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Der israelitische Bote · 1879-02-13 · 7 (13.2.1879) · p. [Seite 2]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
7 (13.2.1879)
Date
1879-02-13
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German
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,■ Thränen vor Kummer waren es schwerlich. Er ußte ja schon durch die lange Vorbereitung, welcher Ärt die neue Gebetsmethode sein würde. Darob keine Angst und kann man uns kein X für ein U machen; denn sollte etwa aufrichtige Reue oder bange Ahnungen ihn beschlichen haben, so hätte er es kaum wagen dürfen, in dem entscheidenden Momente sich als Vorbeter an der Epitze des Chors in Gegenwart der hohen Anwesenden zu geriren. Aus alle dem ziehen wir den Schluß, daß die Thränen nicht geflossen wegen des Verlassens der alten Synagoge oder der alten Gebete, sondern nur weil cs eben so lange gedauert, wie es eben in Bonn gedauert hat. Bei einer Umwandlung der Situation ist auch die Herrschaft des Mantelträgers beendet, das lehrt die Erfahrung. Uns thut es nur leid, daß wir, trotzdem wir am 31. Januar die Gebetsversammlung erst auf 4^ Uhr bestellt hatten, dennoch nicht mit Minjan beten konnten, eS fehlten zwei! Doch wir verzeihen es den Mitgliedern. Die Leute wollten sich die Geschichte einmal mitansehen. Sagten doch viele: Jedes andere Volksfest will man gerne mit ansehen, warum nicht eine „Tempel-Einweihung." Dann konnten die Leute nicht aus dem Gedränge herauskommen, da die Synagoge (?) beschränkt ausgefallen ist (wir bestreiten die Zahl von 350 Sitzplätzen laut Bericht der Bonner Zeitung und verweise auf unseren Bericht in Nr. 3, 2. S. Bonn.) und viele Nichtisraeliten drängten sich bis an die Kanzel heran, um das seltene Fest mitanzusehen. Und fürwahr, der Christ hat mehr Antheil daran genommen als man es sich gedacht hatte. Daß das Herauskommen aus der neuen Synagoge (?) schwer gefallen, dafür lieferte uns ein streng religiöser Anwesender aus Mainz ein Beweis: Trotz des Gedränges hat er sich durch gearbeitet und ist zu unserem Minjan gekommen. Am Samstag Morgen aber hatten wir Punkt 7^ Uhr 3 Mal Minjan und jetzt erst steht es zu erwarten, daß unsre Gesellschaft neue Gesinnungsgenossen gewinnen wird, indem man, wie vorher bemerkt, Vielerseits erst abwarten wollte, was die Figura zeigen würde. Jetzt sagt der Eine, will ich in's Concert gehen, dann habe ich andere Localitäten, die mir einen Ohrenschmaus darbieten, will ich theatralische Aufzüge bewundern, gehe ich in's Theater; Czaar und Zimmermann ist mir schon längst bekannt u. s. w. Wie wir hören, soll in nächster Zeit eine Versammlung anberaumt werden, um nunmehr endgültig die Mittel und Wege zu berathen betreffend eine- Austrittes. "6k Wer darum noch einen Funken der Liebe für den Gott seiner Väter im Busen hegt, der möge das Seinige dazu beitragen, die religiösen Interessen zu wahren und zu fördern. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Bonn. Der Ausschuß des isr. Gemeindebundes erläßt einen Aufruf, dem wir folgendes entnehmen. Vor fünf Jahren hat Herr Marcus Reich, ein erfahrener, mit Begeisterung seinem Berufe hingegebener Taubstummenlehrer, durch Beihülfe einiger edeln Menschenfreunde eine Erziehungsstätte für arme taubstumme Knaben in Fürstenwalde errichtet, mit 4 Kindern beginnend. Die Gewinnung einer sittlich-religiösen Gesinnung und die Erziehung zur bürgerlichen Brauchbarkeit ist das Ziel, welches das Institut sich gestreckt hat. Die Zöglinge erhalten daher mit Ausnahme des Gesanges in 32 Lehrstunden wöchentlich in denselben Gegenständen Unterricht, wie hörende Kinder in den Volksschulen. Während nun seit jener Zeit dort 15 Knaben mit überraschendem Erfolge unterrichtet worden, ist das Vorhandensein dieser wohlthätigen Anstalt selbst in dem eine Stunde entfernten Berlin nur Wenigen bekannt, geschweige im übrigen Deutschland. Und doch ist das Bedürfniß dafür in so hohem Grade vorhanden; denn dieses Gebrechen an Gehör und Sprache ist gerade unter den Juden unverhältnißmäßig stark verbreitet, die Zahl der jüdischen Taubstummen ist viermal so groß als unter unseren christlichen Mitbürgern. Außer in Oesterreich giebt es dermalen keine andere Taubstummen-Anstalt für jüdische Kinder in ganz Deutschland, während die 79 vorhandenen staatlichen und communalen Anstalten kaum ausreichen, um den dritten Theil der überhaupt vorhandenen taubstummen Kinder aufzunehmen. Dazu kommt noch, daß wenn ein jüdischer Taubstummer wirklich in eine der vorhandenen Anstalten ausgenommen würde, er nicht vermeiden kann, in der christlichen Religion unterrichtet zu werden, wie überhaupt naturgemäß in solchen Anstalten die ganze Erziehung streng eonfessionell gehalten ist. Dies hat zur Folge, daß jüdische Eltern, denen daran liegt, ihre taubstummen Kinder dem angestammten Glauben erhalten zu sehen, sie einer solchen Anstalt nicht anvertrauen wollen und wie tatsächlich der Fall ist, Hunderte ohne allen Unterricht heranwachsen, sich zur Qual und den Gemeinden zur Last, wahrend sie unter anderen Verhältnissen nützliche Glieder der menschlichen Gesellschaft geworden wären. Das Reich'sche Institut hat in seinem bisher allerdings bescheidenen Umfang durch wshlthätige Beiträge und eigene Einnahme von Pensionären eine gesunde segensreiche Existenz gehabt. Da aber eine Vergrößeung desselben gegenüber dem so großen Bedürfniß dringend geboten, so würde eine dem entsprechende Beschaffung weiterer Einnahmen diesem zur Seite gehen müssen. Der Ausschuß richtet nun an alle edlen Menschenfreunde die Aufforderung einerseits diejenigen Eltern von taubstummen Kindern, die im Stande sind, die mäßigen Pensionskosten (750 M.) selbst zu zahlen, auf das Institut aufmerksam zu machen, anderseits in obigem Sinne für solche Kinder, deren Angehörige solchen Beitrag nicht ganz oder theilweise aufbringen können, die Mildthätigkeit Anderer, namentlich der betreffenden Gemeinde anzurufen, wie z. B. die Leipziger Gemeinde für ein Kind dermalen 600 Mark zahlt, auch auf Erlangung von Legaten aus Hinterlassenschaften reicher Glaubensgenoffen hinzuwirken, sowie das Mitgefühl von Taubstummen, welche in glücklichen Verhältnissen leben, für ihre Leidensgenossen wach zu rufen. Die Absicht ist, von Ostern ab in dem Institut auch eine Abtheilung für Mädchen einzurichten, eine geeignete Kraft steht hierfür in Aussicht, auch die für die erste Einrichtung nöthige Capitalanlage von circa 1000 Mark ist von edeldenkenden, dem Institute bisher schon hilfbereiter nahestehender Hand zugesagt, unter der Bedingung, daß vorher die Anmeldung von mindestens 4 Mädchen und deren Pensionsbeitrag von mindestens je 600 Mark p. anno gesichert sei. Es giebt uns dies Anlaß zu einem besonderen Appell an die Wohlthätigkeit, insbesondere edler jüdischer Frauen, den wir nicht vergebens ergehen zu lassen hoffen. Zur Sicherung des ebenerwähnten zugesagten Einrichtungsbeitrages wäre es erwünscht, baldigst eine freundliche Rückäußerung zu haben, ob in irgend einem Kreise Kinder (Knaben und Mädchen) sich befinden, deren Aufnahme in das Institut erwünscht, ferner ob und in wie weit die Beschaffung des Pensionsbetrages, sei es Seitens der Angehörigen oder durch Wohlthätigkeit gesicht ist. Der Herr Jacob Nachod, Vorsitzende, hat i persönliche Einsicht in die Einrichtungen und Leistu des Instituts, in welchem der Haushalt streng riu. geführt wird, die Ueberzeugung von dessen segensreichem Wirken gewonnen und wird von demselben, wie anch von den Herren Geh. Reg. Seegert, (Generalinspector des Taubstummenwes. in Preußen). Geh. Commerz. Herz. Rabbiner Dr. Hildesheimer. Director Dr. Jutrosinski. Vorsteher Jul. I. Meyer. Geh. Samt. Dr. O e st r e i ch, sämmtlich in Berlin, auf Befragen gern eingehende Auskunft ertheilt werden. t Bonn. In Nr. 34 des vorigen Jahrgangs berichteten wir über die Beschlagnahme eines Pamphletes : „Der jüdische Referendarius." Die jüd. Referendare in Breslau hatten gegen den Redakteur der „Schlesischen Volkszeitung" wegen dieses Aufsatzes eine Klage erhoben und wurde der Verklagte zu 160 M. Strafe verurtheilt. Ueber den Prozeß selber werden wir in einer der nächsten Nummern Näheres bringen. — 11. Feb. Die Bonner Zeitung bespricht ein Werk, genannt die „Jüdische Gemeinde Bonn." Festschrift zur Einweihung ihrer neuen Synagoge vom 31. Januar 1879. Verfasser ist Rabbiner —? — Schreiber. Wir werden noch ausführlich darauf zurückkommen. Begierig sind wir zu erfahren, wer der Verleger dieses Werkes resp. wo dasselbe zu beziehen ist. — Aus Göttingen geht uns die Mittheilung zu, daß man Vorkehrungen trifft, um das 50jährige Dienstjubiläum des Herrn Lehrers Schlesinger würdig zu begehen. Dasselbe findet nicht am 9. März cur. sondern am 5. März, so Gott will, Statt, Aus Cöln wird dem „Israelit" geschrieben. Trotz dem Druck ungünstiger Zeiten steht die jüdische Wohlthätigkeit nicht stille, sie schreitet vielmehr mit verdoppeltem Eifer und vergrößerter Kraftanstrengung voran, und sucht mit Gottes und guter Menschen Hilfe manche Noth zu lindern, manche Thräne zu trocknen. Eines der größten gottgefälligen Werke auf Erden ist: arme verwaiste Kinder vor Verkümmerung und Verwahrlosung zu bewahren und körperlich und geistig zu versorgen. Diesem edlen Sinne soll auch in der Metropole der Rheinprovinz, wo in wenigen Jahrzehnten eine der größten und blühendsten Judengemeinden wiedererstanden, Rechnung getragen werden. Der hiesige Frauen-Verein (an dessen Spitze seit 28 Jahren Frau M. Falk, Schwester des berühmten Componisten Jaques Offenbachsteht), hat in seiner jüngsten Versammlung beschlossen, den Kreis seiner Wirksamkeit auch über das Gebiet der Waisenpflege auszudehnen. Aus der Mitte des Vereins wurde ein Ausschuß gewählt, und mit dem Entwurf des Statuts für das „Waisenstift" beauftragt. Die Mittel gedenkt man durch Erhöhung der Beiträge, sowie durch Spenden, Schenkungen und Vermächtnisse zu erlangen. Die erste bedeutende Gabe für diesen Zweck ist bereits durch die verwittwete Frau von Oppenheim gespendet. Die Waisenkinder sollen vorläufig in anständigen Familien untergebracht werden, bis die Mittel dereinst den Bau einer entsprechenden Anstalt gestatten." Anmerk. d. Red. d. Isr. Boten. Wir hatten schon längst von diesem frommen Unternehmen Kenntniß; doch wie unser Gewährsmann s. Z. mittheilte, würde vorerst nur eine materielle Unterstützung aus dem Fond geleistet. Um aber ein eigenes Waisenhaus in Cöln zu errichten, sei eine größere Betheiligung erforderlich. a +■ Königs verhaft' ich Dich I" Der Edelmann sah lächelnd auf ihn herab, und sprach: „Du Lump, willst einen Edelmann verhaften?" „Ich bin Edelmann, so gut wie Du," erwiderte Gregor, zog eine versiegelte Schrift aus dem Busen, erbrach sie, und übereichte sie erst dem Beamten, dann dem Pan- „Da lies," sagte er, „und gib Deine Waffen her!" Der Pan warf einen Blick auf das Schreiben. Er erkannte die Handschrift Kasimirs und das königliche Siegel. Er las und fand, daß in diesem Schreiben Gregor zum Edelmann erklärt und beauftragt sei, den Pan von Wola zu verhaften, wo er ihn finde. Jetzt war an ihm die Reihe, zu zittern. Er glaubte, sein neues Complott sei entdeckt. Da er dieses Mal keine Verzeihung zu erwarten hatte, so suchte er zu entfliehen. Er zog das Schwert gegen Gregor, der sein Pferd im Zügel hielt, dieser aber fiel ihm in den Arm, und dieselben Bewaffneten, welche vor wenigen Augenblicken dem Edelmann geholfen hatten, sich der Frau Gregor's zu bemächtigen, halfen jetzt diesem den Edelmann entwaffnen und verhaften. Der Beamte des Burggrafen wollte den Gefangenen nach dem großen Thurm in Krakau abführen. Auf einen Wink Ben Josef's nahm Gregor den Beuten bei Seite und sagte ihm, daß es ihm sreistehe, diese Vollmacht je nach Belieben zu benutzen. Zugleich sagte Ben Josef dem Pan von Wola einige Worte und ging mit ihm in Gregor's Hütte. Nach einigen Minuten kam er wieder mit ihm heraus und erklärte, Alles sei abgemacht. Der Edelmann hatte schriftlich erklärt, daß er jedem Anspruch auf Marja entsage. Unter dem Gelächter der Leute Gregor's ritt er davon. Einunddreißigstes Kapitel. Wunsch der Kinder Israels. Der Augenblick, auf welchen Ben Josef seit 20 Jahren geharrt hatte, schien gekommen zu sein. Der geheime Obere der Juden begab sich zum König Kasimir, um sich den Lohn für seine geleisteten Dienste zu erbitten. Der betrübende Eindruck, welchen das Benehmen Esterka's gegen ihren Vater auf ihn gemacht hatte, verschwand beinahe, als er erfuhr, daß der erste Gebrauch, den sie von ihrer neuen Stellung gemacht hatte, in der Anweisung bedeutender Summen zur Gründung von Krankenhäusern, von Versorgungshäusern für alte Leute und für Armenschulen zu Gunsten jedes Bedürftigen ohne Unterschied des Glaubens bestand. Er schloß daraus, daß sie ihr Volk nicht vergessen, und daß sie nicht sowohl ihren Vater, als dessen zum Fest nicht passende Trauerkleidung zurückgewiesen habe. Ohne gerade volles Vertrauen zu haben; aber doch auch ohne ängstliche Besorgniß ließ er sich beim König anmelden, und ward alsbald eingeführt. Der König war allein mit Esterka. Er saß auf seinem Thron und Esterka spielte mit seiner langen goldenen Halskette, während sie mit der andern Hand die Hand Kasimir's drückte. „Tretet näher," sagte der König. „Ich habe versprochen, Euch unter vier Augen anzuhören. Doch ich denke, meine Gemahlin wird uns nicht stören. Wir sind so kurze Zeit erst verbunden, daß es uns schwer hält, uns auch' nur einen Augenblick zu trennen. Jndeß wenn Ihr wünscht-a „Im Gegentheil," unterbrach Ben Joses. Wenn sie nicht da wäre, würde ich den Wunsch nach ihrer Anwesenheit ausgesprochen haben. Wenn Euch etwas in meiner Bitte undeutlich scheint, dann wird Die, welche den Weg zu Eurem Herzen gefunden hat, Euch dasselbe besser erklären als ich selber." Fortsetzung folgt.;

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