreiben: Deutsche nnd englische Schrift auf doppelt und einfach linirten Heften; in beiden Cursen Lehrer Ehrmann. h. Zeichnen: Freihandzeichnen nach Vorzeichnung ans der Wandtafel und nach Vorlage: I. Curs. Die gerade Linie, die krumme Linie, die gemischte Linie. II. Curs. Menschliche und thierische Körper-Formen, Pflanzen-Frrmen und Ornamente. i. Gesang: Uebungen in der Sekunde und Terz nach der Chorgesangschule von Schletterer; ein- und zweistimmige Lieder; Lehrer Ehrmann. Fortsetzung folgt. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Westereappelu bei Osnabrück. (Pr.-Mitth.) In der vorigen Woche starb Hierselbst Herr Lehrer Kaufmann. Der Verstorbene hatte während seiner 30jährigen Wirksamkeit in hiesiger Gemeinde sich eine seltene Liebe und Achtung der Gemeindemitgkieder erworben. Molsheim (Elsaß). Dem Molsheimer Kreisblatte entnehmen wir folgende interessante Notiz: „Den 19. letzten Monats starb der ehrwürdige Pfarrer zu Dangolsheim. Zm Jahre 1848 war derselbe als Pfarrer in Dürehe ich ihm ein Wort sagen konnte, hat er schon gerufen: das Kühle von Muhr ist trefa!" So war der Mann bestellt, aus besten Leben wir zur Unterhaltung der Leser einen Zug im Zusammenhang mit den großen und kleinen, erhabenen und erniedrigenden Ereignissen des Jahres 1848, im Folgenden erzählen wollen. Fortsetzung folgt.! menach eine wahre Vorsehung der dort wohnhaften Bürger und besonders der Israeliten. Als der blinde Sturm der zügellosen Wuth eines rauösüchtigen Gesindels und Plünderer gegen sie wüthete, nahm der gute Pfarrer sie unter den Schutz seines heilsamen Einflusses, vertheidigte sie mit seinem ganzen Wesen und stellte ihnen sein Pfarrhaus als Veste und Zufluchtsort zur Disposition; dadurch zog er sich die Hochachtung und Liebe aller Menschen, sowie das Lob des damaligen Ministers 0r6mieux zu. Ein solcher von ächt religiösem Blute beseelier Diener des Allerhöchsten, der seines Gleichen nur selten finden mag, verstand die wahre Kunst sich als Freund und Gegenstand der Liebe zu seinem Nächsten bei Jedermann beliebt und geschätzt zu machen. Er begriff, daß sogar zu Gunsten der Christenheit die Israeliten als alterthümliches Monument, als Inhaber der Gesetze Gottes von der Wiege der Zeilen her aus mysteriösen Gründen geschützt und aufrecht gehalten zu werden verdienen. Schon im Mittelalter drückte sich ebenfalls auf diese Weise ein Kirchenfürst aus Mainz einer leidenschaftlichen Volksmenge entschieden, dafür aus: Daß man bei jeder Gelegenheit dieses interessante Volk respectiren soll, weit es stets der lebendige Zeuge ist und bleiben muß, daß der Heiland gelebt und gewirkt hat. Und trotz allen Stürmen, die schon über das Haupt Israels gingen, lebt dasselbe immer noch, während ältere oder minder alte Völker im Laufe der Zeiten spurlos in das tiefe Dunkel der Vergangenheit verschwunden sind. O, möge der fromme Hinübergegangene, der das schöne Beispiel hinterließ, wie man aus dem Schooße der Kirche Heil und Segen verbreiten kann, allen Kirchen- und Neligionsdienern als Muster, zur Beförderung, zum Heil der gesammten Menschheit ohne Glaubensunterschied dienen, um auch sie in den Pfad des Verewigten anreihen zu können, damit man von ihnen ebenfalls einst ein denkwürdiges Wort Nachlesen könne, so wie es der tugendhafte selige Pfarrer von Dangolsheim nach weist und folgendes Denkmal der Nachwelt zurückläßt: „Ein Becher des Heils", worauf die Inschrift: A Monsieur le Cur5 Spitz! La communaute israelite de Durmenach reconnais- 8 ante! Oesterreich. Lemberg Vor einiger Zeit fand hier eine Versammlung galizischer Rabbiner statt, in welcher beschlosten wurde, bei der Regierung dahin zu wirken, daß für die jüd. Soldaten "irr^Küche errichtet wrrde. Miscolez. Jüntzst hatte ein junger Mann, Namens Arnstein, in dem */4 Stunden von hier ent' lernten Städtchen Diösgpör im Kartenspiel an seinen Nachbar zwanzig Kreuzer verloren, die er ihm schuldig blieb. Als der Gewinner das Geld forderte, sagte Arnstein im Scherze zu ihm, wenn er noch zwanzig Kreuzer dazulege, so wolle er seinen Antheil am ewig,n Heil ihm übertragen. Jener ging darauf ein, zahlte noch die zwanzig Kreuzer und Arnstein stellte darüber eine Bescheinigung aus. Zwei Tage nachher starb Arnstein eines plötzlichen Todes, und muß seinen Antheil am ewigen Leben als Pfand auf Erden zurücklasten. Da kam in der Nacht nach dem Begräbnisse der Gläubiger in das Haus seines Nachbars gercmnt und erzählte, von Schrick außer sich, ihm sei Arnsteins Geist erschienen und fordere seinen Antheil am ewigen Leben zurück. Dieses wiederholte sich durch 3 Nächte. Nun wandte sich der so Geängstigte an einen Rabbiner, der aber erklärte, in der Sache nichts thuu zu können. Darauf wurden sechs Rabbiner zur Berathung nach Spikszö berufen und diese entschieden, daß das Grab des Beerdigten geöffnet und die Verzichtleistungsschrift, welche ihm die Himmelspforte verschließt, in den Sarg gelegt werden müsse." (Welcher Aberglaube: Red.) Frankreich. Avignon. Herr Am6dee Valabregue, der Prä stdent deS Marseiller Consistoriums, wurde jüngst zum Präsidenten der hiesigen Handelskammer gewählt. Dieses Ereigniß verdient um so mehr hervorgehoben zu werden, als von 255 Stimmen 2 50 auf den Gewählten fielen und die Preste seine Klugheit und seinen Edelsinn rühmend hervorhebt. Reims. Etwas recht Erfreuliches ist von hier zu berichten. Trotz der Opposition des Erzbischofs ist Herr Rabbiner Emil Kahn zum Local-Schulinspector des ersten Schulreviers der Stadt ernannt worden. Rumänien Bakurr. Ein beredtes Zeugniß von der Judenfreundschaft der Rumänen giebt uns folgende Thatsache; Der gelehrte Glaubensgenosse Herr Reichard To rein er wurde als Professor der lateinischer rumänischen Sprache an das Gymnasium zu berufen. Kaum befand er sich in seiner neuen lung, als ec auch schon wieder entlasten wurde, we. die anderen Professoren und auch der Präfekt und einige 7 Deputaten es nicht dulden wollten, daß ein Jude als Professor an einem rumänischen Gymnasium wirke. Amerika. Carolina. Im hiesigen Zuchthause befindet sich nur ein einziger Jude, der kürzlich von dem Gouverneur Vance begnadigt wurde. Der Begnadigte war wegen Todschlages zu 10 Jahren Zuchthaus verurtheilt worden. Bei der Begnadigung äußerte der Gouverneur: „Es macht mir Freude, konstatiren zu können, daß ich diese Begnadigung als schuldige Anerkennung der guten, mit dem Gesetze fast nie in Konflikt geratheruu Aufführung unserer jüdischen Mitbürger unterzeichne, da dies der erste schlimme Fall ist, der einem aus ihrer Mitte jemals zu meiner Kenntniß gelangt ist." St. Loms. Ein höchst eigenthümlicher Fall ist von hier zu melden. Die zweite Baptisienkirche wurde kürzlich vom Feuer zerstört. Da bot Dr. Sonnenschein im Namen seines Synagogenvorstandes der Baptistengemeinde die Synagoge zur Abhaltung des christl. Gottesdienstes an, welches Anerbieten auch dankbar angenommen wurde. (Commentar überflüssig. Redacüon.) Vermischtes. Folgende interessante Züge erzählt man sich von Moses Mendelsohn: Bekanntlich mußte im vorigen Jahrhundert jeder Jude, der zu seiner Verheirathung schreiten wollte, aus der neu gegründeten königlichen Porzellanfabrik ein bestimmtes Quantum Porzellan kaufen. Jedoch war ihm die Auswahl nicht anheimgegeben, sondern mußte sich mit dem zufriedenstellen, was ihm die Fabrik geben wollte. Natürlich war dieselbe besorgt ihrer Ladenhüter auf diese Weise ledig zu werden. Auch Mendelsohn, der damals schon (es war zur Zeit Friedrichs des Großen!) einer großen Achtung sich zu erfreuen!hatte, mußte aus dieser Fabrik das bestimmte Quantum nehmen. Und was wurde ihm gereicht? Zwanzig lebensgroße, massiv porzellanener Affen! Noch heute werden in der Familie einige davon bewahrt. Reizend ist die Geschichte seiner Heirath. Mendelsohn lernte im Bad Pyrmont den Kaufmann Gugenheim kennen. Dieser versicherte ihm seiner Verehrung und hob besonders hervor, daß seine Tochter ihn besonders hochschätze. Er würde e§ als höchstes Glück ansehen, ihn zu seinem Schwiegersohn zu haben. Er ersuchte M. auch ihn einmal in Hamburg zu besuchen. Da Mendelsohn traurig verwachsen und demzufolge sehr schüchtern war, zögerte er lange mit dem Besuche. Endlich entschloß er sich, nach Hamburg zu reisen. Dort angekommen besuchte er Gugenheim auf seinem Comtoir. Sogleich sprach dieser: „Gehen Sie hinauf zu meiner Tochter, sie wird sich freuen, Sie zu sehen, ich habe ihr viel von Ihnen erzählt." Mendelsohn besucht die Tochter; andern Tags kommt er zu Gugenheim und fragt endlich, was die Tochter, die ein gar anmuthiges Wesen sei, von ihm gesagt habe? „Ja, verehrter Rabbi," antwortete Gugenheim, „soll ich's Ihnen ehrlich sagen?" — „Natürlich!" — „Nun, Sie sind ein Philosoph, ein Weiser, ein großer Mann, Sie werden es dem Kinde nicht übelnehmen; sie^hat gesagt, sie wäre erschrocken, wie sie Sie gesehen hat, weil —„— „Weil ich einen Bucke! habe?" Gugenheim nickte. „Ich habe es mir gedacht, ich will aber doch bei Ihrer Tochter Abschied nehmen." Er ging hinauf in die Wohnung und setzte sich zu der Tochter, die nähte. Sie sprachen gut und schön mit einander, aber das Mädchen sah nicht von ihrer Arbeit auf, vermied, Mendelssohn anzusehen. Endlich, da dieser das Gespräch geschickt so gewendet, fragte sie: „Glauben Sie auch, daß die Ehen im Himmel geschloffen werden?" — „Gewiß, und mir ist noch was Besonderes geschehen. Bei der Geburt eines Kindes wird im Himmel ausgerufen: Der und Der bekommt Die und Die. Wie ich nun geboren wurde wird mir auch meine Frau ausgerufen, aber dabei heißt es : Sie wird leider Gottes einen Buckel haben, einen schrecklichen. Lieber Gott, habe ich da gesagt, ein Mädchen, das verwachsen ist, wird gar leicht bitter und hart, ein Mädchen soll schön sein; lieber Gott, gieb mir den Buckel, und laß das Mädchen schlank gewachsen nnd wohlgefällig sein." Kaum hatte Moses Mendelssohn das gesagt, als ihm das Mädchen um den Hals fiel — und sie wurden glücklich mit einander.