Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 5 (30.1.1879)
- Date
- 1879-01-30
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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s<c aus den Räumen jenes „Tempels" ent- A! Vielmehr! nil D'Tinn "N 121 lyDtP . nur auf das Wort Gottes, die Ihr vor Seinem ^rte zittert! Sammelt Euch in Eurem bescheidenen Bethause zur gemeinsamen Andacht! Seid stark und fest! Iptn! Und der Herr wird mit Wohlwollen auf Seine treuen Diener herabblicken, wie es heißt: in “1 l"nU TX: dann bereden sich, die den Ewigen fürchten mit einander; der Ewige vernimmt und hört es, und es wird verzeichnet in das Buch des Gedächtnisses vor Ihm für die, so den Ewigen fürchten und die so Seinen Namen achten und heilig halten. Trier. Michel Levy. Predigt gehalten von A. A. Wolff, Dr. und Prof., Oberrabbiner. Fortsetzung. Er kann nur bitten, ermahnen, ermuntern, warnen und sich bestreben, die heilige Fackel des Glaubens wieder anzuzünden. Aber was sollen wir sagen, wenn die Herzen sich mit Gewalt diesem sanften Einstuß widersetzen, wenn das Glaubenswort abstoßend ist, anstatt anziehend zu sein, wenn die aus Liebe hervorgehenden Ermahnungen beleidigen anstatt zu bessern, wenn so Manche das Leben und dessen Befriedigung da suchen, wo Gerechtigkeit, Freude an Gott und der Friede mit ihm nicht gefunden werden, zu einer Zeit wo die Liebe zum Weltlichen und Gottlosigkeit zu dominiren drohen, wo so Biele von denen, die im Kreise der Zugend die Tonangeber sind, sich damit brüsten, Gott zu verläugnen, daß die heiligsten in's menschliche Herz gesenkten Gefühle, Früchte der Lebensgewohnheit sind, die man doch zu zerstören suchen muß. In Wahrheit, das sind niederdrückende Erfahrungen, welche ganz gewiß dem treuen Seelsorger jeglichen Muth rauben können, oder wenigstens die Freude trüben müssen, mit welcher er das Werk feines Berufes ausführen will. Aber dann erinnert er sich, daß er der Gesandte Gottes ist, des Herrn Zebaoth, und ebenso wie die zahllose Schaar der Lichtkörper die am Firmamente sich befinden, niemals von der Bahn abweicht, sondern unveränderlich denselben Weg verfolgt, um ihre Pflicht zu erfüllen, ebenso gewiß und unveränderlich ist die Verheißung des Herrn: „Du bist mein Diener, ich habe Dich auserkoren! Fürchte Nichts, denn ich bin mit Dir! Zittere nicht, denn ich bin Dein Gott; ich stärke Dich, ja ich helfe Dir, ich halte Dich aufrecht mit der rechten Hand meiner Gerechtigkeit " *) Und wenn hier und da ein kleines Samenkörnchen, das verloren zu sein schien, als Sprößling emporschießt und Früchte trägt, wenn das Herz des Priesters manchmal durch ein Wort der Anerkennung durch ein Zeichen der Anhänglichkeit wiederbelebt wird, dann verwandelt sich der Schmerz in Freude. Und der Herr, der mir zurief: „Du bist mein Diener, ich habe Dich auserkoren! hat auch in Betreff meiner Seine Verheißung gehalten. Ueber die ganze lange Dauer meiner Amtszeit dehnt sich eine ununterbrochene Kette von Beweisen unverdienter Gunstbezeugungen aus. Freude erfüllte meine Seele, wenn ich mich umgeben fand von einer blühenden Jugend, wenn ich bemerkte, daß empfängliche Herzen sich der Lehre deS Herrn öffneten, selbst dann, wenn von einer Zeit 1) Js. XLI, 9—10. Ihr unserm Glauben erweiset. Die Bürgschaft für Esterka ist Eure Liebe. Ist die ihrige Euch theuer, so werdet Ihr keinen Anstand nehmen, Eure Verbindung öffentlich zu feiern und Eure Gattin im vollen Glanz ihres Ranges erscheinen zu lasten, dessen sie als Tochter Davids würdig ist." „Das ist meine Absicht," erwiederte Kasimir. Ben Josef fiel dem König zu Füßen und drückte unter Thränen seinen Dank aus. Diese Thränen waren nicht Zeichen der Rührung sondern des tiefen Schmerzes, mit welchem der Jude sein ganzes Lebensglück dem Wohl seines Volkes zum Opfer brachte. Esterka sah nur den König und überließ sich den glänzenden Träumen einer glücklichen Geliebten, die nun bald Gattin und Königin sein soll. Neunundzwanzigstes Kapitel. Ueble Vorbedeutung. Die Hochzeit von Kasimir und Esterka war ein Anlaß zu großen Freudenbezeugungen von Seiten der Juden. Ihre Häuser waren mit grünen Zweigen geschmückt, und der Austritt vor ihren Thüren war mit Binsen und Blumen bestreut. Die Reichen vertheilten milde Gaben an die Armen und luden die Bettler zu ihren Festmählern. Nachdem die Einsegnung durch einen zur andern nur einige durch ihre Aufmerksamkeit und ihren Lerneifer, ihren Glauben gründlich kennen zu lernen, mir die Hoffnung gaben, daß sie treue Israeliten werden und durch ihre Frömmigkeit als die lebendigen Glieder der Gemeinde verbleiben würden. Freude, innige Freude ergriff mich, wenn von dieser Stätte aus das Wort Gottes aus meinem Munde verkündet wurde um zu lehren, zu stärken, zu ermahnen und zu trösten. Wie oft Hab' ich nicht die Kanzel ängstlich betreten wenn ich bei mir dachte: „Wie wirst du im Stande sein, mit dem Wenigen, was du zu bieten hast, alle diejenigen zu erbauen und zu befriedigen die gekommen sind, um an der Quelle des Lebens zu schöpfen; aber dann war es mir, als wenn ein Strom von Oben mir die Worte zuführte, so daß ich mich gleichsam erschöpft fand, wenn die Rede zu Ende war; ja! das Gefühl bemächtigte sich meiner, daß ich es nicht war, der gesprochen hatte, sondern der Gesandte des Herrn. Ich empfand Freude, süße innige Freude, wenn das Wort Gottes des Hochheiligen, mir geholfen hatte, eine Wolke des Kummers zu zerstreuen, welche sich über leidende, betrübte und von Gram verzehrte Seelen gelagert hatte. O! welche unaussprechliche Freude empfand ich jedes Mal, wenn an der Bahre eines von Euren vielgeliebten Familiengliedern, es mir gelang in eine Quelle des Segens 2) umzuwandeln dieses Thal der Thränen, das mein Fuß betreten mußte; wenn es mir gelang, Euch von der Gewißheit des ewigen Lebens zu überzeugen, von welcher ich selbst durchdrungen bin, blutende Wunden zu verbinden, und in der tiefsten Trauer Euch mit dem Vorgefühl eines glücklichen Wiedersehens zu erfüllen, das die fromme Seele während ihres letzten Kampfes stärkt, während es hinter sich zurückläßt den himmlischen Trost denjenigen, die der Kummer nirderdrückt. Wer bin ich, o Herr! wer bin ich, daß Du mich auf solche Weise gesegnet hast?3) O! mit dem Patriarchen muß ich ausrufen: „Ich bin zu gering fiV all' die Liebe und all' die Treue die Du Deinem Diener erwiesen hast."^) 2) Pf. 84, V. 7. 3) 2. B. Sam. 7, 18. 4) Gen. 22, 10. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Bonn, 28. Januar. Herr Jos. Meyer, Inhaber der berühmten Bonner Fahnenfabrik zeigte uns jüngst etwa 25 Tfi'O-MäntelHn, von welchen ein großer Theil neu restaurirt werden soll. So lobenswerth es auch ist, daß diese zum heiligen Gebrauche verwendeten Gegenstände dem Verderben entrissen werden, so möchten wir doch Herrn Jos. Meyer (in feiner Eigenschaft als Repräsentanten) ersuchen, sich auch der min ’HSD selbst anzunehmen und dahin zu wirken, daß Solche, deren Schrift durch Alter gelitten oder etwa unleserlich geworden den religionsgesetzlichen^ Anforderungen gemäß wiederum brauchbar gemacht würden. Ein sehr bekannter "ILD, der von mehreren Einsicht genommen, sprach uns noch vor wenigen Tagen seinen Zweifel darüber aus, ob auch nur ein einziges *)SD HTin in der Synagoge (rVWD nptrQ) in der religionsgesetzlich erforderlichen Brauchbarkeit sich befände. — In Homburg v. d. Höhe wurde Herr Dr. Appel zum Rabbiner gewählt. Jsr. W. — 24. Jan. Wie uns bekannt wurde, sollte Herr Dr. L. Stein aus Frankfurt a. M. zur Synagogen- Rabbinen in der Stille stattgefunden hatte, zog Kasimir mit seiner Neuvermählten auf einem prächtigen Wagen festlich in sein Schloß ein. Der Wagen fuhr durch ein großes Gedräng von Zuschauern. Die Juden erhoben ein Freudengeschrei, als sie eine Tochter Israels im weißen Gewand, mit der Krone auf dem Haupt, neben dem König von Polen sitzen sahen. Die Polen betrachteten neugierig das unerhörte Schauspiel, und mißbilligten die Verbindung ihres geliebten Königs mit einer Jüdin. Jndeß die Schönheit und Freundlichkeit Esterka's versöhnte sie einigermaßen, so daß sie wenigstens den freudigen Zuruf, mit dem sie gewöhnlich den Gesetzgeber begrüßten, nicht zurückhielten. Die Sonne schien hell und warm, und der Himmel schien sich zu freuen über die Versöhnung der zwei feindlichen Glaubensparteien. Nachdem der Wagen in's Schloß eingefahren war, riefen in allen Straßen von Krakau die Töne des Horns die Juden zum Gebet für Esterka und Ben Joses. Für Esterka ward gebetet, daß sie die Trübsale ihrer Brüder, welche sie mitempfunden hatte, nicht vergessen, für Ben Josef, daß der Wunsch, den er gegen den König aussprechen wollte, Gehör finden möchte. Dieser Wunsch mußte sehr wichtig sein, denn um zu erlangen, daß Gott den König zur Erhörung desselben stimmte, legten sich die Juden für die nächsten Einweihung hierher kommen. Herr Dr. S aber auch nicht; derselbe soll stark erkältet s Berlin. Der Banquier Albert Cohn ju. den Linden, hat seine sehr werthvolle Medaillenlung, bestehend in silbernen und broncenen Meda. welche auf berühmte Berliner Bezug haben, dru. Märkischen Provinzial-Museum als Stiftung überwiesen. — Auch die Stadt Prenzlau hat den Rest der Alterthümer dem Museum übersandt. B. B. C. Solingen. Der Sohn des hier verstorbenen Herrn M. Koppel, Herr Gustav Koppel, Präsident der Handelskammer ist auf's Neue zum Stadtrath gewählt. Gräfrath b. Solingen. (Priv.-Mitth.) Bei der hier jüngst stattgehabten Stadtverordnetenwahl ist unser Glaubensgenosse, Herr Moritz Meyer, zum Stadtrath gewählt worden. Breslau, 13. Jan. (Priv.-Mitth.) (Unl. versp.) Am 9. v. M. war hier Repräsentanten-Wahl und 16 Männer gingen aus der Wahlurne hervor. Eine Sonderung nach religiöser Anschauung ist hier nicht thunlich. Männer aller Parteien traten hin, um diejenigen zu wählen, die nach ihrem Dafürhalten praktische Befähigung besitzen, ein solches Gemeindeamt unparteiisch zu verwalten. Wie uns mitgetheilt wird, haben selbst die orthodoxesten Mitglieder den Aufgeklärtesten ihre Stimme gegeben. — Der am 18. v. M. im Saale der Gesellschaft der Freunde von Dr. Jo8l gehaltene Vortrag erfreute sich einer großen Betheiligung und eines noch größern Beifalls. Der geistreiche Redner hatte, veranlaßt durch fortgesetzte Reibungen zwischen den Bekennern verschiedenen Glaubens, das Thema gewählt, die Angriffe des Heidenthums gegen Juden und Christen in den ersten Jahrhunderten nach der Entstehung des Christenthums zu erörtern, und es gelang ihm, seine Aufgabe mit gewohnter Gewandtheit zu lösen. Die jetzt in der Schletter'schen Buchhandlung erschienene Schrift ist ein genauer Abdruck des gehaltenen Vortrages, nur bereichert durch einige Zusätze und Quellennachweise, die nicht verfehlen werden, das höchste Interesse der Leser in Anspruch zu nehmen. — Am 19. v. M. feierte der Sanitätsrath Dr. Davidsohn, einer der ältesten Aerzte Breslau's, sein 50jähriges Doctor-Jubilüum. Der Jubilar, der sich in vielen Kreisen der Stadt großer Achtung erfreut, wurde an diesem Tage vielfach ausgezeichnet. Der Gemeinde-Vorstand und die Repräsentanten, der Vorstand der 2. Brüdergsellschaft, der Magistrat, die Stadtverordneten, die Universität, das jüdische Hospital und andere Institute brachten ihre Glückwünsche I und Aufmerksamkeiten dar. Der Bürgermeister Geheimer Rath Dr. Bartsch, überreichte ihm im Namen des Kaisers den Rothen Adler-Orden 4. Klasse und die medicinische Facultät erneuerte das Doctor-Diplom. Trotz hohen Alters wirkt Davidsohn rüstig fort und wird als Helfer der leidenden Menschheit häufig ausgesucht. Leipzig. Kassenbericht für 1878 der Deutsch-Israelitischen Darlehns-Casse für Frauen und Jungfrauen. Einnahmen. Zinsen 2409 M., Beitrag von Gemeinde Nordhausen 60 M., Leipzig 50 M., vom Frauenverein Thorn 30 M., Spenden von Herrn S. Finkelstein 50 M., Jos. Finkelstein 30 M., Ph. Ginsberg 100 M., Ad. Ginsberg 50 M., Rückzahlung von Darlehen 621 M. Summa 3400 Mark. vierundzwanzig Stunden ein strenges Fasten auf, und brachten dieselben in der Synagoge zu, wie den großen Versöhnungstag. Ben Josef hatte seine Verwandten und Freunde besucht und Abschied von ihnen genommen, als ob er sich zum Tod vorbereitete. All' seine Habe hatte er den Wittwen und Waisen, den Alten und Schwachen gegeben und nichts behalten, als das Kleid, in welchem er zu beten pflegte. Die Sonne neigte sich zum Untergang. Während die übrigen Juden beteten, ging Ben Josef allein gedankenvoll in der Stadt umher. Als er an's Schloß kam, aus welchem Sang und Klang ertönte, erblickte er an einem Fenster Esterka neben dem König. Ihr Gesicht strahlte vor Freude. Er sah, daß sie auf dem Gipfel ihres Glückes war. Aus ihren Blicken und jeder ihrer Bewegungen sprach ihre gränzenlose Liebe zu Kasimir. Und Ben Josef empfand nicht die geringste Eifersucht, nicht den geringsten Schmerz um ein Glück, welches er einem andern überlassen hatte. Er schien über irdische Freuden und Schmerzen erhaben zu sein. Fortsetzung folgt.