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Der israelitische Bote · 1879-02-13 · 7 (13.2.1879) · p. [Seite 3]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
7 (13.2.1879)
Date
1879-02-13
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German
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steht zu erwarten, daß dieses gottgefällige Werk Stande kommt, indem Cöln besonders außer dem . .ppenheim'schen Hause Mitglieder besitzt, die ebenfalls Opfer zu bringen im Stande sind und sie gewiß auch gerne bringen werden. Auch wird das Asyl auswärts wie z. B. bei den Gemeinden Düsseldorf, Crefeld, Aachen, Düren, Jülich, M.-Gladbach, Neuß, Elberfeld, Siegburg, Bonn, Neuwied, Coblenz, Trier rc., gewiß eine rege Betheiligung finden, da jeder Jehudi derartige humane Bestrebungen fördern und ihnen ein warmes Interesse entgegentragen wird. Wir wünschen dem Unternehmen den besten Erfolg. Berlin. Daß die Tochter des „Papst" zum Judenthum übertreten werde — das ist doch am Ende ein Ereigniß, von dem sich selbst die Optimisten, die eine Versöhnung aller Confessionen vorausgesehen haben, nichts haben träumen lassen. Und doch ist es so. Wenigstens schreibt man es uns aus Dresden. Aller, dings handelt es sich nicht um Seine Heiligkeit Leo 13. sondern um den Hofrath Papst in Dresden, den Dramaturgen der General-Intendantur des dortigen Hoftheaters, dessen jugendliche und anmuthige Tochter Elly demnächst zu der Religion jener Nation übertreten wird, deren Urväter Abraham, Jsaac und Jacob waren, um dem Inhaber einer der renommirtesten Dresdener Firmen, Herrn Krambach, Mitinhaber des großen Juwelier-Geschäftes von Elimeier, die Hand zum Ehebund zu reichen. B. B. C. — Am 5. Februar besuchte der japanische Botschafter, in Begleitung seines Dolmetschers, die Johann Hoffsche Malzextraktbrauerei in der Neuen Wilhelmstraße 1. Mit großem Interesse besichtigte er die Brauerei, die M^lzchokoladen-Fabrikation und die Malzmühle, welche, um seinem Wunsche zu entsprechen, in Betrieb gesetzt wurde. Dann untersuchte er das Malz und verfolgte die technische Verarbeitung desselben im Rohstoffe, wobei er eine nicht geringe Kenntniß des Maschinenwesens an den Tag legte. Nach dem er sich über Alles beifällig ausgesprochen hatte, machte er verschiedene Einkäufe und sprach zuletzt dem Herrn Hoff seinen Dank für die bereitwillige Jnformirung in deutscher Sprache aus. W. Z. „ — Salingrs's Leichenbegängniß fand gestern unter sehr großer Theilnahme auf dem jüdischen Friedhofe statt. Es hatten sich namentlich die Mitglieder der hiesigen Theater (das Friedrich-Wilhelmstädtische war ganz vollzählig erschienen), viele Schriftsteller und Freunde des Verstorbenen eingefunden. Der erste Reform-Prediger Berlins Dr. Immanuel Ritter, sprach am Grabe. St. Ingbert. (Bayern) (Priv.-Mitth.) Die hiesige jüdische Gemeinde zählt nur 11 Familien. Dieselben haben eine sehr schöne neugebaute Synagoge, einen Lehrer, welcher von der königl. bayer. Regierung definitiv angestellt ist. Der Cultus-Präses ist zugleich Mitglied des Stadtraths und der Ortsschulkommiffion sowie mit noch andern hohen städtischen Chargen betraut. Den größten Beitrag zum jüd. Cultus zahlt die Stadt. Der jüdische Lehrer ist allen Lehrern andern Confessionen gleichgestellt. Wilhelwshafen. (Priv.-Mitth.) Dieser Tage wurde hier ein jüd. Schlachter von vier Männern auf offener Straße erschlagen. Nach vollbrachter That bemühten sich die Mörder, den Leichnam unter das Eis zu schaffen, um jegliche Spur, die auf eine Entdeckung hinleiten könnte, zu beseitigen und so die Behörde zu dem Glauben zu veranlassen, als sei der Ermordete auf dem Eise verunglückt. Ihr Vorhaben ward jedoch von einigen zufällig anwesenden Kindern entdeckt, die die Kunde von dem schrecklichen Verbrechen verbreiteten. Es hat sich der hiesigen Einwohnerschaft eine furchtbare Aufregung bemächtigt, da bereits vor kurzer Zeit ein ähnliches Verbrechen verübt worden ist. Die näheren Details werden die Untersuchungen ergeben und werden wir seiner Zeit Näheres darüber berichten. , Dresden. (Priv.-Mitth.) Unser Synagogenvorsteher, Herr H. I. Menden Cohn, der bereits eine Auszeichnung von weiten des deutschen Kaisers erhalten hat, erhielt von dem Herrn Oberrabbiner Chacham Baschi Abraham Aschkenasi in Jerusalem den Ehrentitel imö. Herr Cohn hat sich um die Nothleidenden Pälästinas sehr verdient gemacht. * Oesterreich. Wien, 9. Febr. (Priv.-Mitth.) Vor wenigen Tagen wurde der Prediger Herr Dr. Jellinek durch einen Brief aus der Provinz überrascht. Der Brief kam von einem Bezirksleiter aus Galizien und schildert dem Seelsorger in ausführlicher Weise, wie derselbe (der Briefschreiber) allezeit in seiner Stellung beflissen war, die Interessen der Israeliten in seiner Machtsphäre zu fördern. Der fragliche Bezirksleiter glaubt nun demgemäß ein Recht zu haben, die Intervention des Herrn Dr. Jellinek in einer peinlichen Familienangelegenheit in Anspruch zu nehmen. Der Sohn deffelben, ein in Wien garnisonirender Offizier, war nämlich in Wucherhände gerathen. Die Manichäer bedrängten den jungen Mann mit Wechselklagen und es drohte ihm der Verlust des Portepees. Die Facon, nach welcher die Wiener Wucherer arbeiten, war dieselbe, welche der junge Offizier wohl auch schon in seinem Heimatlande hätte studieren können. Die Schuld war nämlich schon längst abgetragen und noch immer war der junge Wechselschreiber mehr schuldig als vor der Bezahlung. Prediger Jellinek wollte bei den Wuchern interveniren und seine Autorität geltend machen, um den jungen Menschen zu retten. Der Prediger übernahm diese Aufgabe, trotzdem der Beamte ihm ganz fremd war und trotzdem der Verkehr mit Wucherern nicht zu den angenehmsten zählt. Dr. Jellinek läßt den einen Wucherer rufen, redet dem Juden in's Gewissen und macht ihn wirklich weich, so daß der Offizier, der so wohlwollend Schutz bei einem Fremden gefunden, ein befriedigendes Arrangement erzielen konnte. Nun war noch der zweite Wucherer milde zu stimmen. Diesem gegenüber hatte die Beredtsamkeit des Dr. Jellinek schwereres Spiel. Der Wucherer wollte nicht nachgeben — er bestand wie Shylock auf seinen Schein und auf seinen 120 Perzent, welche ihm dieser gibt. Alle Künste der Beredtsamkeit wendete der Prediger auf. er sprach dem harten Zinsenmenschen ins Gewissen, hielt ihm die Bibel vor, machte ihn aufmerksam, daß das ganze Judenthum unter solch' brutaler Blutsaugerei zu leiden habe. . . . Der Wucherer hörte kalt zu und als der Prediger geendet, fragte er ruhig: „Ja, was sagen Sie das Alles mir? — Ich bin gar kein Jude." Mit diesem Worte war die Einflußnahme des jüdischen Predigers gebrochen, welcher vergessen hatte, daß die Prinzipien der Gleichberechtigung auch auf das Wuchergebiet sich erstrecken und ein Monopol des Zinsennehmens für das Judenthum nicht existirt. Hoffentlich findet der arme Beamte für seinen geplagten Sohn einen christlichen Priester, welcher nun wohlwollend intervenirt. Teplitz. In der hiesigen Gemeinde herrschen gar verwirrte Zustände. Bei der Rabbinerwahl wurde Dr. Rosenzweig, ein Zögling der jüdischen Hochschule zu Berlin, gewählt. In Folge dessen ist in der Gemeinde eine Spaltung eingetreten, welche den gesammten Vorstand veranlaßte, aus dem Amte zu scheiden. Eine Neuwahl wird in Kurzem stattfinden. Auch in finanzieller Hinsicht herrscht in der Gemeinde eine große Calamität.' Die Ausgaben im verflossenen Jahre überstiegen die Einnahmen um das Vierfache! Während diese 3830 fl. betragen, repräsentiren jene eine Summe von 12,679 fl. England. Liverpool, 29. Jan. (Or.-Corr.) Die Jüdischen spanisch-portugiesischen Gemeinden Englands haben einen sehr herben Verlust erlitten durch den am 5. Januar l. I. erfolgten Tod ihres geistlichen Oberhauptes Dr. Benjamin Artom D>T©D p"p1 DDH Der Verblichene zählte kaum 43 Jahre und hatte sich sowohl durch seine Gelehrsamkeit, als durch seine eminente oratorische Begabung und namentlich durch sein humanes leutseliges Wesen und seinen glühenden Eifer für die religiöse Erziehung der Jugend großer Beliebtheit erfreut. Den Tag vor seinem Tode nitDÜ rnt^V fastete er aus, und befand sich anscheinend wohl, und Tags darauf war er schon eine Leiche. Die jüdischen Blätter in London, das „Jewish Chroniele" und „Jewish World" widmen ihm große Lobreden. Benjamin Artom erblickte das Licht der Welt in Asti, unweit Genua im Jahre 1835. Schon in früher Jugend bekundete er einen großen Wissensdurst und eine Neigung zum Rabbineramte. Er studirte rabbinische und allgemeine jüdische Literatur und erhielt die nKTin mnn vom Oberrabbiner Tedeschi in Niest. Dabei frequentirte er eine der italienischen Universitäten und erwarb den Titel eines Professors der Literatur. Von der Hauptstadt Neapel in Italien, wo er Rabbiner war, erhielt er einen Ruf nach London und wurde daselbst am 8. Tewes 5627 (16. Dez. 1866) in der Bevis Marks- Synagoge in sein Amt installirt. Die Predigt, die er bei dieser feierlichen Gelegenheit hielt, war in französischer Sprache und hatte die Pflichten des jüdischen Seelsorgers zum Gegenstände. Nach 12 Monaten predigte er schon in englischer Sprache, die er sich in meisterhafter Weise ungeeignet hatte und in der er mit eleganter Beredsamkeit auf seine Zuhörer wirkte. Vor drei Jahren erschien ein Band seinem in dieser Sprache abgefaßten und sehr günstig kritisirten Predigten. Im Jahre 1875 ehelichte er die Wittwe des Solomon David in Bombay und Schwägerin des Herrn Reuben Saffoon, aus der berühmten und wohlthätigen Sassoon'schen Familie. Er starb kinderlos. Seine Leiche wurde von seinem Hause nach der Synagoge überführt, die schwarz draperirt war, einen sehr trauervollen Anblick darbot und in allen Räumen gefüllt war. Repräsentanten aller Synagogen, jüdischen Vereine und Schulen Londons waren zugegen. Der Oberrabbiner der Dr. Adler V'} war, da er ein 1PD ist, nicht in der Synagoge, wohl aber unter der Zahl derer, die die Leiche begleiteten. Die Ceremonie war nach sephardischem RituS und äußerst imposant. Das “lS'itP wurde geblasen, und der Prediger A. L. Green hielt eine die Verdienste des Verblichenen gebührend hervorhebende Predigt. Der Sarg wurde sodann in den Leichenwagen gehoben, welchem viele hundert Equipagen folgten. Alle Glocken der Kirchen, die der Zug passirte, läuteten und die Kaufläden waren geschlossen. Herr Dr. Hermann Adler hielt eine gediegene Grabrede am Friedhofe, wo gleichfalls das mehrere Male geblasen wurde. Friede und Seligkeit dem edlen Frommen! Dr. W. Stern. Unserm Berichte siehe Nr. 3, und unserer gesch. Correspondenten laffenwir noch folgende Details folgen. Die sterblichen Ueberreste des Verblichenen wurden am Mittwoch Nachmittag um 2 Uhr in dessen Wohnung geschafft, woselbst am folgenden Morgen um 8 Uhr die mntD stattfand. Um 11 Uhr fand die Ueberführung der Leiche nach der Synagoge statt. Sir Moses Montefiore war durch Altersschwäche verhindert, seinem tiefbetrauerten Freunde und Seelsorger die letzte Ehre zu erweisen. Vor der Bahre gingen viele Mitglieder der Pit^-ip PPDn mit brennenden Kerzen und ihnen folgten die Hauptleidträger: Terracina, Neffe des Chacham, Sir Albert Saffoon, Ritter des Sternes von Indien, ferner die Herren Reuben Aaron und Arthur Saffoon. Beim Eintritt in die Synagoge wurden mehrere Bibelverse citirt. Sodann wurde die Bahre vor seinem im Leben innegehabten Sitze niedergestellt und von dem Chasan eine tiefergreifende, hebr. Elegie gesungen. Nach beendigten Feierlichkeiten wurde die Bahre von den Vorstehern aus der Synagoge getragen. In der Nachbarschaft der Synagoge und auf einem großen Theile des Weges waren die Läden geschlossen. Sogar die Glocken der Aldgate-Kirche, eine der bedeutendsten und ältesten Londons wurden geläutet. Während der njDtP und am letzten Tage der bleiben die Wände der Bevis Marks-Synagoge schwarz behängen. Auch wurde am Tage nach der riTQp auf Verfügung des Dr. Adler in sämmtlichen Synagogen Londons eine sephardische Haschkaba vorgetragen. Amerika. San Franeisko. Das hiesige, erst vor acht Jahren gegründete Pacific hebrew-Waisenhaus, hat jetzt schon ein Stammkapital von ungefähr 100,000 Dollars aufzuweisen und zählt 1700 Mitglieder. Maroeeo. Maroeeo. Es herrschen hier die traurigsten Zustände. Krankheiten und Hungersnoth richten unter der Bevölkerung die schrecklichsten Verheerungen an. Auch die jüd. Bevölkerung bleibt von diesen Schrecknissen nicht verschont und hat auch sie viele Opfer zu beklagen. Der Mildthätigkeit der europäischen Glaubensgenossen ist es zu danken, daß die Noth in etwa gelindert wird. So hat das Crntral-Comit6 der Alliance 10,000 Francs gespendet, um der äußersten Noth entgegen zu treten. Auch von andern Seiten fließen die Hilfsquellen, um der Bevölkerung ihr schreckliches Loos etwas zu erleichtern. Berichtigung. Nr. 5. Spalte 3 Zeile 12 v. o. lies statt der vor n. s. w. der als entwürdigende Roheit wegen der „blutigen Opfer" verlacht wird; eben Spr. 3, Z. 3. v. u. nach dem Wort „Gott", statt das Ausrufungszeichen ein Komma zu setzen.

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