Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 5 (30.1.1879)
- Date
- 1879-01-30
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German
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r Abonnement: Vierteljährlich 2 Mark, Ausland vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Bestellungen nehmen alle Pastanstalten entgegen. Erscheint jeden Donnerstag. Verantwortlicher Redacteur Moritz Bau« in Bonn, Erpeditiou: Petersstraße Nr. 8. Inserate: Die Petitzelle oder deren Raum 10 Pf. Zahlbar hier. Inserate werden bi» Dienstag erbeten. v. Iayrgang. Io NN, 30. Januar 1879 (5639). Mo. 5 i Bonn, 27. Jan. Ueber einen Preß-Prozeß, betreffend die Artikel in Nr. 26, und Nr. 37, vorigen Jahres unseres Blattes worüber sich Rabbiner (?) Schreiber, früher in Elbing, jetzt hier, betroffen gefühlt, hat heute die Verhandlung in zweiter Instanz, welche zwei volle Stunden dauerte, stattgefunden. Wir hatten 54 rabbinische Gutachten vorzulegen. Als Sachverständige hatten wir die Herren Rabbiner Dr. Plato aus Cöln und Rabbiner Dr. Lewin aus Coblenz berufen. Fast die ganze Israelitische Gemeinde, (auch viele Ehr. Bürger) waren anwesend; und die Prozedur förderte in der That manches interessante Material zu Tage. Unserem Herrn Advokat-Anwalt Dr. Klein sagen wir vor Allem unseren wärmsten und innigsten Dank und zollen dem wackeren Vertheidiger vollste Anerkennung, nicht allein in unserem Namen, sondern auch im Namen Vieler die uns heute besuchten und so aller getreuen Israeliten. Ferner sprechen wir unfern Dank aus für die rege Betheiligung Seitens der Herren Rabbiner die uns Ihr Gutachten zur Disposition gestellt, so schließlich noch den Herren Sachverständigen, die nicht einmal Ihre 5: Reisespeesen von uns entgegen nehmen wollten. * das Urtheil wird heute in acht Tagen verkündet werden. Wir bemerken, daß ein Referat über die Affaire selbst, schwerlich in unserem Blatte erscheinen wird, indem das Material arg in's Gewicht fällt; dagegen werden wir aber jedenfalls eine besondere Broschüre verfassen, damit auch zu gleich der Raum unseres Blattes nicht allzusehr mit solchen bedauerlichen Schreibereien beladen wird. Die Redaction des „Jsr. Boten" . Moritz Baum. Der Bauernkönig und dir Iüdi». (Von Johann Czynski.) Kasimir und Esterka wandelten in den Gebüschen in der Nähe der Hütte umher. Bald gingen sie schnell, bald langsack, bald blieben sie stehen. Ihr Gang entsprach ihren unzusammenhängenden Gesprächen. Sie betrachteten nicht die sie umgebenden Gegenstände. Ihre Empfindungen waren lebendiger und wonniger unter dem Einfluß einer warmen balsamischen Natur; aber dieser Einfluß theilte sich ihnen mit, ohne daß sie es merkten. Weder die Blumen, noch die Vögel, noch der heitere Himmel, noch die kühlen Schatten, noch die wie Krystallfelsen schimmernden Eisschollen zogen ihre Aufmerksamkeit an. Sie genossen Licht, Kühle, Wärme, Harmonie, aber sie sahen sich nur einander, dachten nur wechselseitig an sich. Kasimir erzählte seiner Geliebten, wie ihr Bild ihm stets gegenwärtig gewesen, wie sie ihm bei seinem Ruhm und seiner Macht gefehlt, wie er erkannt habe, daß er nur durch sie glücklich sein könne. Esterka schilderte ihm schüchtern ihre Besorgnisse während seiner Abwesenheit, und mehr noch,am Tage des Festes im vorigen Herbst, wo sie Leitender Artikel. Die Synagogen- (?) Einweihung zu Bonn. uroptn rvoan warn o^m D'onsnD vorn rion m hdo yitwnn rvon na lan nwa nnötio nynro m hm hpn roa Drwyn (2"' y anty) Aip onrA „Viele aber von den Priestern und den Lewiim und den Stammhäuptern, den Greisen, welche gesehen hatten das erste Haus — da dieses Haus vor ihren Augen gegründet ward, weinten mit lauter Stimme, während Viele im Jauchzen der Freude die Stimme erhoben. (Esra 3, 12.) Wenn wir bei dem Baue des zweiten Tempels, der unter der Leitung eines Esra und Nechemja, eines Jeschua und Serubabel gegründet, errichtet und eingeweiht wurde, von gemischten Gefühlen lesen, die sich schon bei der Grundsteinlegung kund gaben; um wie viel mehr sehen wir uns heute veranlaßt, in den Jubel der feiernden Menge unsre Trauertöne zu mischen bei Einweihung eines Reformtempels, in welchem gerade das vermißt wird, was die Synagoge zu einem jüdischen Tempel — ttJJD BHpD — gestalten soll, und wiederum so Manches erblickt und vernommen wird, was in einem jüdischen Gotteshause unstatthaft ist. Wenn bei dem Baue, des zweit»« Tempels, der .doch in Wahrheit ein gottgeweihtes Heiligthum im Sinne des jüdischen Gesetzes war, die Alten weinten, weil sie fünf Glanzpunkte aus dem ersten Tempel schmerzlich vermißten, nämlich: die Cherubim, das himmlische Feuer, die Schechina, den Ruah Hakodesch und die Urim wetumim (S. Joma 21, b.); um wie viel mehr haben wir, Anhänger unsres alten Heiligthumes Ursache, ein Klagelied anzustimmen. — — nA a^D rwp — rvon ro:n *w tiötd ob der Verblendung des jüngeren Geschlechtes, das dem hohlen und äußern Schimmer freudig jubelnd zujauchzt; das an Orgelklang und Weibersang sich erbauen möchte, und das durch Festessen (ntiO) und Festball der Feier erst die rechte Würde verleiht. Ja wir, die wir die wahren Grundfesten des alten Heiligthumes noch geschaut, und die wir in dem neuen Hause das vergebens suchen, was uns unser altes Heiligthum so ehrwürdig und theuer machte, wir beklagen tief und innig im bildlichen Sinne das, was unsre Väter im zweiten Tempel in Wirklichkeit so schmerzlich vermißten. Die Cherubim, standen sie nicht wieder lebhaft vor unsrem Geiste in jenew alten, ehrwürdigen Synagogen, wo der Gott der Heerschaaren — DOTOn 2OT —, der über den Cherubim thront, aus Tausenden von wahrhaft andächtigen Herzen angerufen ward? Die Gebete unsrer Frommen waren 2^223 ^113 n^VD^ gleich den Cherubim, aufschwingend die Fittige nach Oben, während man von den Betenden sagen konnte: ^na i?at2^a DPPJS1/ daß sie in brüderlicher Liebe und Einmüthigkeit sich einander das Angesicht zuwendeten. Was gewahren wir statt dessen in unsren Reformsynagogen? Nichts weiter, als eitles und leeres Gepränge! Keinen innigen Herzensaufschwung zum Gotte Israels; keine fromme Rückerinnerung an den einstigen Tempeldienst, der von der ihn entwürdigenden Rohheit wegen der „blutigen Opfer" verlacht wird; keinen, hoffenden Hinblick auf die verheißene, durch herzustellende Zukunft Israels, die durch den Macht), ruch der Reformhelden mit dem ganzen Prophetenthum weggeleugnet wird und niebergeschmettert werden soll, wodurch die Gläubigen zur Trennung von der Brüdergemeinde — gezwungen werden, anstatt in brüderlicher Eintracht, derselben das Angesicht zuzuwenden." Das himmlische Feuer — D>Dt£71 p — dessen Verlust beim zweiten Tempel beklagt ward, wie durchglühte es als Reflex Geist und Herz unsrer gotterfüllten Väter bei der frommen Andacht in ihren bescheidenen, einfachen, prunklosen Gotteshäusern! Dafür wird in den Resormtempel ein nit t£>a ein fremdes Feuer gebracht, das mit seiner lodernden Flamme das überlieferte Heilige verzehren soll; und dieses Win soll die Gemüther zur heiligen Andacht entflammen? Die Schechina und der Ruah Hakodesch, von welchen unsre Alten durchdrungen waren; wo sind sie in jenen „Tempeln", in welchen der dienstthuende „Priester" von sich rühmen kann: "NON BHIpn VnjQ,» „Weggeräumt habe ich die Heiligkeit aus dem Haizse," Die Urim und Tumim, das Licht der n*Tlrt und die aufrichtige Frömmigkeit, die in unsren alten Synagogen im hellsten Glanze prangten, vergebens suchen wir sie da, wo von der Kanzel herab die giftige Saat der Neuerung in die Gemüther gestreut und Abfall vom traditionellen Judenthume gelehrt wird; die Stimme des Gewissens aber durch das brausende Orgelgetön betäubt werden soll, ny ytttM iftpm piniD^. Diese Stimme des T a st e n-Jnstrumentes wird bis in die Ferne vernommen. „Das Volk jedoch sieht da, nicht erkennend den Freudenton von der Stimme des Weinens." (Esra 3, 13.) Verwirret und irre an sich selbst steht es da, umhertastend, ohne zu wissen, nach welcher Seite hin sich wenden? Du aber, o treue Schaar der Gläubigen, verzage nicht! Fasse Muth in Gott! der alles Blendwerk und Gaukelspiel durchschaut. Höre nicht auf jenes ^nft ^|p ’pattf Alp, auf das lärmende Ge- und verstärkte die Betheuerungen seiner Liebe, und sie hörte ihm lächelnd zu mit einem Blick, der sagte: Ich bin das glücklichste Weib. So plauderten und lustwandelten sie, und die Zeit verging, und die Sonne neigte sich zum Untergang, ohne daß sie es merkten. Endlich machten sie Halt an einer Rasenbank und setzten sich nieder. Kasimir hielt Esterka's Hand in der seinigen und sagte ihr: „Du liebst mich, und ich kann nicht ohne Dich leben. Wir müssen uns auf ewig verbinden. Du, so schön und so verständig, darfst nicht Dein Leben in einer Strohhütte am Wald zubringen, Dir gebührt ein Palast als Wohnung, und ein Hof muß Dir huldigen." Und er umfaßte sie, ohne daß Esterka daran dachte, ihn zurückzustoßen. „Wir lieben uns," fuhr er fort. „Ich bin König. Wer kann Dich hindern, mir anzugehören?" Er heftete auf sie einen glühenden Blick, der sie erröthen machte, ohne daß sie gesucht hätte, ihm auszuweichen. Sie saß unbeweglich da; aber das rasche Schlagen ihres Herzens verrieth den Aufruhr in ihrem Innern. „Wie sollen wir verbunden werden," fuhr er nach einer Weile fort; „ich ein christlicher König, und Du eine Jüdin? Du wirst sowenig als ich, dem Glauben Deiner Väter entsagen. Welcher Priester soll uns der Menschen, da Gott uns für einander bestimmt hat? Hat er nicht diese Flamme in uns entzündet?" „Ich habe daran gedacht," ließ sich eine Stimme hinter den Liebenden vernehinen. Esterka schrak zusammen und drängte sich an Kasimir. Der König wandte sich mit zornigem Blicke um und gewahrte Ben Josef. Jeder Andere hätte seine Verwegenheit schwer büßen müssen, aber dieser Jude war in den Augen Kastmir's ein Freund, der sich mehr erlauben durste, als jeder Andere. „Nun, an was hast Du denn gedacht?" fragte der König besänftigt. „Herr König," erwiederte Ben Josef, „wenn Ihr zu Esterka die heilige Liebe hegt, welche vom Himmel stammt, so müßt Ihr derselben allgemeine Achtung verschaffen, indem Ihr Euch durch ein unauflösliches Band mit ihr vereinigt." „Wie kann ich das?" fragte Kasimir. „Ein treuer Diener des Gottes Abrahams muß die Verbindung segnen und Esterka aus der Vormundschaft ihres Vaters in die Hände ihres Königs und Gatten geben." „Ich bin es zufrieden," sagte der König. „Ihr seid es zufrieden und lächelt dazu. E' einem christlichen König, ist der^Segen ein"L -'