Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 13 (27.3.1879)
- Date
- 1879-03-27
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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llijlic Abonnement: Vierteljährlich 2 Mark, Ausland vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Bestellungen nehmen alle Postanstalten entgegen. Erscheint jeden Donnerstag. Verantwortlicher Redacteur Moritz Baum in Bonn, Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 10'Pf. Zahlbar hier. Inserate werden bis Dienstag erbeten. Expedition: Petersstraße Nr. 8 V. Jahrgang. Wann, 27. März 1879 (5639). Kro. 13 Abonnements - Einladung. Die gegenwärtige Nummer beschließt das erste Quartal des V. Jahrganges des „Israelitischen Boten." Wir ersuchen unsere geschätzten Leser, das Abonnement rechtzeitig zu erneuern, damit in der Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintritt. Der Abonnementspreis beträgt, wie früher pro Quartal nur 2 Mark, für das Ausland 2 Mk. 5« Pf., für diesen Betrag ist es sowohl durch unsere Expedition als auch durch die Post zu beziehen. Mit der festen und innigen Ueberzeugung, allen an uns gestellten Anforderungen in bester Weise genügt zu haben, schließen wir das Quartal in der wohlbegründeten Hoffnung, unser Unternehmen auch fernerhin in demselben, ja in noch höherem Maße wie bisher unterstützt zu sehen. Festhaltend an unserem untrüglichen Wahlspruch: „Treu dem väterlichen, unverfälschten Glauben!" werden wir auch fernerhin denselben zu schützen wissen. Keinerlei Angriffe, von welcher Seite sie auch kommen mögen, sollen im Stande sein, uns von unserem Standpunkte zu verdrängen. Was auch kommen möge — „Wir stehen fest und wanken nicht!" Das Entgegenkommen des Publikums ist Beweis genug; daß wir unsere Pflicht thun, daß wir uns in Uebereinstimmung wissen mit unseren Lesern. Es ist uns dies ein Sporn gewesen und wird es uns bleiben, rastlos weilerzuarbeiten, unentwegt unseren Lesern das Beste zu bieten. Sck>on jetzt machen wir auf eine höchst spannende Erzählung: „Der Schabbes-Hans oder der Zauberspiegel" insbesondere aufmerksam. Andere höchst interessante Arbeiten werden dieser folgen. finden durch unser Blatt die weiteste und wirksamste Verbreitung. Die Zeile wird mit 10 Pfg. berechnet. Bei Wiederholungen Rabatt. Leserinnen, Leser! Wir schließen mit dem Wunsche, es möge jeder von euch das thun, was er unseren Bemühungen gegenüber zu thun verpflichtet ist: Jnserirrn und Abonuireu! Ai« Hiedaklion. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Bonn. Wie alljährlich hat die hiesige n“QH QVlDn am Montag vor '2> (in diesem Jahre am 13. Jan.) ihre Stiftungsfeier durch einen Fasttag eingeleitet, den man—zur Erinnerung an die leidvollen Verhängnisse, wie sie in früherer Zeit viele jüdische Gemeinden betroffen, namentlich in den Wochen von JVitttP 'S bis rmn 'S, die gewöhnlich mit den Anfangsbuchstaben der betreffenden Wochenabschnittte'. NN OMSIty bezeichnet' werden, — nach dem ersten dieser Worte w^N nennt. Nachdem man Morgens und Nachmittags neben den für jeden Fasttag übüchen Ritualien die für diesen Tag besonders angeordneten Bußgebete verrichtet hatte, versammelte man sich Abends zu einem Festessen im Vereinslokale, wo bis nach Mitternacht in gemütlicher Eintracht verblieben wurde. Nach einem auf den Tag und die Feier sich beziehenden Vortrage des Maggid legte der Vorsteher der Genossenschaft über die Einnahmen und Ausgaben Rechnung ab, welche — wie wir wohl kaum erst zu bemerken brauchen — wie bisher die zweckmäßigste Verwendung der Gelder constatirte,^ woraus denn, wie in jedem Jahre. auch dieses Mal zur Wahl eines neuen Vorstandes geschritten, da jedoch jetzt der bisherige Vorsteher in seinem Amte bestätigt ward, so wurden nur die ihm assistirenden Mitglieder neu gewählt. Als eine besondere Mitteilung vernahmen wir noch von dem Vorsteher Herrn Jos.Anschel, daß er, nachdem er den hiesigen Gemeind evorstand vergeblich ersucht habe, die «VNP ITinrD versehenen — als vas Eigenthum dev 1T1HT sich erwiesenen Gegenstände, worunter ein min "BD, ein rD"B und andere sehr kostbare t£Hp ^2 sich befinden, heranszugohen, klagbar gegen ihn aufgetreten sei und über den Ausgang des Prozesses zur Zeit das Nähere mittheilen werde. (Indessen hören wir, daß diese Angelegenheit in erster Instanz zu Ungunften der pnsn entschieden worden und diese gegen jenes Urteil appellirt hat. (Schluß folgt.) Bonn. Künftigen Sonntag den 30. d. M. feiert Herr Ober-Cantor Salomon Sulzer in Wien seinen 75. Geburtstag. (Wir gratuliren. Red.) Bonn, 24. März. Von der Familie Bloch aus Paris empfangen wir eben die Trauernachricht von dem Ableben des Herrn Simon Bloch, Schriftsteller und Redakteur des „L'Univ. Jsraelite". Wir werden in nächster Nummer ausführlicher auf die großen Verdienste des frommen Mannes zurückkommen "n"2"2D"N. Bonn, 14. März. Ein Artikel in der „Jsr. Wochenschrift" lenkt unsere Aufmerksamkeit auf einen „Guten Rath," den die „Ztg. des Judenthums ertheilt, dahin gehend; der „jüdischen Revolverpresse" keine Beachtung zu schenken und nicht durch Anstrengung von Preßprozessen dem „kleinen Gelichter" Bedeutung zu verschaffen. „Wer sich vertheidigt, jklagt sich an" — sagt ein bekannter Spruch. Demgemäß haben wir nicht zu handeln, wir haben uns nicht zu vertheidigen, wir klagen auch nicht an; wir erlauben uns nur zu bedauern, daß eine Präzistrung des Ausdrucks „Revolverpreffe" nicht erfolgt ist, da unter gegebenen Umständen derartige Phrasen leicht auf den Urheber zurückfallen können und zurückfallen müssen. Andere Worte wollen wir an dem inspirirten Rath nicht verschwenden, doch möge folgendem „Eingesandt" Raum gegeben werden;! „Guter Rath ist theuer", sagt ein bekanntes Sprichwort. Gar oft müssen wir aber die Wahrnehmung vom Gegentheile dieses Wortes machen, gar oft ist der Rath äußerst billig und wird uns förmlich aufgedrun- > gen. Ob er dann auch „gut" ist, das unterliegt noch eruem großen Zweifel, besonders wenn dieser Rath nicht größtenteils zu unserem Vortheil, sondern zum Nutz und Frommen des Rathgebers selber ertheilt wird, und so uns ein Bestreben entgegentritt, das uns in unserem Wollen beeinträchtigen will. Es drängt uns, an dieser Stelle einen Rath zu erteilen und wollen wir sogar auf das Beiwort „gut" einen Anspruch machen, denn er entspringt einem wohlwollenden Herzen, nicht einem neidisch blickenden Auge. UnsG,Rath geht nämlich dahin: Mögen einige Rabbiner, Hrediger, die jüdischen Schriftsteller vulgo Bücherfabrikau:eu, vre An- und Arisstreicher der schönen, erhabenen Gebete, mögen diese sich eines anderen Handwerks befleißigen, als blinden „Lärm zu machen", was ihnen wenig Ehre einbringt. Im Schweiße deines > Angesichts sollst du dein Bros effen, mit den Früchten deiner eigenen Kraft, deiner eigenen Fähigkeit sollst du dich nähren, nicht aber durch Nutzbarmachen fremder Kräfte, fremder Fähigkeiten, durch Nachäffung von Werken Anderer, indem du sie „kürzer" oder „enger" machst. Ist dies etwa eine Kunst, Geschicklichkeit, zeugt das von einem „schriftstellerischen Genie"? Nein! es ist Tagediebstahl, literarische Freibeuterei! Unser zweiter Rath ist: Mögen doch endlich einige Rabbiner, Prediger, die sich als Lehrer der Religion, als Führer des Volkes aufwerfen, aufhören, das zu verhöhnen, um dessentwillen sie da sind, aufhören, stündlich mit forschendem Blicke auszulugen, woher der Wind weht, damit derselbe den Mantel, den sie tragen, nicht abwerfe und sie blosstelle! Wir können es nur als jesuitisch bezeichnen, aus einer Seite die Ritualgesetze zu verlachen, auf der anderen Seite die zehn Gebote, überhaupt die Grundlehren des Judenthums als Anhalts¬ Der Danernkönig und dir Jüdin. (Von Johann Czynski.) „O, Freund! hänge nicht diesem Menscherihaß nach, der Dich Alles schwarz sehen läßt. Höre mir zu. Was ich Dir sagen will, ist in Polen noch nicht erlebt worden." „Und das wäre?" „Vier mächtige Herrscher und mehrere Fürsten sind, durch den Ruhm Kasimir's angelockt, nach Krakau gekommen, um den zu ehren, welchen die ganze Welt bewundert. Kaiser Karl IV., Ludwig von Ungarn, der durch den Tod seines Vaters König geworden ist, Wlademar, König von Dänemark, Peter, König von Cypern, Peter Legat des Papstes Urban V., und Otto, Herzog von Bayern, alle umgeben von Grafen und Herren, sind zum Besuch in die Hauptstadt von Polen gekommen, und haben mit Staunen die Macht Kasimirs und den Wohlstand des Landes gesehen. Sie glaubten an den Ufern der Weichsel schlechte Hütten, unbekannte Landstriche und wilde Sitten zu finden, und sie sahen prächtige Städte, reiche Paläste, furchtbare Felder und lachende Gärten. Die Geschäftigkeit der gewerbsamen Bevölkerung erregt ihre Neugier. Mit Bewunderung betrachten sie Tuchwebereien, welche die von Brüssel übertreffen, und die Leinwandwebereien, hinter welchen die von Magdeburg zurückbleiben. Um Ihnen ein Beispiel zu geben, bekümmert sich Kasimir in ihrer Gegenwart um Handwerker und Bauern, und behandelt di? Bürger mit eben so viel Rücksichten, wie die Edelleute. Kürzlich hat Wiersxneck, ein Bürger von Krakau, den König und seine Gäste gebeten, sich ein Gastmahl in seinem Hause gefallen zu lassen. Kasimir hat es zugesagt, und die Könige und Fürsten haben lächelnd versprochen, der Einladung Folge zu leisten. Sie waren neugierig, zu sehen, wie ein Lumpenhund die mächtigsten Herrscher der Erde empfangen wollte. Und der Bürger hat seinem Stande Ehre gemacht. Er hat den Fürsten durch seine Pracht in Erstaunen gesetzt und durch seine Höflichkeit und Zierlichkeit ihre Bewunderung erregt. Bei'm Nachtisch ließ er Gefäße mit Münzen zur Erinnerung an das Fest auftragen. Diese Gefäße enthielten über hunderttausend Goldstücke, und die gekrönten Häupter schämten sich nicht, dieselben von einem einfachen Bürger Krakau'^ aMrehmen. Kasimir war zufrieden^ und ,-v t?--,. Fürsten wünschten ihm Glück, überein so u o freigiebiges Volk zu herrschen." „Der König von Ungarn stand im Begriff, dem Kaiser den Krieg zu erklären. Durch Vermittlung Kasimir's ward Friede geschlossen, und alle diese Fürsten, durch ihn versöhnt, haben ihre Mißhelligkeiten beseitigt und sich Freundschaft und gegenseitige Hülfe geschworen. Zur Befestigung dieses Bundes hat der Kaiser die Hand der Enkelin Kasimir's begehrt. Das Geläute und der Trompetenschall, welchen Du gehört hast, verkündet dem vor Freude weinende Volk, daß die Kriege zwischen dem Reich und Polen für immer aufhören, und daß die Vermählung Elisabeths von Pommern mit Kaiser Karl IV. eine feierliche Bürgschaft ewigen Friedens ist." „Ist es nun nicht wahr, daß Kasimir durch sein Beispiel im Frieden zu demselben Ziel kommt, welches Du durch den Krieg erreichen wolltest? Selbst der Papst, ungleich seinem Vorgänger, billigt das Verfahren Kasimir's. Sein Legat begleitet den König überall hin und versichert ihn der wohlwollenden Gesinnung Seiner Helligkeit. Ben Joses ich beschwöre Dich, komme wieder in unsere Mitte, gewöhne Dich wieder an's Leben, genieße mit Deinen Brüdern den Frieden und das allgemeine Glück. Nimm ein liebendes Weib; sei glücklich, wie Du mich glücklich gemacht hast, indem Du mir meine gute Marja wieder gabst. Ben Josef ward durch diese Worte gerührt, denn sie kamen aus dem Herzen, und er bemerkte Thränen im Auge seines Freundes. Darum erklärte er sich zum ersten Mal ausführlicher gegen -Gregor, dessen Freundschaft Anspruch auf seineOffenheit hatte. „Gregor,"