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Der israelitische Bote · 1879-03-27 · 13 (27.3.1879) · p. [Seite 2]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
13 (27.3.1879)
Date
1879-03-27
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German
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.te hinzustellen, so daß wenn es sich darum han- .tt, eine andere Confession zu „bearbeiten", und da Haß zu säen, wo Friede und Eintracht waltet, die Thora, den Talmud als alte Fahne emporgehalten wird, wenn es sich darum handelt, das Judenthum zu kräftigen, dann Alles als „zerschnitten", „zerrissen" gelten darf. Welche Jnconsequenz! Ja, so machen es diese Herren! Bonn, 10. März. Die Vergrößerungsarbeiten an der Synagoge der Religions-Gesellschaft zu Mainz gehen ihrer Vollendung entgegen und werden bereits umfangreiche Vorbereitungen zur Feier der Fertigstellung getroffen. Das diesbezügliche Fest verspricht ein besonders großartiges zu werven. Die bauliche Umänderung dieses nunmehrigen Prachtgebäudes, das eine Zierde und ein Muster für ist, zeugt von einer großen Opferwilligkeit der jüdischen Bevölkerung und einer hervorragenden Beliebtheit ihres Führers. Die Mittel zu dem Umbau wurden nämlich durch Herrn Dr. Lehmann, Rabbiner daselbst, durch freiwillige directe Gaben (nicht etwa durch Zeichnungen) beschafft, ja, wie man uns mittheilt, wurden an einem Tage in wenigen Stunden sogar 30,000 M. gespendet! Nicht zum äußeren Schaugepräge für Rhein- und Mainbefahrer steht das Gebäude da, sondern zur Ehre Gottes, bescheiden und umgeben von den Nebengebäuden, Knabenschule und sonstige religiöse Institute. Trotzdem aber wird der wahre, aufrichtige vnrP es zu finden wissen und seine Gebete dort mit aufrichtigem Herzen verrichten können, denn die äußere Pracht thuts nicht. Die obenerwähnte Feier wird noch vor NO2 stattstnden und haben bereits 10 der angesehensten Rabbinen ihr Erscheinen zugesagt. Berlin. Als eine intereffante Thatsache, die bezeichnend ist für die augenblicklich herrschende Flüssigkeit des Geldstandes, die so groß ist, wie sie seit Jahrzehnten bei uns kaum mehr zu beobachten war, möchten wir das Factum erwähnen, daß das Haus M. A. v. Rothschild in Frankfurt a. M. im Laufe des letzten Monats insgesammt nicht weniger als 25 Millionen Mark Reichsschatzscheine von der Deutschen Reichsbank direct übernommen hat und zwar zu einem Zinssätze von nur 11/2 Proc. Die Reichsbank selbst hatte Neigung, einen Theil dieser Reichsschatzscheine zu übernehmen, glaubte aber mit einem höheren Disconto- Satz anzukommen, wobei sie von dem Hause Rothschild unterboten worden ist. Hannover. Die hiesige Gemeinde besitzt einen alten Friedhof, der seit 1864 geschlossen ist. In der Nähe dieses Fricdhofes ließ der damalige König Georg ein großes, schönes Palais bauen, aus dessen Fenstern man gerade auf jenen Platz sieht. Der Hausminister rieth aus dem Grunde dem Könige, den Gegenstand, der die angenehme Aussicht beeinträchtige, entfernen zu lassen. Anfangs willigte der König ein, doch nachdem die Gemeinde protestirte und durch einen der Männer den eingefügten Stein gezeigt wurde, daß der jüdischen Gemeinde dieser Platz als Eigenthum übergeben worden, beanstandete er die Beseitigung. Jüngst aber wollte nun ein Herr v. R. Nachweisen, daß dieser Platz, Judenkirchhof genannt, nicht der Gemeinde eigenthümlich angehöre, sondern daß eine alte adlige Familie derselben diesen Platz als Lehen übertragen habe. Ungeachtetj nun der Platz bereits über 200 Jahre im Besitze der Gemeinde ist, will die Familie v. R. ihre Eigenthumsrechte geltend machen und das Terrain wieder in ihren Besitz bringen. Dem gegenüber glaubt Herr Dr. Wiener, der bekannte Geschichtsforscher, aus dem Archive beweisen zu können, daß bereis vor viersagte er, „halte mich nicht für ein Kind, welches trotzt, oder für einen Ehrgeizigen, der sich schämt, sich sehen zu lassen, wett sein Streben nicht mit Erfolg gekrönt worden ist. Für jetzt ist nichts zu machen und nichts zu hoffen. Man müßte Jahrhunderte warten können, um Das zu erleben, was Kasimir in wenigen Jahren zu erreichen vermocht hätte." „Du jubelst über die Zusammenkunft der Herrscher zu Krakau. Nachdem sie zum Uederdruß den Sünden gesehen, wollten sie einmal zur Abwechslung die Ufer der Weichsel und die Gipfel der Karpathen betrachten. Meinst Du aber, Kaiser Karl würde bei seiner Rückkehr nach Prag seine Großen nöthigen, ihre Leibeigenen freizugeben? Glaubst Du, die Könige von Ungarn, von Cypern und von Dänemark würden, durch das Beispiel Kasimir's angeregt, in ihren Ländern der Armuth, der Unterdrückung und der Unduldsamkeit ein Ende machen? Nein, DÜ glaubst es nicht. Sei überzeugt, die deutschen Edelleute werden ihre Vorrechte tn Zukunft genießen, wie bisher, werden ihre Leibeigenen ausweiden, um sich die Füße in ihren Leibern zu wärmen, werden ihre Töchter entehren und nachher an ihre Knechte verheirathen, Alleszur Ehre des Christengottes. Du sagst mir, Urban V. bewundere eben so sehr Kasimir, wie Jnnocenz YI. ihn verabscheut hat, und sein Legat Peter sei eben so zuvorkommend, wie hundert Jahren dieser Platz der Gemeinde als Eigenthum übergeben worden ist. Höchst wahrscheinlich wird diese Sache einen langwierigen Proceß im Gefolge haben. Es herrscht große Aufregung in hiesiger Gemeinde ob dieser Angelegenheit. Göttingen, 6. März. (Unlieb verspätet.) Gestern feierte Herr Schlesinger, Lehrer der hiesigen israelitischen Gemeinde, sein 50jähriges Dienst-Jubiläum. Dieses Fest muß um so mehr ein Fest seltener Art genannt werden, da es in unserer Provinz noch nicht vorgekommen, daß ein jüdischer Lehrer dieses Dienstalter erreicht hat. Wie der gestrige Tag zeigte, hat es der Jubilar verstanden sich in seiner langen Dienstzeit die Liebe und Achtung aller Kreise der hiesigen Bevölkerung zu erwerben. Zunächst erschienen früh am Morgen frühere Zöglinge des Jubilars, ein prachtvolles Album mit den Bildern ehemaliger Zöglingen überreichend. Darauf folgte eine Deputation des jüdischen Lehrervereins der Provinz, wovon Herr Schlestnger seit acht Jahren Präsident ist. Dieselbe brachte einen Silberpokal nebst künstlerisch ausgestatteter Adresse. Danach folgte der Vorstand und das Fest-Comit6 der Gemeinde Göttingen mit einem Geschenke über 1200 Mark, dann kam wieder eine Deputation der hiesigen Volksschullehrer mit dem Director. Alsdann erschien der Bürgermeister und Senator Schlegel, indem sie im Namen der städtischen Behörden gratulirten. Der katholische Lehrer brachte ebenfalls seinen Glückwunsch dar und dann erschien der Kreishauptmann, als Vertreter des Kreises Göttingen und im Namen der Landrostei zu Hildesheim gratulirend. Unter den vielen Gratulanten erschienen noch zur Beglückwünschung Herr Landrabbiner Dr. Gutmann aus Hildesheim und Landrabbiner Dr. Meyer aus Hannover. Auch eine sehr große Anzahl von Telegrammen, Briefen und Karten erhielt der Jubilar. Etwa 150 Personen versammelten sich Nachmittags 6 Uhr zu einem Ball und Festessen. Beim Beginn des Festessens überreichte Dr. Gutmann feierlich im Namen des Kaisers dem Jubilar den königlichen Hausorden. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch lange Jahre in ungetrübter Heiterkeit und geistiger Frische zu wirken. Altona, 18 März. (Pr.-Mitth.) Der Fortbestand der hiesigen Gemeindeschule ist G. s. D. als gesichert anzunehmen, da die Regierung sich dazu einverstanden erklärt hat, die Schule in ihrer bisherigen Organisation bis Michaelis d. I. zu belassen. Bis dahin wird wohl eine Einigung zwischen Regierung und Gemeinde erzielt sein. In unserer Nachbarstadt Hamburg ist eine Gemeinde mit Sr. Ehrw. Herrn Dr. Jsaacsohn an der Spitze in der Bildung begriffen. Oesterreich. Pest. Am 21. Dezember traf hier die bosnische Deputation zur Huldigung des Kaisers ein. Diese Deputation besteht aus 17 Christen, 13 Mohamedanern und einem Juden. Dieser heißt Salomon Salom. Jsak. Frankreich. Paris. Auf der Liste der Professoren am College de france für dieses Jahr finden wir vier jüdische Namen verzeichnet: Herr Maurice Levy: Allgem. und mathematische Physik; Herr A. Franck: Natur und Völkerrecht; Herr Julius Opert: Assyrische Philologie und Archäologie; Herr Michel Lecal: Vergleichende Grammatik. der Nuntius seines Vorgängers übermüthig. Was hälft Du von zwei Menschen, von denen der eine den Wanderern den Beutel oder das Leben abfordert, der andere ihnen lächelnd und unter Bücklingen den Weg zeigt, auf welchen sie in die Hände seiner Spießgesellen fallen? Ist Dir der erstere nicht lieber, als der letztere? Dem ersteren gleicht der kecke Priester von gestern, welcher seine Habgier und Herrschsucht nicht verbarg. Der arglistige letztere ist der Priester von heute, welcher, außer Stande, Kasimir mit Gewalt zu überwinden, ihm schmeichelt, um ihn einzunehmen und durch Heuchelei wieder zu gewinnen, was sein Vorfahr durch Offenheit verloren. Du rühmst mir den Wohlstand Polens, die Städte, die Werkstätten, welche sich erheben, seinen zunehmenden Handel. Was würdest Du von einem Menschen sagen, der in der Nähe eines alljährlich austretenden Flusses und einem Wald voll reißender Thiere baut und pflanzt? Hätte er Recht, sich der Fruchtbarkeit seiner Felder, die Schönheit seiner Heerden zu freuen, wenn er stündlich bedroht ist, die Frucht seines Schweißes durch Überschwemmung, durch Bären oder Wölfe zu verlieren? So ist der vorübergehende Wohlstand Polens. Ringsum von wilden, räuberischen Völkern umgeben, reizt es mit seinem Reichthum nur ihre Habgier. Ein Volk, welches die Früchte seiner Arbeit und der Weisheit seiner Gesetze in Frieden ge- Paris. Der Großrabbiner Isidor wurde zun Commandeur. Herr Zadoc Cahn zum Offizier de? tunesischen Nisam-Ocdens ernannt. Paris. Seit einigen Tagen ist das junge Mädchen, das ohne Wissen seiner Matter getauft worden ist, in dem israelitischen Asyle zu Neuilly untergebracht, und ist jetzt zu hoffen daß es, dem Einflüsse seiner Verführer entzogen, zum Glauben seiner Väter bald wieder zurückkehren wird. Belgien. Brüssel. Der Unterrichcsminister hü in der ersten Sitzung ves Adgeorvaetenhauses einen Gesetzentwurf über das Elementarschulwesen vorgelegt. Nach demselben hat jede Octsgemeinde eine öffentliche Volksschule herzustellen, in welcher wohl die Sittenlehre, nicht aber die Religionslehre gelehrt werde. § 4 lautet: Der Religionsunterricht ist der Fürsorge der Familien und der Geistlichen der verschiedenen Bekenntnisse überlassen. Eine Räumlichkeit in der Schule wird den letzteren zur Verfügung gestellt, damit sie darin, sei es vor oder nach der Klassenftunde, den die Schule besuchenden Kinder ihrer Kirchengemeinde den Religionsunterricht ertheilen können. Dänemark. Kopenhagen. Herr Rabbiner Professor Dr. Wolfs hat am TW n"l 11V, an welchem Tage einem alten Gebrauche gemäß in der min vom Rabbiner eine ntfc'TT gehalten wird, eine Trauerrede über den verstorbenen Bezirksrabbiner S. B. Bamberger b'p'Wl gehalten. Der Redner schilderte die Größe des Verstorbenen, hob besondersjseinejGelehrsamkeit, seine Bescheidenheit und seinen edlen Sinn hervor und sprach schließlich die Hoffnung aus, daß das große Verdienst dieses edlen Verblichenen sowohl der Gemeinde, als der Gesammtheit Israels beiftehen möge. Rumänien Bukarest, 12 März. Im Senate wurde heute die Debatte über den Antrag auf Revision der Verfassung, welche drei Sitzungen iu Anspruch genommen hat, geschlossen. Im Laufe der Debatte befürwortete der Ministerpräsident Bratiano eindringlichst die Annahine des Majoritätsantrages, um Europa hierdurch zu zeigen, daß Rumänien keinen Haß gegen die Israeliten hege. Der Antrag der Minorität wurde hierauf mit 39 gegen 9 Stimmen abgelehnt und derjenige der Majorität mit 41 gegen 6 Stimmen angenommen. England. London, 4. März. Baron Worms, der Präsident des anglo-jüdischen Vereins, hat ein Schreiben Lord Salisbury's vom 2. d. erhalten, in welchem ihm mitgetheilt wird, daß die Regierung entschlossen sei, die völlige Ausführung des Artikels des Berliner Vertrages über die Religionsfreiheit in Rumänien nach Kräften zu sichern. V. Z. Manschester. Unser Glaubensgenosse, der bekannte Phtlanirop W illiam Aronsberg hat alS Andenken an die verstorbene Großherzogin vvn Hessen mit der Genehmigung der Königin einen Fond gegründet, um in wohlthätigen Anstalten Preise zu ertheilen. nießen will, muß von anderen, eben so freien und glücklichen Völkern umgeben sein, sonst .st es stets den Angriffen eifersüchtiger Nachbarn ausgesetzt." „Gregor, wenn Du in den Herzen lesen könntest, dann würdest Du sehen, daß jene Könige, welche bei Tag sich das Ansehen geben, als bewunderten sie das Walten Kasimir's, in der Nacht auf Mittel sinnen, seine Macht zu beschränken, und sein Land arm zu machen, und daß sie, indem sie ihm ewigen Frieden schwören, nur auf eine günstige Gelegenheit warten, um einen Krieg auf Leben und Tod wider ihn zu beginnen. Lasse mich in meiner Einsamkeit, Gregor. Vergiß einen Freund, den Du nicht trösten kannst, dessen Anblick Deine Hoffnungen vergiftet und Deine Lustschlösser umwirft. Du kannst und sollst glücklich sein, denn Du liebst und wirst geliebt. Mir bleibt keine andere Liebe als die Welt, welche ich zur Wiedergeburt bringen wollte. Lasse mich trauern um sie, denn sie ist verbannt, auf lange Zeit verbannt." „Du glaubst also nicht an die Dauer von allem Diesem? fragte Gregor. „Nein", antwortete Ben Josef. „Wer's erlebt, wird's sehen." „Du fürchtest den Tod Kasimir's. Du besorgst ein träger Nachfolger möchte das Wirken eines gerechten und weisen Fürsten zu nichte machen.

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