Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 2 (1876)
- Issue
- 30 (27.7.1876)
- Date
- 1876-07-27
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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sie nutzbar machten, den Gedanken nämlich, daß es die Pflege der Gotteslehre allein ist, auf welcher die Zukunft Israels beruht! Wenn wir einen auch nur flüchtigen Anblick auf den Stand der religiösen Dinge der Gegenwart werfen, so werden wir unwillkürlich an das Wort des Psalmisten erinnert: .Es ist Zeit, etwas zu thun für den Herrn, da man die Lehre zerstört", wird uns klar der Sinn der Worte: bvs HD 11217? Hinten "2 so die Grundsteine niedergerissen sind, was vermag der Gerechte auszurichten? Möge eure Begeisterung, ihr israelitischen Eltern, eine noch so glühende sein, den Himmel der Religion in die Herzen eurer Sprossen zu pflegen, möget ihr selbst euren Kindern als ein noch so nachahmungswürdiges Muster dienen, es würde dennoch eure Mühe eine vergebliche sein, und eure Erziehung nutzlos, wenn ihr nicht in der Zeit Sorge dafür traget, daß die religiöse Gesinnung eurer Kinder ihre Stütze und Haltpunkt finde in dem religiösen Wissen, daß das heilige Feuer jüdischer Gottesverehrung durch die Kraft der Lehre sich selbst in ihnen stets von Neuem wieder erzeuge und sich so erhalle.!rr6x» xnntt» iv 7ns Denn wenn die alles religiösen Wissens baare Jugend aus dem engeren Kreise des elterlichen Hauses hinaustritt in die weiteren Kreise des wogenden Lebens, wenn die mahnenden Stimmen ihrer Religionswächter nicht mehr in ihr Ohr hinein tönen, wenn Muster und Vorbild in der Ferne Zurückbleiben, sprengt sie die geheiligten Fesseln der Gesetzestreue, sagt sie sich los von der elterlichen Bevormundung und spricht der Religion jeglichen Werth ab! Anders aber, wenn der gediegene goldene Samenkern religiöser Erkenntniß in den Geist und das Gemüth versenkt wird, wenn er in Herz und Seele untiefe, verwüstliche Wurzeln schlägt und aus diesen ein starker, gegen die Stürme des Lebens geschützter Baum dem Sonnenlichte unserer heiligen Religion entgegenwächst. Ein solcher Baum ist in Wahrheit ein Baum des Lebens allen denen, die ihn besitzen und auch denen, die ihn pflegen. Daß dieser Baum im Herzen der jüdischen Jugend wachse, blühe und reife, reiche Früchte trage, lasset unsere gemeinschaftliche Sorge in der Gegenwart sein! WlrmMschrichlev m» -srr-sMdrZM» Deutschland. Mu. Am 24. Juli, Nachmittags 5 Uhr, bewegte sich ein Leichenzug, von einem unabsehbaren Gefolge geleitet, durch unsere Straßen nach dem Friedhofe in Deutz. Herr Julius Harff, wurde zu seiner letzten Ruhestätte gebracht. Der am in einem Alter von ungefähr dreiundsiebenzig Jahren Verstorbene hatte sich ein ewiges Denkmal gesetzt; als zur Zeit das Lehrer - Seminar «nter Leitung des Herrn Dr. Plato nicht in Düsseldorf bleiben konnte wegen Mangels an passenden Localitäten, da war es Herr Harff, welcher unentgeltlich zwei neu erbaute Häuser in der St wt Ehrenfeld dem Seminar überließ. Wir vernehmen itun daß, trotzdem die Verlegung des genannten Instituts nach hiesiger Stadt stattfand, der Verstorbene dennoch die Nutznießung der besagten Häuser dem Institut zufließen läßt. Aus welchem Grunde Herr Dr. Plato, welcher sich ebenfalls im Talar dem Leichenzuge angeschlossen, am Grabe nicht gesprochen, ist uns nicht bekannt; es fiel uns aber auf, da derselbe doch frühzeitigst die Erlaubniß hatte, nach dem fungirenden Rabbiner Herrn Dr. Frank zu sprechen, sogar selbst dann noch nicht, als Hr. Rabbiner Dr. Frank ihn daran zu erinnern die Freundlichkeit hatte. Mil. Ein Telegramm der „N. Fr. Pr. aus Lemberg vom 21. Juli meldet: Gutem Vernehmen nach einigten sich die polnischen Notabeln dahin, die Wahl je Eines jüdischen Candidaten in den Landtags-Stadtwahlbezirken: Lemberg, Krakau, Stry, Drohobycz, Brody, Kolomen zu begünstigen, falls die Israeliten in den Landgemeinden für die polnischen Candidaturen eintreten würden. Die Nominirung dieser Candidaten bleibt dem Polen-Comite Vorbehalten. Mtt. (Säcularisirung der Begräbnißplätze.) Die „Volks-Ztg." schreibt: Allem Anschein nach wird in der nächsten Session der Gesetzentwurf wegen Säcularisirung! der Begräbnißplätze vorgelegt werden, nachdem die wiederholt darüber eingeforderten Berichte und Gutachten der oberen Behörden eingegangen^ sind. Wie es heißt, will man jedoch die Anlegung von Beerdigungsplätzen durch die bürgerlichen Gemeinden nicht obligatorisch machen, sondern daneben, nach wie vor, den Kirchengesellschaften die Anlegung confessioneller Beerdigungsplätze gestatten. Mtt. Zur Mission in Israel. Im Evangelischen Vereinshause hielt am vergangenen Sonntage ein bairischer Pfarrer einen Vortrag über .Mission in Jsreael." Er unterschied zwei Strömungen im Judenthum: die orthodoxe und die reformatorische. Während mit einer rührenden Zähigkeit die Strenggläubigen an den Gebräuchen ihrer Väter hingen, neigten sich die Reformen dem Ehristenthume mehr zu, ohne jedoch Christen zu sein; Religion sei diesen indeß eigentlich Nebensache, Hauptsache sei ihnen Erwerb, Wohlleben u. s. w. Zu beklagen aber ist ganz Israel, da es ablehnt, I. als Gott anzuerkennen und zu glauben, datz ba iüfcniuö jtiiteu Einzug längst gehalten have. Folge dieser Ablehnung ist natürlich ewige Verdammniß, Unmöglichkeit der ewigen Seligkeit theilhaftig zu werden. Damit den armen Leuten geholfen werde, hätte sich die Judenmission gebildet und, um recht wirksam sein zu können, einen Missionar ausgesandt, welcher die Juden in ihren! Häusern aufsuchen solle, um ihnen oas Evangelium zu pre-! digen. Um die Bekehrung zu erleichtern, hatte man in! Leipzig, dem Sitze dieser Heilsanstalt, ein Proselytenhaus j eingerichtet. Er, der Vortragende, sei, damit die Sache noch ‘ wirksamer gehandhabt werde, zum Reiseprediger gewählt! um die EP Gebet und G^ wir einmal näher a? Pastor Recht, wenn er dr? und Reformer; vergessen ha? ^lichkeit durch »Werke. Gehen üt der bairische lt in Orthodoxe ^sagen, daß letztere, wenn sie auch Wetterwendische tn sich schließen mögen, doch auch, und hostentlich recht viel, solcher in sich bergen, die wahrhafte Religion als ein Kleinod betrachten und sehnlichst wünschen, daß kein Pastor und keine Mission an den Fundamentallehren des Judenthums rütteln mögen: Diese Lehren heißen: 1) Gott ist ein einziges, einiges Wesen und außer ihm giebt es keinen Gott; 2) Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Besseres, Vernünftigeres kann keine Mission den Juden bringen, bis es dem schwachen Menschen vielleicht einmal vergönnt sein mag, das Wesen der Gottheit genau feststellen zu können. Um den Raum dieses geschätzten Blattes nicht zu sehr in Anspruch zu nehmen, nur noch ein Wort über den Messiasglauben. Der mehrgenannte Pfarrer erzählte, er habe einen Rabbi gefragt, wie dieser sich den Messias denn dächte, und der Gefragte hätte ihm mit einer Bibelstelle geantwortet, welche dahin ging: „Der Messias wird dann gekommen sein, wenn alle Menschen an einen Gott glauben werden." Ja, zehnmal Recht hat dieser Rabbi in dieser Annahme; wir wollen in jenem Satze noch hinzufügen: und sich brüderlich untereinander lieben. Hann. Tageblatt. Göltt. Der Abgeordnete Lasker reiste nach Freiburg im Breisgau und gedenkt nach einem kürzeren Aufenthalte bei seinen Anverwandten einen Ausflug nach der Schweiz zu machen. Glitt. Im israelitischen Hospitale zu Frankfurt a. M. verschied vor einiger Zeit im hohen Alter die einst gefeierte holländische Sängerin Fr. Rosa Hagenaar. Viele Jahre hatte sie zu Frankfurt in hoher Anerkennung als Gesanglehrerin fungirt, und doch waren die letzten Tage der einst gefeierten Künstlerin keine rosigen. Verarmt und verlassen ist sie dahingegangeu, die einst eine Welt zu ihren Füßen sah. Pilich'Rhtlttdorf vis-ä-vis Bonn. 24. Juli. Am vorigen Samstag gegen Abend wurde bei einer hiesigen israelitischen Familie eine Geldsumme von ungefähr 900 Mark gestohlen. Das leere Geldkistchen wurde in der Nähe in einem KornteXbe gefunden. Wir yvjjtn, daß die Thäter auh ge,unoen werde.», mal die Bestohlenen durch ihren redlichen Fleiß und ihre Sparsamkeit sich diese Summe erworben. So weit wir diese Familie kennen, ist es deren einziges Hab und Gut. Die Gemeinde-Mitglieder, unter denen sich sehr Wohlhabende befinden, werden am besten über dieses Unglück zu urtheilen im Stande sein und den Betroffenen wohl mit Rath und That beistehen. Die Red. Kerlitt. Ausgeschlagene Erbschaft. In San- FranziSko starb vor mehreren Monaten ein jüdischer Arzt, Dr. B., der vor vierzehn Jahren aus einer kleinen Stadt Kythmische Kehersrhung des 1. Sap. der Megillat 8cha. i. Wie verödet ist die Stadt, Die dereinst io reich bewohnte! Wie doch ist sie gleich der Wittwe, Sie, die einstmals thronte, Eine Herrin unter Städten, Einer Länderfürstin gleich, Wie doch ist sie zinsbar worden, Fremden Völkern, fremdem Reich! - II. Heftig weint sie in der Nacht, Ihre Wang' ist thränenfeucht! Niemand aus der Freunde Zahl Ihr des Trostes Becher reicht, Die Genossen, treulos handelnd, LoS von ihr sich alle sagen, Und zu ihren Hassern, Feinden, Sie sich allesammt jetzt schlagen! III. Juda irrt umher verlassen In des Elends schwerer Pein! Gern wohl möcht es unter Völkern Endlich einmal seßhaft sein! Doch es findet nirgends Ruhe, Nirgends findet's eine Raft, Die Verfolger sahen es, In verhängnißvoller Hast! .IV Zions Straßen sind verödet, Weil zum Feste keiner wallet, Seine Thore sind verwüstet, Dumpf der Priester Stöhnen hallet! Jungfraun' seufzen, händeringend,' Brechen aus in bitt're Klagen! Können ihren Schmerz nicht länger, Länger nicht den Gram ertragen! V. Zum Verdruß sind Judas Feinde, Noch gar hoch emporgestiegen! Seine Hasser wohlbehaglich, Sich in Freud' und Frieden wiegen! So gekränkt ist Juda worden ob der Missethaten, Seine Sprossen alle in Gefangenschaft gerathen! VI. Aus der Zicnsstadt ist nunmehr Jede Zier und Pracht geschwunden! Ihre Fürsten gleichen Rehen, Welche nirgends eine Trift gefunden! Kraftlos flieh'n sie hier- und dorthin, Vor dem Feind mit grausem Sinn! VII. In den Tagen ihres Elends Denkt Jerusalem zurück, An verflossener Jahre, Tage, An ihr ehemalig Glück! Keiner ihr will Beistand leih'n, Und ob ihres Falles sich Ihre Hasser jauchzend freu'n! VIII. Nun ist sie ein abgesondert Weib, Wegen ihrer Sünden schweren Bürde! Alle, die sie sonst verehrten, Treten jetzt mit Füßen ihre Würde! Auf der Blöße Salems ruht ihr Aller Blick Und sie selbst, sie ziehet seufzend sich zurück! IX. An den Säumen ihres Kleides Sieht man ihren Unflath hängen! Wie das einstmals enden würde, Trug zu wissen nie sie ein Verlangen! Darum sank sie so erschrecklich, Nicht will ihr der Tröster nah'n. S-eh', o Herr, mein Leid und Elend, Sieh' des Feind's hochmüth'gen Wahn! X. Alle ihre Kostbarkeiten Nimmt der Feind in Kauf, In ihr Heiligthum jetzt dringet, Ein der Heiden roher Häuf'! Sie, von denen uns dereinst, Dein Gesetz hat aufgetragen: Daß wir jedem Bund mit ihnen In die Ewigkeit entsagen! XI. All' ihr Volk, eS seufzet schwer, Brod zu suchen streift's umher,