Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 7 (13.2.1879)
- Date
- 1879-02-13
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Gemeindevertretung oder der Stadt, oder der Bewohner dieser Straße angeordnet war, wissen wir iticht, wie wir überhaupt von der ganzen Feier speciell nichts wissen wollten, denn es galt der Einweihung eines Gebäudes, dem wir unter den obwaltenden Umständen den Namen einer „Synagoge" DM nicht zuertheilen können. Die Feier selbst ging unter den allbekannten Formalitäten vor sich; man zog aus und zog ein, man ging ein und man ging aus und dann war es aus. Die Hauptfactoren, die einem solchen Acte erst die rechte Weihe verleihen, blieben auS, wir 8Hp meinen die erhabenen, uralten Gebete, wodurch so Manche sich in ihren Hoffnungen getäuscht sahen. -- Dies werden wir in kurzen Worten schildern. Von den für die Orthodoxen unstatthaften Abschaffungen Bpf der Gebete und der Einführung der Reformen haben wir bereits genügend berichtet; Mancher wollte es |Bp; nicht glauben bis er es gesehen und gehört, aber es IBfc ist nun doch so, wie wir es vorausgesagt und ge- Hr ' schrieben. Trotzdem wollte man der seltenen Begeben- B heit mitbeiwohnen, denn nicht alle Tage hat man eine fr"; Synagogin-Emweihung mit anzusehen, nicht täglich 5? bietet ein derartiges Schaugepränge dem schaulustigen m - Auge eine solche Augenweide dar. Wir und mit uns, MW8 wenn auch nicht Viele, doch immerhin eine ziemliche Anzahl angesehener Persönlichkeiten, (wir erwähnen W W unter Anderen die Herren Oberrabbiner Dr. Auerbach, U ' Professor Dr. Bernays, Dr. L. Philippson) hatten ' sich nicht angeschloffen, um der Eröffnung mit beizu- $J§3a. wohnen. Wir wählen den Ausdruck „Eröffnung", weil wir eben von einer Einweihung einer solchen Synagoge nicht reden können, ohne traurig gestimmt E zu werden, denn wer fühlte sich nicht von einem Schmerze erfaßt, wenn er sein heiliges Anrecht, seine »•v; religiöse Ueberzeugung verletzt sieht, wenn in einer raBgjy Gemeinde ein Riß, eine Spaltung entstanden, die durch ipijjg " jenen Act erst recht schwer zu heilen ist. In anderen p| Städten, wo wegen religiöser Bedenken zwei Partheien pH bestehen, sucht man doch jetzt seitens der Reformpartei ‘ll&U: *Gegen 1 Uhr schloffen fast sämmtliche jüdische Gef<We/ am "p rnt^ andern Tags war man schon die SÄl Feier in so weit vergessen, denn das Geschäft ging fjjHH wie zuvor ungestört weiter. den Conservativen gegenüber viel, sehr viel nachzugeben. Weshalb geschieht dieses? Weil jene befürchtet, durch das neueste Austrittsgesetz von 1876 einen großen Theil ihrer Mitglieder zu verlieren, die denn auch von den Lasten befreit werden, wo durch die Lasten der Reformhelden um so schwerer werden. Doch dem sei, wie es wolle, man genügt wenigstens der moralischen Pflicht, und läßt die Liberalität walten. Hier aber ist dies nicht der Fall; wir sagten vorher, schmerzlich empfindet es Jeder, sein Recht, sein Antheil preisgeben zu müssen, denn vorerst ist bis jetzt noch Keiner ausgetreten; man hoffte und harrte, (aber hoffen und harren macht den Menschen zum Narren) für uns war schon längst Alles verloren, aber wir wollten nicht Schuld sein an einer Ueberstürzung betreffend des Austritts und ließen die Beängstigten ruhig weiter schlummern. Jetzt sind sie erwacht, denn trotzdem sie zu dem Baue mitbeisteucrten, gegenseitig dem Frieden und der Eintracht das Wort geredet haben und alle nicht unerhebliche Cultussteuern bis heute zahlten, sind die größten Ehrenkränkungen und Zurücksetzungen hier bei dem Spiele vorgekommen, die, einzeln hervorzuheben, wirklich zu rührend und gewiß zu charakterisirend für die maßgebenden Theile wären. Wir, die wir schon längst den Stand unsrer Gemeinde-Angelegenheiten durchschaut und uns damit vertraut gemacht haben, wir waren von dem jetzt Geschehenen nicht überrascht; aber Ihr, die Ihr so oft beschwichtigen wolltet, habt Ihr es jetzt gesehen, gehört, empfunden, mit welcher Gleichgültigkeit man über Alles hinausgegangen? Durch ein einziges Beispiel wollen wir hier angeben und wollen zugleich damit bestätigen, wie in der That sehr ansehnliche Leute hier sind? die nicht zu den Gegnern der Reformen gehören und auch keinen Antheil an dem Neuesten genommen und nehmen werden. Eben so wenig haben dieselben aber sich der neu gegründeten Gesellschaft angeschloffen, und zwar aus dem Grunde, weil man noch immer glaubte und hoffte, es würde nicht so schlimm werden. Die allgemeine Redensart der Liberalen besteht darin; wenn ihr „Gescht"? (Unbemittelte, Arme) auch austretet, was macht dies? Dies schadet uns nichts; dann bezahlen wir nur einige Thaler mehr, und damit Punktum! Was die Bedürftigen betreffen, so waren diese in eine peinliche Verlegenheit gerathen, sie möchten aus km hiesigen Armen- Verein, zu dem Jeder auch sein Scherflein beiträgt, ausgeschlossen werden. Ja, wie uns mitgetheilt wurde sollen dieselbe kein schlechtes Geschäft gemacht haben, Kleidungsstücke, ja sogar Wäsche, Geld, Sitzplätze, Alles, Alles hat man ihnen geschenkt, um nur ein großes Publikum im Gala-Anzuge auf den Beinen zu haben; denn, rechnet man die Zahl der Vorstände, Repräsentanten und deren Stellvertreter mit denjenigen welche an dem Feste gar nicht Theil genommen, blieb wirklich nicht viel Publikum übrig, das den Zug bilden sollte. Doch es geschah in guter Absicht, man mußte doch eine möglichst große Zahl Gläubiger ihres 1 Standpunktes den eingeladenen Gästen, bestehend aus f dem Hrn. Oberbürgermeister, dem Hrn. Landrathe, 4 Mitgliedern aus dem Stadtrath und anderen hervorragenden Persönlichkeiten, worunter auch einige Geistliche anderer Confessionen, vorführen können. Allerdings, > Zahlen beweisen, doch wollen wir es dahin gestellt sein lassen, ob die Betheiligung auf manchen Seiten %. einem Herzensbedürfnisse entsprungen, oder lediglich * eine gewissermaßen erzwungene Höflichkeitsbezeugung war. Es ist allzu bekannt, unter welchen Ceremonien und Formalitäten ein öffentliches Gebäude dem Gebrauche übergeben wird, um dies hier zu wiederholen. Soch eins sei uns gestattet hervorzuheben. Wie wir vernommen, soll der Herr Oberbürgermeister eine sehr kurze doch inhaltsvolle Rede gehalten und den Wunsch geäußert haben, es möge doch Friede und Eintracht wie zuvor herrschen. Der Präses der Gemeinde kam nun an die Reihe um von seinem großen Rednertalente Zeugnitz abzulegen. (Wie gesagt, anwesend waren wir nicht, wir geben unsre Beschreibung nach der Lage der Sache, und nach dem uns Mitgetheilten setzen wir voraus, daß dieseuns richtig geschildert. Red.) Obzwar nun wenig von der Eröffnungsfeier in die Oeffentlichkeit gedrungen war, so hatte sich dennoch eine . große Menschenmasse angesammelt. Zufällig ist Freitags hier Vichmarkt und blieben daher die meisten Händler bis Nachmittags ausnahmsweise hier. Doch bald war Alles verschwunden, ein Beweis, daß doch die Freude, die sonst bei jeder Einweihung einer richtigen Synagoge gewöhnlich vorherrschend, hier fehlte. Aber auch nicht ein einziger Rabbiner, weder orthodox noch halborthodox, weder reform noch Halbreform, wie dies doch in der ganzen Welt Sitte ist, war hier anwesend, noch wollte es sein. Die bloße Entschuldigung des einen oder des andern wegen Berufsthätigkeit, wegen eines kleinen Unwohlseins, oder wegen' der Witterung kann durchaus nicht in Betracht kommen; wo der Rabbiner hingehen will und darf, da geht er schon hin. Davon haben wir (der Herausgeb. d. Bl.) persönlich dm besten Beweis. Nicht allein aus Cöln und Codlenz sind die Herren Rabbiner hierher geeilt, um in einer gerechten Sache von ihrer Würde, Wissenschaft und Recht Gebrauch zu machen, sondern von vielen, vielen sehr weit entfernten Städten wurde uns das Anerbieten in Sachen unseres Preßprozesses, als Sachverständigen hierhinzukommen gestellt. Unter diesem mißliebigen Gewände begann und schloß die Eröffnung eines Gebäudes, welches ein Gotteshaus genannt wird. Ein rührender Fall wurde uns noch mitgetheilt. Der alte, doch erst 53 Jahre alte Chasan soll bis zu Thränen gerührt gewesen sein als er die alte Synagoge beim Auszuge verließ. Wir sagen ■ s Drr KauernKönig und die IM«. E (Von Johann Czynski.) 1 Ben Josef wiederholte seine Erklärung. Die Werk- I. leute drängten sich um ihn und riefen: „Es sind L keine zwei Stundet!! Der Burggraf hat hier zu A sprechen! Fort mit dem Edelmann!" Die Leute des Pan versuchten, dem Befehl ihres Herrn gemäß, die M" Frau Gregor's zu ergreifen. Die Werkleute stießen M sie zurück und bedrohten sie mit ihren Aexten und Hebeln. Der Pan von Wola wollte es nicht auf ff einen Kampf ankommen lassen, noch weniger aber wollte er seine Beute fahren lassen. Er sprengte nach . der Stadt zurück, um die Hülfe des Gesetzes in An- I spruch zu nehmen. D Der Jude hatte seinen nächsten Zweck erreicht, sei- K nem Freund Zeit zur Rückkehr zu verschaffen. Er schickte eilends einen Mann ab, um ihn zurückzurufen. Mehrere Stunden vergingen, ohne daß weder Gregor, noch der Pan von Wola erschien. Endlich bemerkte man den letzteren in der Ferne, begleitet von bewaffr. neten Leuten des Burggrafen. Er kam langsam mit ihnen v näher, und man vernahm das Klirren einer auf Anrufen des Edelmanns ein Gerichtsbeamter die Entfernung von der Stadt nach der Hütte Gregors abmaß. Ben Josef, Marja und die um die Hütte versammelten Werkleute horchten schweigend auf die Stimme des Mannes, der die Zahl der gelegten Kellen ausrief. „Eintausend neunhundert acht und neunzig!" wiederholte jetzt der Beamte. „Es fehlen noch zwei Kelten an zwei Stunden." Nach dem Augenmaß ließ sich nicht bestimmen, ob die Hütte noch in dem Raum der zwei Ketten lag. Ben Josef hätte gern die Gattin Gregors ermuthigt, aber er selbst begann die Hoffnung zu verlieren. Das Schicksal seines Freundes stand auf dem Punkt, sich zu entscheiden, und dieser war weit und breit nicht zu sehen. „Eintausend neunhundert neun und neunzig!" rief de- Feldmesser und wiederholte der Beamte. Bei diefv,; Worten hielt Jedermann den Athem an, und sah bald aus die Kette, welche aufgehoben und weiter gelegt ward, bald auf Marja, die sich halb ohnmächtig auf Ben Josef stützte, bald aus den Pan von Wola, der anscheinend gleichgültig das Ergebniß der Messung abwartete. Ben Josef sah weder auf Marja, noch auf die Kette. Er suchte mit den Augen Gregor, ..ix.i-r.s--.- vernähme; aber Alles war still, und k.ein Mensch war rückwärts, so weit das Auge reichte, zu erblicken. „Zweitausend!" rief der Feldmesser und wiederholte der Beamte. Das beklommene Gemurmel der Werkleute und das Freudengeschrei der Leute des Edelmanns verkündete den'Sieg des Letzter». Gregors Wohnung lag einige Schritte vom Ende der letzten Kette entfernt. Die Werkleute wollten dem Pan von Wola sein Opfer streitig machen, drängten sich um Marja und ermuthigten sich einander zum Widerstand. Der Beamte gebot ihnen im Namen des Königs, Platz zu machen, und ließ die Widerspenstigen durch seine Bewaffneten auseinandertreiben. Marja wollte sich in der Verzweiflung in eine Kalkgrube stürzen, aber Ben Josef hielt sie zurück und versprach ihr baldige Befreiung. Die Leute des Pan ergriffen sie und banden ihr unter Spott und Hohn die Hände. Der Pan von Wola wandte sein Pferd, um'mit seinem wiedererlangten Eigenthum seinen Weg fortzusetzen; da erscholl vom Ufe> her der Ruf: „Halt!" Alle wandten sich um und erblickten einen Menschen, der mit gesträubtem Haar und gezogenem Schwert dahergerannt kam. Erstaunt sah Jedermann, außer dem Juden, ihm entgegen. Es war Gregor. Als er zur Stelle g? kommen war, ergriff er das Pferd des Pan