Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 12 (20.3.1879)
- Date
- 1879-03-20
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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.Uhen der Vollführung des begonnenen Werkes zu widmen. Es war die Liebe 1212 llbl 13'82> die fern ist von jeglicher kalten Berechnung, die bei ihrer Bethätigung keine niederen Nebenabsichten kennt, und die nur in dem Streben gipfelt, der ihr obliegenden Pflicht um ihrer selbst willen zu genügen. Diese Liebe begnügt sich nicht damit, dem Willen des Allerhöchsten nachgekommen zu sein, ihrer Pflicht genügt zu haben, nein, sie legt auch Gewicht auf die Art und Weise, ' wie diesem Willen genügt, wie diese Pflicht erfüllt wird. Diese Gewiffenhaftigkeit, diese Ausdauer ließ aber auch das Wirken Israels beim göttlichen Dienste nicht ohne Erfolg, denn 128!?D1 l?2 18 ItPD 811 / „Als Moscheh die ganze Arbeit nach ihrer Vollendung musterte WV p 1 ,112 ItMO in« WV 1)11 da I hatten sie es vollführt, ganz so, wie der Herr es befohlen l"; Welch ein strahlendes Musterbild aus der Ver- . gangenheit für die Gegenwart! Möchten auch wir stets - bei der Vollführung eines göttlichen Willens, bei der Erfüllung der von Gott uns auferlegten Pflichten, eine solche Gewissenhaftigkeit, eine solche Ausdauer zeigen! Aber ach, mit welcher Oberflächlichkeit genügen wir oft unseren religiösen Obliegenheiten; sie sind uns nnr zu häufig eine drückende Last, der wir uns bald möglichst entledigen möchten. Und ist in Wahrheit einmal ein Eifer vorhanden, erglüht unser Herz wirklich einmal in Liebe für den heiligen Dienst, so ist dieser Eifer, diese Liebe zu oft nur für einen Augenblick vorwaltend, es fehlt die wahre Ausdauer, uns ganz dem Göttlichen hinzugeben, die verschiedenartigsten Verhältnisse und Umstände lenken zu oft unser Augenmerk davon ab und halten denselben mehr gefesselt. Diese Thatsache ist leider der Ruin für so manche segensreiche Anstalten, die dem Dienste der Religion gewidmet, geheiligt sind. Die heute die größten Schwärmer für solch ein gottgefälliges Unternehmen waren, morgen schon ist ihr Eifer erkaltet, tragen sie dem Gegenstand ihrer Verehrung die größte Gleichgültigkeit entgegen. Wäre die Ausdauer und die Gewissenhaftigkeit mehr herrschend, manches Segen bringende, die Religion Stärkende und Kräftigende würde vor dem Verfalle bewahrt werden. So möge denn das Vorbild unserer Vorfahren segensreich auf uns wirken und wir unsere Liebe zum göttlichen Dienst gestärkt sehen!- Die bewährte Opfersreudigkeit sowohl, als auch die Gewissenhaftigkeit und Ausdauer fanden ihren verdienten L o h n, denn nicht allein 1121 12>D 018/ segnete Moscheh das Volk für seine Hingebung, sondern auch 11201iyiD ^18 18 1)yi D2'1 p0D1 18 8?0'1. „Die Wolke bedeckte das Stiftszell und der Herrlichkeit des Herrn war die Wohnung voll." Nicht allein ward dem Volke von Moscheh die größte Anerkennung W Theil, sondern der Herr verherrlichte auch das vollführte Werk mit seiner erhabenen Anwesenheit, seine Herrlichkeit ließ sich auf das Heiligthum nieder, wodurch dem Volke die Erkenntniß ward, daß „ihm angenehm war das Werk ihrer Hände." So wird auch unser redliches Streben für ein erhabenes, göttliches Werk mit dem verdienten Lohne gekrönt werden. Folgt dieser Lohn auch nicht dem Werke auf dem Fuße, ausbleiben wird er nicht, denn unsere Weisen sagen >0 100> ISpD "1"2"j?"l y>8 ('1 "2 p"2) ,112. „Der Herr hält keinem Geschöpfe den verdienten Lohn vor." Dies muß uns anspornen zu weiterem eifrigen Streben. Eine Hand muß aber auch der andern eine Stütze bieten, einer rufe dem andern zu pfl! Sei stark! Dann wird der Beistand des Herrn nicht fehlen, ptm wir werden an Kraft gewinnen, nimmer wird unser Arm erlahmen, der für die Kräftigung und Stärkung unserer ewigen Güter wirkt! 1)310 13'1 1BTO1 1)'p^8 '1 üyi) '11 ♦P8 .id:i2 i)i ityyoi D'^y Meppen, 12. März 1879. I. Herzberg. Rede gehalten in der Synagoge von Herrn I. I. Lev in, Präsident der israelit. Gemeinde in Copenhagen, am . 8. October 1878, bei Gelegenheit des fünfzigjährigen Amtsjubiläums Sr. Ehrwürden des Oberrabbiners Dr. A. A. Wolfs, Prof, der Theologie. Im Namen der ganzen Gemeinde, deren Repräsentanten und Administratoren wir sind, erscheinen wir * vor Ihnen an diesem feierlichen Tage, hochgeschätzter { Herr Oberrabbiner, um Ihnen für die Wirksamkeit ) zu danken, die Sie in unserer Mitte entfaltet haben, ' und Ihnen Zeugniß abzulegen, warum Alle, ohne Unterschied des Geschlechtes und Alters, sich beeilen < und wetteifern, Ihnen ihre Anerkennung und Hochachtung zu zollen und abzustatten. Seit 50 Jahren sind Sie der Priester und das geistliche Oberhaupt dieser Gemeinde. Wir bezwecken nun, indem wir einen raschen Blick auf die Vergangenheit werfen, hiermit es laut zu bezeugen, daß beim ersten Schritt in unsere Mitte, Sie eine Gemeinde vorgefunden haben, die in vielen Klausen zersplittert und in Parteien zerstückelt war, welche alle die Keime eines vollständigen Schisma an sich trugen. Unsere Absicht ist es nun, vor aller Welt es laut zu bekunden, daß, Dank dem Eifer Ihrer Anstrengungen und der Glut Ihrer religiösen Begeisterung es Ihnen gelungen ist uns zu vereinigen in einer Religionsgenossenschaft, worin Sie es verstanden haben, die sich entgegenstehenden Meinungen und Ansichten zu versöhnen und auszugleichen, in der Art und Weise, daß dieselben, trotz des Kampfes, der niemals aufhören wird, unter denselben zu bestehen, dennoch keine Trennung hervorgerufen, sondern im Gegeutheil das Einheitsband aller Geister der Gemeinde hergestellt haben. Es sind nun 50 Jahre her, daß Sie in unserer Mitte das Wort des allmächtigen Gottes verkünden und Ihre von dieser Kanzel ertönende Stimme ist nicht müde geworden, unsere Seele zu den höheren Regionen zu erheben und dieselbe während der Stunden der Andacht durch eine Sprache edler Beredtsamkeit mit Begeisterung zu erfüllen. Bald waren Ihre Reden die eines väterlichen Rathgebers, bald waren es die Strafpredigten, die den Gleichgültigen und Lässigen aufrütteln sollten; es gelang Ihnen stets, unsere Gedanken zu erleuchten, unsere Herzen zum allmächtigen Vater emporzuheben, bei dem man stets geeignete Hülfe findet in allen Wandlungen und Geschicken des menschlichen Lebens. Seit 50 Jahren sind Sie gegenwärtig in Freud' und Leid bei allen Familienerlebnissen dieser Gemeinde; Sie lassen bei jeder Gelegenheit das Wort Gottes erschallen, sowohl an der Wiege des Kindes, wie beim erhebenden Akt der Barmizwohfeier der Jünglinge, sowohl beim Einsegnen des Bundes, den das junge Paar am Altar schließt, den der Tod allein nur lösen kann, wie beim traurigen Leichenbegängniß, wenn die betrübten Eltern den Gegenstand ihres Grames zur ewigen Ruhe geleiten. Deßhalb, hochgeehrter Herr Oberrabbiner, die Sie zu uns gekommen sind, in der Blüthe Ihres Alters, damals fremd uud unbekannt, Sie sind heute Niemand unbekannt, Sie sind geliebt von Jedermann; Alle fühlen sich zu Ihnen hingezogen und sind mit Ihnen verbunden durch die stärksten Bande der Anhänglichkeit, der Liebe und der Verehrung. Deßhalb hat man auch das Bedürfniß empfunden, Ihnen öffentlich zu danken und im Schooß der Synagoge die Anerkennung all' Ihrer Verdienste zu proklamiren. Das ist das Zeugniß aller Gemeindenmitglieder. Sie selbst, als Priester und Seelsorger der Gemeinde, haben Veranlassung gegeben zu dieser Manifestation, die einmüthig und ganz aus freiem Antrieb hervorgegangen ist. Diese Synagoge, Sie sind es, die sie eingeweiht haben; während dieser langen Reihe von Jahren haben Ihre beredten Lippen das Wort Gottes in dieser Versammlung erschallen lasten. Diesem Danke fügen wir unsere Gebete hinzu; wir richten dieselben an den Ewigen unseren Gott, der in Seiner großen Barmherzigkeit trotz der L a st Ihrer Jahre Sie frisch und ruhig, mit ungetrübter Kraft uns erhalten hat. Möge Er Ihnen noch recht viele Jahre die Kraft und Stärke verleihen, Ihres heiligen Amtes walten zu können! Möge Er Sie beschützen und bewahren zusiErbauung der Gemeinde, damit die Freude der Herzen durchdringe diesen großen Kreis, dessen Mittelpunkt Sie sind und mit welchem alle Familienbande eng verknüpft sind! Möge Er Sie für uns alle erhalten, die wir Sie mit Liebe und Verehrung betrachten! Amen. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Bonn. Ein unglaubliches Attentat auf die Gewissensfreiheit, ein wahrer moralischer Raub ist in Paris begangen worden. Vor 15 Monaten wurde ein junges jüdisches Mädchen von ungefähr 16 Jahren von ihrer Mutter in eine Modiften-evgroo-Handlung gebracht, die von drei Schwestern, welche mit ihrer Mutter lebten, geleitet wurde. Das junge Mädchen erlernte ihren Beruf, kam jeden Abend nach Hause und Alles ging aus das Beste. Plötzlich erfährt die Mutter, daß ihr Kind nicht mehr Jüdin ist! Das arme Mädchen, das nur schwach an Verstand war, war auf das Unverschämteste überredet worden. Man redete ihr ein, sie wolle ihre Religion wechseln, man führte sie zu einem Abbe, der sie den Katechismus lehrte, der sie zum Unterzeichnen eines Abschwörungsactes brachte; man taufte sie. sie veränderte ihren Namen. Man ließ sie ihre erste Communion machen. Alles dies geschah heimlich, ohne daß Jemand davon erfuhr, man bemächtigte sich dermaßen des Geistes des jungen Mädchens, man predigte so auf sie ein und dressirte sie so, daß sie während fünfzehn Monate ihre Mutter täglich sah, ohne daß diese etwas ahnte. Nu* ein reiner Zufall entdeckte Alles! Wir haben vergeblich in den klerikalen Blättern uns nach einem Dementi dieser unerhörten Nachricht umgesehen; wir wissen übrigens, daß die Thatsachen wirklich wahr sind, wir könnten die Namen nennen, sie sind nicht minder erstaunlich, nicht minder betrübend. Ein Priester also lehrt einem armen Mädchen zugleich die „wahre" Wahrheit und die Lüge zu bethätigen, lehrt sie zur selben Zeit die Tugend und die Heuchelei, offenbart ihr, daß es eine Mutter Gottes giebt, welche sie verehren soll, während sie ihre eigene Mutter täuschen soll! Ist das nicht abscheulich? Ich weiß wohl, daß der betreffende Abbe antworten wird, daß er eine Seele retten wollte. Aber fehlt es denn in Paris an katholischen Seelen, welche im Sinne der Kirche zu retten sind, daß man sich so heimlich in das Innere einer jüdischen Famile schleicht, um dort das Gewissen eines geistesschwachen Kindes zu rauben und die Liebe einer Mutter zu täuschen, nur weil sie Jüdin ist? (Arch. isr.) Bemerkung. Auch hier zu Lande giebt es noch Proselytenmacher. Die hiesige Kaiserlich-Königliche Geburtsklinik beherbergt Jahr aus, Jahr ein viele jene unglücklichen Geschöpfe, die ein Opfer des Leichtsinnes geworden. Der Herausgeber dieses Blattes hat schon seit 16 Jahren über 100 Beschneidungen daraus zugewiesen erhalten. In der Regel werden diese Personen mit ihren Kindern am 9. Tage entlassen. Die meisten sind mittellos, und oft hielten wir es für eine heilige Pflicht, für die Weiterbeförderung der jungen Mädchen, mit den zarten, unschuldigen Wesen Sorge zu tragen und die Wohlthätigkeit von Privatleuten in Anspruch zu nehmen. Durch eine kleine Unterstützung von Geld und Kleidungsstücken konnte die Mutter mit ihrem Kinde die Reise in die Heimath antreten. Wir wollen hier nicht unerwähnt lassen, daß es dreimal sich ereignet, daß eine durchreisende Familie fast aus der Straße mit einem kleinen Weltbürger beglückt wurde, und jedesmal waren es christliche Bürger, die sich der Armen angenommen. Dieselben theilten uns das Ereigniß mit, und die Beschneidung wurde in unserer Wohnung vorgenommen. Die nichtjüdischen Mitbürger sorgten für die Verpflegung, ohne eine Vergütung zu beanspruchen; das Essen wurde geliefert. Doch anders erging es einem Mädchen, das in den letzteren Jahren in der Klinik anwesend war. Vor etwa drei Jahren entstand hier eine Anstalt, die es sich zur Aufgabe gestellt, ohne Unterschied der Confession sämmtliche Mädchen mit ihren Kindern, die aus der Klinik entlassen werden, und denen ein Heim fehle, aufzunehmen. Der Zweck ist gewiß ein edler. Wir haben uns selber von dem wohlthätigen Wirken der Anstalt überzeugt. Die Kinder werden 3 Jahre lang unentgeltlich gepflegt und die Mütter können so lange in der Anstalt verweilen, bis sie wieder eine Stellung «rlangt haben. Auch sucht man auf das moralische Leben einzuwirken. Diese Anstalt wird ohne Aufrufe durch milde Gaben reichlich unterstützt. Dies ist alles höchst lobenswerth und verdient die größte Anerkennung, zumal auch jüdische Personen Aufnahme finden (die Anstalt ist protestantisch). Ja, vor etwa einem halben Jahre hatte ein Mädchen mit einem schwachen Kinde, das für die 1^'v nicht kräftig genug war, ohne unser Wissen in der beregten Anstalt Zuflucht gesucht. Nachdem das Kind so kräftig war, "daß die 1^13 stattfinden konnte, begaben wir uns zur Anstalt, um den Tag hierfür zu bestimmen. Bei dieser Gelegenheit fragten wir, ob es gestattet sei, den jüdischen Anwesenden 1^2-Essen zu liefern, was sehr gerne gestattet wurde. Eines Tages aber stürmte eine Person in unser Zimmer und betheuerte, daß sie nicht mehr in der Anstalt bleiben wolle, da man die Frage an sie gerichtet, ob man ihr Kind taufen solle. Nun ging uns ein Licht auf, wohin jene Menschenliebe zielte und was man bei all diesem ins Auge gefaßt. Wir begaben uns sofort nach der Anstalt, und richtig, die Sache verhielt sich so. Doch die Vorsteherin erklärte, es sei dies doch nur im Spaß gesagt worden (!!?) Auf unsere Frage, ob nicht vor wenigen Jahren eine wirkliche Taufe stattgefunden, erhielten wir keine bestimmte Antwort. Uns war die Sache natürlich nicht gleichgültig, heute ein Kind in den Bund Abrahams einzuführen und morgen schon wieder Hinausgetrieben zu sehen. Wir äußerten unsere Meinung dahin, daß die wahre Nächstenliebe eine andere sei und nicht lediglich darauf ausgehe, Seelen zu fangen. Man gab uns zur Beruhigung den Bescheid, daß fürder keine jüdische Person wieder ausgenommen werden solle. Die jüdischen Anwesenden, drei an der Zahl, verließen daraufhin auch alsbald die Anstalt, von denen eine blutarm ist, und da diese einen im hohen Alter stehenden, armen Vater besitzt, hat sie bis jetzt noch kein sicheres Unterkommen finden können. Eine Familie dahier, die selbst für die Sorge der Ihrigen zu kämpfen hat, hat sich vorläufig der Armen, der Mutter mit dem Kinde angenommen. (Es ist bitS das Kind, das adoptirt werden kann; siehe Annonce in Nr. 9 u. 10), die andern D Sr "i i * f