Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 5 (30.1.1879)
- Date
- 1879-01-30
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German
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Ausgaben. ,ften und Porti 8,50 M., Darlehen an ,t\ 902 M., an 2 Wittwm 350 M., an 10 t^n 1997,60 M., Verwendbarer Vortrag 142 M. F.ma 3400 Mark. Verwendbarer Vortrag aus 1877, 3083,25 Mark, von 1878, 142 Mark, fester Fonds 45632 Mark. Jacob Nachod (Vorsitzender und Cass.), Henriette Goldschmidt (Stellvertr. Vorsitzende), Saul Finkelstein (Schriftführer), Fanny Finkelstein, Adele Frankel, Jacob Plaut. Leipzig, December 1878. Verzeichniß der gewährten Darlehen. 2 zur Anschaffung von Nähmaschinen 107,50 M., 1 zur Anschaff, von PlWmaschinen 147 M., 1 zur Anschaff, von Drehrollen 300 M., 2 Beihülfen zum Betriebe von Putzgeschäft 450 M., 1 Beihülfe zum Betriebe von Parfümerikgeschäft 200 M., 5 Beihülfen zum Betriebe von Schnittwaarenhandel 415 M., 1 Garderobebeschaffung für eine Opernsängerin 300 M., 1 Beihülfe zur Errichtung von Porzellanhandel 350 M., 3 zur Ausbildung zu Kindergärtnerin 870 M., 1 zur Ausbildung zu Lehrerin 110 Mark. Von den Darlehns-Empfängerinnen sind: 7 aus Sachsen, 4 aus Anhalt, 2 aus Mecklenburg, 1 aus Frankfurt a. M., 1 aus Westpreußen, 2 aus Pommern, 1 aus Thüringen. Aus Westphalen. Die diesseitigen Regierungsblätter publiciren nachstehende Bekanntmachung des Provinzial-Schulcollegiums zu Münster: „Die Wittwe S. Nosenheim zu Cleve h^t der Marks-Haindorf'schen Stiftung bierselbst ein Legat von 300 Mark hinterlassen, was hiermit dankend zur Anzeige gebracht wird." — Die alte Synagoge zu Münster, in der, Wie wir beiläufig bemerken wollen, der Gottesdienst inecht jüdischer, altherkömmlicher Weise abgehalten wurde, (versteht sich, so lange der Oberrabbiner Sutro noch lebte) entsprach schon längst den Bedürfnissen nicht mehr und war man schon längere Jahre mit dem Plane umgegangen, dem Herrn ein großes, den Verhältnissen der dortigen Gemeinde entsprechendes würdiges Gotteshaus zu erbauen, der aber kein Mul zur Ausführung gekommen war. Jetzt kömmt derselbe zur Realistrung und ist man mit dem Bau derselben eifrigst beschäftigt, so daß die neue Synagoge bis zum nächsten Frühjahre in ihrer Pracht dastehen wird. Wie wir hören, soll in derselben eine Orgel und anderer reformistischer Firlefanz eingesührt werden. Es ist diesen Gerüchten schon deshalb Glauben zu schenken, da nach dem Ableben des verstorbenen Oberrabbiners Sutro, sel. Andenkens, auch in der alten Synagoge schon einige sogenannte Reformen, HPU *OD Eingang gefunden hatte, wie z. B. das Beginnen des öffentlichen Gottesdienstes mit -]V*D und dgl. mehre, derartiger Unsinn ist übrigens in Westphalen nichts Neues und deshalb nicht auffallend. M. Rosenwald, Lehrer in Oestrich bei Letmathe. Graetz, 17. Jan. (Unl. versp.) Der als Talmudist und Hebraist hochgeschätzte Herr M. Herzfeld, von dessen Dichtertulent wir vor nicht allzulanger Zeit in diesen Blättern eine schöne Probe brachten, feierte am 11. d. M. das goldene Hochzeitsfest, zu welchem das würdige Ehepaar von Magistrat und Stadtverordneten, vom Corporationsvorstand und Repräsentanten-Collegium, sowie von vielen Verwandten — sowohl hiesigen, wie auswärtigen — herzlich beglückwünscht wurden. Das Jubelpaar überwies eine angemessene Summe an diesem feierlichen Tage dem Magistrate zur Vertheilung an Arme aller Confeffionen und erfreute noch privatim verschiedene Bedürftige durch direkte Unterstützungen. Möge es dem Jubelpaare vergönnt sein, in der Frische des Geistes und Körpers binnen 10 Jahren die „diamantene Hochzeit" zu feiern, was gewiß Alle, welche ihre Theilnahme an dessen Jubelfeste so innig bekundeten, mit uns herzlich wünschen! 'n'Vtö n'D'i'n ran Drrw. Frankfurt a. M. (Priv.-Mitth.) Ihre geschätzten Leser wird es gewiß interessiren, über das Leben und Wirken des kürzlich hier verstorbenen Rabbiners Wetzlar Näheres zu vernehmen. (Siehe Nr. 1.) Rabbiner Mordechai Wetzlar war Anfangs dieses Jahrhunderts zu Fulda, im Kurfürstenthum Hessen geboren. Schon in seiner frühesten Jugend lag er eifrigst seinen Thorastudien ob. In seinem 14. Lebensjahre begab er sich nach Hanau zu dem dortigen berühmten Rabbiner Moschoh Tobiah Sondheimer um seine Studien weiter fortzusetzen. Er erwarb sich in äußerst kurzer Zeit einen solchen Wissensschatz, daß sein Lehrer ihm in seinem 19. Lebensjahre schon die nran mnn (Rabbiner-Diplom) verleihen konnte. Jetzt begann er auch sich mit den profanen Wissenschaften vertraut zu machen und hat er sich auch in denselben gediegene Kenntnisse erworben. Bald wurde er zum Kreisrabbiner in Fritzlar ernannt und nahm er in dem Dorf« Gudensberg seinen Wohnsitz. Hier entfaltete er eine segensreiche Thätigkeit und kräftigte er den damals bereits geschwächten religiösen Sinn. Er übte einen großen Einfluß selbst über seinen Rabbinatsbezirk hinaus auf seine Glaubensgenossen. Viele Schüler sammelte er um sich, um die Kenntniß der heil. Lehre zu verbreiten. In allen Kreisen, in jüdischen wie christlichen, erfreute er sich einer ungetheilten Verehrung, wozu sein sanfter Character und seine Gutherzigkeit beitrug. 46 Jahre lang entfaltete er eine solche Thätigkeit, da begab er sich zu seinen in Frankfurt a. M. lebenden Kindern und verlebte dort den Abend feines bewegten Lebens. Er starb wie bereits berichtet, am zweiten Sabbath Chanukah Abends, und erreichte ein Alter von 78 Jahren und 3 Monaten. Die Beerdigung fand am 29. Dezember Nachmittags, unter lebhafter, allgemeiner Betheiligung statt. Anwesend waren u. A. auch die Herren Provinzialrabbiner Dr. Munk aus Marburg und Rabbiner Dr. Ehrmann aus Cassel. Ferner erblickte man den Herrn Rabbiner Dr. Lehmann aus , Mainz, Herrn Direktor Dr. Hirsch in Vertretung seines j erkrankten ehrwürdigen Vaters, Herr Rabbiner Dr. Marx aus Darmstadt und Herr Provinzialrabbiner; Dr. Cahn aus Fulda. In verschiedenen Reden wur-> den in ergreifender Weise die erhabenen Verdienste des j Verewigten hervorgehoben. >on v»n 2"2"2"n Vermischtes. — Von einer wundersamen Gerichtsverhandlung erzählen Wiener Blätter: „Im Hause des hiesigen Türkischen Rabbiners Alkalei hinterließ eine befreundete Frau, Namens Sally Mostes, gelegentlich einer Reise ihren Koffer. Als sie zurückkehrte, fand sie die Sperre beschädigt und entdeckte das Fehlen von Effecten im Werthe von 146 Gulden. Es stellte sich heraus, daß die im Hause des Rabbiners bedienstete Magd Antonie Barwiß im Vereine mit der elfjährigen Stieftochter Alkalei's den Diebstahl begangen habe, und zwar versicherte sie sich der Beihilfe des Kindes durch die Angabe, daß einige im Koffer befindliche Kerzen, fobald sie auf dem Altäre der Carmeliterkirche angezündet würden, die Wirkung hätten, den Diebstahl unentdeckt bleiben zu lassen. Die speculativ-abergläubische Magd wurde gestern von einem Senate des Landesgerichts, unter Vorsitz des Landesgerichtsraths Graf, zu sechs Monaten Kerkers verurtheilt, während das elfjährige Mädchen, auf Antrag des Vertheidigers Dr. Elias, von der Mitschuld mit der Begründung freigesprochcn ward, daß die betreffenden Gegenstände aus dem Besitze des Vaters entfremdet worden seien, dessen Einwilligung zur Bestrafung aber nicht vorliege. Wegen eines anderen Diebstahls jedoch, den das Kind, wieder verleitet von der Magd, in einem fremden Hause ausgeführt hatte, überantwortete es der Gerichtshof dem Gesetze gemäß der häuslichen Züchtigung." — Ein merkwürdiges Testament. Der in Amsterdam ansässig gewesene reiche Pinedo, hat, wie Schudt in seinen Memorabilia Judaica mittheilt, folgende merkwürdige letztwillige Bestimmung hinterlassen: „Ich vermache 1) der Stadt Amsterdam nach meinem Tode fünf Tonnen Goldes. 2) Ich leihe derselben ohne Zinsen auf zehn Jahre anderthalb Millionen. 3) Ich schenke einer jeden christlichen Kirche in Amsterdam und dem Haag 10.000 Gulden und der Suyder-Kirche 20.000 Gulden. 4) Ich schenke jedem christlichen Waisenhause in beiden Städten 10.000 Thaler. 5) Den Armen vierzig Schiffsladungen Torf. 6) Dem Waisenkinde, welches zuerst das Waisenhaus verläßt, 1000 Gulden. 7) Ich vermache der Portugiesischen Synagoge in Amsterdam zwei und eine halbe Tonne Goldes, und 8) dem Portugiesischen Waisenhause 30.000 Thaler. 9) Ich leihe der Regierung gegen drei Procent zehn Tonnen Goldes unter der Bedingung, daß die Zinsen den Juden zu Jerusalem zufließen. Das Capital bleibt der Regierung auf ewig. 10) Ich vermache der deutschen Synagoge 5000 Gulden. 11) Meinem Verwandten, Peter Ovis, 31 Tonnen Goldes nebst Haus und Hof. 12) Meiner Wittwe 10 Tonnen Goldes. 13) Meinen übrigen Verwandten 10.000 Thaler. 14) Einem Jeden von meinen Nachbarn, welcher bei meinem Leichenbegräbnisse zugegen sein wird, hundert Ducaten. 15) Einer jeden unverheirateten Person männlichen und weiblichen Geschlechtes welche dabei erscheinen wird, 100 Gulden. 16) Einem jeden Priester in Amsterdam und dem Haag 100 Thaler, und einem jeden Küster 50 Thaler. — Eine theure Cigarre. Der junge Kaufmann Lehmann in München hatte einen Termin vor Gericht und trat vor den Richter mit einer brennenden Cigarre im Mund. Der Richter, ein Affest mit einem Blick auf die Cigarre: Sie kommest, nicht daran. — Lehmann geht hinaus auf den Gst. wartet eine Zeit lang und fragt dann den Assessor. Nun, komme ich immer noch nicht daran? Der Assessor antwortet: Ich wollte Ihnen nur Zeit lassen, ihre Cigarre auszurauchen; Sie können jetzt daran kommen, ich muß Ihnen aber sagen, daß es eine Unverschämtheit ist, mit brennender Cigarre vor Gericht zu erscheinen. — Lehmann: So? wenn Sie mir das sagen, so finde ich dies gleichfalls unverschämt. — f as war eine Beamtenbeleidigung, die ihre drei Wochen Gefängniß eintrug. Die Cigarre war ziemlich theuer. Briefkasten der Redaktion. Mehrere Herren. Es wird uns sehr angenehm sein, das, was Sie im Familienrath gegen uns beschlossen haben, verwirklicht zu sehen. Was den orthodoxen „Cantor" anbetrifft, so ist unsdeffen eigenthümliche Lage sehr wohl bekannt. Abgesehen davon, daß derselbe ein rentabeles Geschäft nebenher führt, somit seine Subsistenz nicht einzig und allein von dem — nicht viel mehr als 200 Thaler einbringenden — Cantordienst abhängig ist; meinen wir, daß es einem Manne, der gegen die Abschaffung sogenannter „überflüssiger Gebete" und gegen so viele Abänderungen, die mit unsern religiösen Institutionen im Widerspruche stehen, nicht minder, wie wir, sich gesträubt, in einer religiösen Frage die Entscheidung um so weniger schwer fallen dürfte, als ihm vermöge seiner durch eine vieljährige Erfahrung bewährten Kenntniß unserer Ritualgesetze hierüber kein Zweifel übrig sein sollte. Sie sagen, daß er die Sabbath¬ und Festtagsgebete vorher zu Hause verrichten wolle; wir hingegen fragen: Findet er hierdurch Ersatz für diejenigen Gebete, die nur in einer vollzähligen israelitischen Gemeinde verrichtet werden? Auch hier gilt daS Wort des Propheten Elias (1. B. Könige K. 18. V. 21.): „Wie lange schwanket ihr noch mit getheiltem Sinne" zwischen zwei Richtungen? Doch um dieses Alles handelt es sich hier nicht so sehr als um den krassen Widerspruch, den eine solche Zweideutigkeit manifestiren würde; und wir wären begierig, den Rabbiner kennen zu lernen, der auf Grund religiös-gesetzlicher Vorschriften zu entscheiden und ihm zu erlauben im Stande wäre, — wenn auch nach vorheriger häuslicher Andacht — den neuen Cultus als Vorbeter zu leiten oder auch nur an derselben Theil zu nehmen. Unserseits würden wir es unter solchen Umständen für das Beste halten, wenn in Folge eines an das Repräsentanten-Collegium zu richtenden Antrags dieser Mann dadurch seiner penibeln Stellung enthoben würde, daß man ihm — in Erwägung seiner in einer langen Reihe von Jahren treu bewährten Amtsführung eine angemessene Pension zu Theil werden lasse. Wird ja nicht selten einem Hülfsvorbeter an den hohen Festtagen (niD2 21^1 rwnt^Kn) ein recht ansehnliches Honorar ausgesetzt; so dürfte denn auch die Aussetzung eines wohlverdienten jährlichen Pension-Gehalts gewiß nicht auf Schwierigkeiten stoßen.__ Der Lebensbaum. Kennst du den mächt'gen Baum des Lebens, Der Früchte traget zweier Art, Die Früchte deines irdischen Strebens, Mit süßen, bittern gepaart? Er traget Früchte für Millionen, Die Wurzeln nährt die Erde nicht, Sie nähren sich in Regionen, Wo ewig Heil, wo ewig Licht. Der Stamm, die Aest' zur Erd' sich neigen, Sie liegen Jedem offenbar, Und reichen an den vielen Zweigen Dem süße Frücht', dem bitt're dar. So lang ein Menschenherz wird schlagen, Wird blüh'n und reifen dieser Baum, Wird Früchte, süß' und herbe, tragen Im großen, weiten Weltenraum. Von diesen Früchten hat zu pflücken Der Mensch auf seinem Lebenspfad, Ob sie ihn schmerzen, ob beglücken, Von ihnen er zu brechen hat. O, wohl dir, wenn in reichem Maaße Der Baum dir süße Früchte beut! Auf deiner ird'schen Lebensstraße Hast schon des Himmels Seligkeit. Doch weh', wenn von den Früchten allen, Die dieser Baum zur Reife bringt, Dir bittre, herbe nur zufallen: Zur Angst, Verzweiflung dich es zwingt. Doch auch die bittren, wie die süßen, Kannst ohne Kummer, ohne Schmerz Mit Seelenruh' du auch genießen, Lenkst du den Blick nur himmelwärts! Meppen. I. Herzberg.