Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 2 (1876)
- Issue
- 30 (27.7.1876)
- Date
- 1876-07-27
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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des von 300,000 D^^^^^^^^M^unverehlicht geblieben rvar, setzte test^^^^^W^eschwister, resp. deren Kinder zu Erben einMMRI^ber ausdrücklich — da er stets der orthodoxen Richtung angehörte, — daß nur solche Verwandte erbberechtigt sein sollen, welche dem Glauben ihrer Väter treu geblieben und keine Ehe mit einem Andersgläubigen eingegangen sind, resp. sich verpflichten, nie eine solche Verbindung zu schließen. Die Geschwister des Dr. B. waren aber während seiner Abwesenheit gestorben, und nur ein Mädchen von etwa neunzehn Jahren, Tochter seines Bruders, zur Zeit Gouvernante bei einem hiesigen Banquier, war noch am Leben. Diese sollte also die einzige Erbin des bedeutenden Vermögens werden, aber sie konnte nicht alle Bestimmungen erfüllen. Sie war zwar Jüdin aber sie hatte die Absicht, sich mit einem christlichen Maler, der eben so arm war wie sie selbst, zu verehelichen. Da sie durch diesen Schritt das Anrecht auf die Erbschaft verlieren sollte, wurde sie von vielen Seiten bestürmt, von der beabsichtigten Verbindung zurückzutreten, aber sie erklärte entschieden, lieber auf das große Vermögen zu verzichten, als dem Manne, den sich ihr Herz erwählt untreu werden zu wollen. Die Trauung der jungen und geistvollen Jüdin hat vor einigen Tagen unweit von Berlin stattgesunden, aber die Hochzeit, die das glückliche Paar in bescheidener Zurückgezogenheit feierte, gestaltete sich durch eine eigenthümliche Ueberraschung plötzlich zu einem glänzenden Feste. Die Familie des Banquiers, bei der die junge Frau Gouvernante war, erschien vollzählig, und jeder schmückte die Tafel mit irgend einem kostbaren Gegenstände. Das Haupt der Familie überreichte der jungen glücklichen Frau ein Dokument, das ihr eine zwar bescheidene, aber sorgenlose Zukunft sichert. (Anm. der Redaction.) In diesem Falle hat sich wie - derum das alte Wort des Hoheliedes bewährt (Hohelied k, 7) : „Mächtige Wasser vermögen nicht zu löschen die Liebe, und Ströme überfluthen sie nicht. Gäbe ein Mann seines Hauses ganzes Gut um Liebe — man würde ihn verachten " — Wenn die junge Dame auf der einen Seite wegen ihrer unerschütterlichen, unbestechlichen Treue zu loben ist, so ist anderseits die Untreue gegen den väterlichen Glauben, die das Aerz dem Bekenner einer andern Eonfefsion schenkt scharf zu tuveln. >■ B. ßauuooer. (Privat-Mitth.) Se. Majestät der König Ludwig von Baiern haben geruht, den Herrn Oe. mod Jüdel aus Hannover als Privatdocenten an der Universität zu Erlangen anzustellen. B. Hammer. (Privat-Mitth.) Unser hiesiger Synagogenchor hat eine kleine Veränderung erfahren, denn der bisherige Dirigent desselben, Herr W. Bünte, Lehrer an der Realschule, ist aus seinem Amte geschieden, und Musikdirektor Molk ist an seine Stelle gekommen. Bn. Hannover. (Priv.-Mitth.) Als wir neulich auf einer Dichtertour im kühlen Schatten am Fuße eines Berges gerade das Mincha-Gebet beendigt hatten, wurde uns Gelegenheit geboten, eine andere Mizerah auszuüben, denn wir sahen einen langen Leichenzug auf uns zukommen und erkannten sofort an der Inschrift des Wagens — „Chebra kedischa" — daß es ein jüdischer war. Wir standen auf und gingen mit zu dem mitten im Walde liegenden Kirchhof. Hier erfuhren wir, daß der Verstorbene, Herr Levi Bewien aus Barsinghausen, ein in der Umgegend beliebter und geachteter junger Mann war, welches wir auch aus dem langen und für ein Dorf sehr großen Gefolge — dem sowohl Juden als Christen, und eine Liedertafel, die auf des Verblichenen Grab einen mit den Vereinsfarben versehenen Kranz legten, befanden sich im Zuge — als besonders auch aus der von Herrn Landrabbiner Dr. Meyer aus Hannover gehaltenen Grabrede bemerken konnten, in der er die guten Werke des Todten hervorhob und erwähnte, daß er nur ausnahmsweise, wie so viele andere, aus weiter Ferne herbeigeeilt wäre, um dem wahrhaft frommen Manne die letzte Ehre zu erweisen. Sichtlich gerührt verließen wir das Bäs hag-wuroh und hörten auf dem Rückwege noch viel Gutes von dem Bestatteten. Hannover. Nach dem zweiten Rechenschaftsberichte über die Unterstützungskasse für jüdische Lehrer, deren Wittwen und Waisen in der Provinz Hannover, hatte diese Kasse eine Einnahme von 3128 Thlr. und eine Ausgabe von 66 Thlr. und besitzt nunmehr ein Vermögen von 9806 Thlr. Unter den Beiträgen ist besonders hervorzuheben ein Geschenk des Kaisers im Betrage von 120 Mark, welches der Kasse durch den Herrn Oberpräsidenten zugegangen ist. Nach Maßgabe der Statuten fällt das ganze bis zum Schluß der Sanlmelperiode — dem 1. Juli i87.6 — angesammelte Vermögen dem nicht angreifbaren Fond zu. Die Kasse wird demnach beim Beginne ihrer Wirksamkeit ein Grundkapital von über dreißigtausend Reichsmark besitzen, ein an sich wie im Vergleich mit andern ähnlichen Anstalten gewiß höchst erfreuliches Resultat, das für die Teilnehmer derselben die besten Aussichten auf ausreichende Pensionen eröffnet. jjiueburg. Dem Lehrer der hiesigen Synagogen- und Schulgemeinde ist von dem provinzialständischen Verwaltungsausschuffe eine Dienstaltersznlage von jährlich 60 Mark bewilligt. (Hannov. Courier.) Iraukenau. Vor Kurzem feierte der.isr. Lehrer und Vorbeter Herr A. Luß zu Rauschenberg sein 50jähriges Amrszubiläum; ungefähr 66 Lehrer, worunter eine Anzahl Christliche, hatten sich dem seltenen Feste angeschlossen. Ist. schon die eine Thalsache für jeden ächten Menschenfreund und treuen Verehrer des mit Gott hoffentlich glücklichen und siegreichen Kulturkampfes mehr als erfreulich, daß diese Feier einzig und allein von christlichen Lehrern, denen der Klaffe Rauschenberg angeregt und veranstaltet wurde, obwohl auch ein isr. Lehrer, Herr Spier in Gemünden sich thätig dabei zeigte, so ist nicht minder die ächte Freundschaft und Brüderlichkeit, die hier fast alle Festtheilnehmer ohne Unterschied der Religion, vereinte, ein schönes und würdiges Zeichen ächter Toleranz und offenbaren Fortschrittes. — Am Vorabend Alles gäb' es, was ihm theuer, Für des Leib's Erhaltung her! Schaue nieder, Herr, mit güt'gem Sinn, Wie erniedrigt und entwürdiget ich bin! XII. sticht so Euch, die ihr des Weges zieht, Nicht so Euch es treffe und geschehe! Unbefangen schaut und sehet, Gibt es einen Schmerz noch und ein Wehe, Das dem meinen wäre zu vergleichen, Das mir zugefügt ist worden Von dem Ewigen als Zeichen Seiner Zorngluth an den Tag des Grimms? XV. All' die Mächtigen in meiner Mitte Stürzt der Herr und schmettert nieder, Gegen mich, ein Fest verkündend, Tritt er nieder meiner Jugend Krast! Wie man in der Kelter stampft den Wein, Also dringet man auf Judas Tochter ein! XVI. Darob wein' ich und mein Auge Strömt von heißen Thränen, Fern von mir ist jeder Tröster, Dem ich könnte neuen Muth entlehnen! Meine Kinder alle sind verstöret, Da des Wiedersachers Macht sich mehret! XIII. Von dem Hniuuel sandt' er Feuer Jn's Gebein mir, d'rinn es glüht Und gebreitet sind den Füßen Netze, daß mich's niederzieht! Ganz verwirrt bin ich und ganz verstöret, Siechthum mich den ganzen Tag verzehret! XVII. Zion bricht die Hände sich vergeblich Niemand will ihr Tröster sein! Dem entboten ist der Feind vom Herrn Ringsumher und dringet auf sie ein! Und in ihrer aller Mitten Ist Jerusalem ein Abscheu' ungelitten! des Festes brachte der Gesangverein der Stadt Rauschenberg ein den Jubilar ehrendes, paffendes Gesangesständ« chen. Der ehrwürdige Metropolitan im Orte gratulirte den Jubilar in seiner Wohnung in herzlicher, kräftiger Ansprache, morgens gegen 10 Uhr, als schon einige der auswärtigen Gäste angekommen waren. Nachdem die meisten Lehrer aus Nah und Fern sich eingefunden hatten, wurde auf Vorschlag des Lehres Lissard aus Amöneburg eine gottesdienstliche Feier mit Necitiren einiger Psalmen und deutscher Predigt seitens des Lehrers Lissard sowie des Jubilars, abgehalten, worauf zum Schluffe das Gebet für den Landeshcrrn folgte. Nach dem Gottesdienste erfolgte die allgemeine Gratulation, seitens der Ortsbehörde, des Vorstandes der isr. Gemeinde und der Lehrer rc. rc. demnach fand die Ueberreichung der Ehrengeschenke statt. Der älteste Lehrer in Rauschenberg überreichte im Namen der betheiligten Lehrer einen schönen Ruhesessel. Die isr. Gemeinde verehrte ihrem langjährigen im Dienste ergrauten Beamten einen sehr geschmackvoll gewählten Silberpokal mit paffender Inschrift, die Gemeinde Gemünden, woselbst Jubilar längere Zeit als Lehrer segensreich gewirkt, überreichte ein Zehnthalerloos, wobei Herr Spier, der Uebergeber, den gewiß annehmbaren Wunsch aussprach, daß das Loos einen tausendfachen Gewinn erzielen möge. Der Herr Aktuar des Ortes und verschiedene Schulkinder und Privatleute überreichten Blumensträuße und allerlei kleinere und größere Geschenke, namentlich einen silbernen Löffel von Seiten des Vorstehers der Gemeinde Rauschenberg. Der würdige Gesang der versammelten Lehrer ward sehr ansprechend gefunden. Ein früherer Schüler des greisen Collegen, Luß, Herr Plaut, Lehrer an der Hirschschen. Schule in Frankfurt am Main, überschickte eine Kiste mit Wein; jedoch der vorzüglich abgefaßte Gratulationsbrief in hebräischer Sprache erregte nicht wenig die Aufmerksamkeit der isr. Lehrer. Ein gemeinschaftliches Mahl, verbunden mit herrlichen Toasten auf Se. Majestät, den Kaiser, Herrn Bismarck, Herrn Unterrichtsminister, Herrn Luß u. s. w. beschloß die schöne Feier. I. Werth an, Lehrer. Grsterrrich-zlnzaru. jemberg. (Einbruchsdiebstahl bei einem Wunderrabbi.) Im Wobngeb^nde des Beizer Rabbi, welcherschon seit Jahr und Tag zahlreichen Hilfesuchenden in ihrer Bedrängnitz und Noth mit seinem „auf göttlicher Inspiration beruhenden" Rath beisteht und hierdurch dem Nen-Sandecer, sowie dem Sadagoraer Wunderrabbi's eine erfolgreiche und selbstverständlich auch einträgliche Concurrenz bietet, wurde in der Nacht vom 17. auf den 18. Mai ein äußerst verwegener Einbruchsdiebstahl verübt. Aus einer im „Raritätenschrank" wohlverwahrten und mit verschiedenen „Sicherheitsschlössern" versehenen Kaffete wurde eine große Anzahl werthvoller Antiquitäten seltener Edelsteine und anderer Kostbarkeiten, die beiläufig einen Werth von 12,000 fl. repräsen- E'JL'ÜJ. 1 . IJ-Ul.-lMf-i'-ag XIX. Meine Busenfreunde ruf' ich jetzt Doch sie haben treulos mich berücket, Meine Priester, Aeltesten In der Stadt vergehen, hart bedrücket, Elend streifen sie umher nach Brod und Speise, Um ihr Leben zu erhalten in der Bettlerweise! XX. Sieh' o Herr, wie weh' mir ist, Meine Eingeweide sind entzündet Und mein Herz, es kehrt sich um in mir, Weil mit frevlem Widerspruch' ich mich verbündet, Draußen rafft das Schwert dahin die Menschenleben Drrnnen Seuchen ihren grausen Zoll erheben! XXI. Nun sie hören's, daß ich seufze, ächze Bietet keiner sich als Tröster an! Von dem Unglück, daß mich hart betroffen, Hören meine Freunde, doch will Keiner nah'nl Ja sie freu'n sich noch, daß Du mir's angethan Doch wird der Tag, daß sie mir gleichen, nah'n! XXII. XIV. Meiner Miffethaten Joch, es lieget In der Hand des Höchsteu und es fallt Mir in den Nacken schwer, Meine Kraft an ihm zerschellt! Mächt'gen Feindeshänden bin ich übergeben, Nie wohl kann ich mich au- ,ihnen je erheben. XVIII. Doch es ist gerecht des Ewigen Vergeltung! Den Geheißen seines Mundes setzt ich Wahnbethörten Widerstand entgegen, Hört ihr Völker alle, seht auf mich Und auf meinen Schmerz und Gram, Meine Jungfrauen, Jünglinge der Feind gefangen nahm! Ihre Bosheit komm' o Herr vor dich Thue ihnen gleichwie nach gerechtem Plan Du, ob meiner Sünden, Miffethaten Mir in deines Zornes Grimm gethan! Doch für jetzt vermag ich nichts als Klagen Und mein Herz nichts And'res als nur schmerz voll schagen! Dr. Tietz.