Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 2 (1876)
- Issue
- 28 (13.7.1876)
- Date
- 1876-07-13
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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ObttschlMe Schul-Iustiindt. Dies, wie die Handhabung des hast Du kurz und bündig im Vorworte desselben zwar erörtert; indeß ist mir doch bekannt, daß praktische Schulmänner der Ansicht sind, daß sie durch den Gebrauch des in Schulen — noch mehr als es bis jetzt der Fall — mit dem Hebr., das doch den Eltern leider ganz und gar gleichgiltig und nur von Einzelnen als BiTrvOK MD hier und da als pia desideria gewünscht 2c, noch mehr sich anstrengen müßten und der Verfasser selbst, der inzwischen in den Ruhestand getreten — kennt eigentlich nicht die Anstrengung die das Schulbuch in der Praxis bietet rc. Die Nichtigkeit derartiger Auslassungen in den Augen wahrer und gewissenhafter Lehrer nachzuweisen erübrigt sich wohl von selbst. Alles was in der Schule gelehrt wird, muß bildend — Geist und Herz anregend sein; widrigenfalls ist es kein Unterricht, sondern geradezu eine Versündigung an der Jugend und gehört unter das Rubro (Baba Batra21: Jerem. 48 rPD“D" n J"0>6d ntW Dort erörtert und würdigt der so oft verschriene Talmud den methodischen grammatischen Unterricht und fordert ihn auf's Unzweideutigste vom jüdischen Lehrer, so er nicht als THK gelten will. Glücklicherweise bin ich aber in der Lage nicht nur von der grauen Theorie — sondern auch vom grünen Lebensbaume — von den segensreichen Früchten der Praxis des überzeugt zu sein. Denn als ich bei meiner jüngsten Anwesenheit in Q. Dich besuchte, überraschte ich Dich gerade beim Lehren des I. Capitels. Sechs Schüler, dem Gymnasium und tzder Gewerbeschule angehörend — die Sexta bis incl. Secunda der Gewerbeschule war vertreten — und sind dieselben natürlich verschiedenen Alters wie Fähigkeir und überhaupt verschieden in ihrer hebr. Vorkenntniß. — Nach herzlicher Begrüßung ersuchte ich Dich eine viertel Stunde hospitiren zu dürfen. Du theiltest mir mit, daß die Schüler wöchentlich an den schulfreien Nachmittagen je eine Stunde Hebräisch bei Dir haben, wovon noch die Sonnabendstunde für rituelle Zwecke — wie Gebete, Übersetzung rVQN ^p 12 rc. verwendet wird; also eigentlich für's Hebräische — hierzu gehört Pentateuch, Grammatik und hebräische Currentschrift — nur zwei Stunden anberaumt sind. Folgende Unterrichtsweise überzeugte mich^ von der Ersprießlichkeit derselben. Jeder Schüler, ..drrs'Nr-'TLngcrLii/'Jäv'2^ t-ich .;er Pr'rparaiion des 1. Capitels des die mein Freund erläuternd ergänzte und namentlich von den Schwächern wiederholen ließ, was bei der immerwährenden Wiederholung der grammatischen Abreviaturen schon im 3. Capitel entschieden sich erübrigt. Hierauf las mein Freund den ersten Vers mit richtiger Markirung der Tonsilbe und ebenso trug er den vollständigen Satz der Uebersetzung vor — und nicht, nach Cheder-Art, jedes hebr. Wort falsch betonend und radebrechend übersetzend, nach bisherigem Usus, um den Lehrer zu vergewissern, daß die Schüler den richtigen Be¬ Die ersten jüdischen Soldaten. Historische Skizze. (Schluß.) ^„Mein Toleranzpatent hat den Bann, der auf Euch lastete, aufgehoben, der Jude ist kein Fremdling mehr im Staate, er soll ein Bürger des Staates sein und sich als ein solcher fühlen, der Jude soll eine menschenwürdige Stel lung sich erringen, er soll darum auch Soldat werden. Was meinst Du, Nathan." „David war ein Soldat, Josua war auch Soldat, Israel in der Wüste führte Krieg gegen Amalek, die Makabäer waren Helden des Krieges. Israel ist ein kriegerisches Volk gewesen, für ein Vaterland streiten, das ihm Schutz und Recht gewährt, wird der Jude mit Stolz und Freude." „Auch am Sabbath? siel Pater Wolf dem Juden ins Wort. „Habt Ihr Euch denn nicht geweigert, am Sabbath die Mauern Zion's gegen Titus zu vertheidigen? Werdet Ihr essen wollen von unserm Brode, aus einer Schüssel mit uns, das doch verboten ist in Euren Gesetzen, Eurem Talmud und Schulchan Aruch? Ist er ein Abtrünniger, Eskeles, von seinem Gotte, nun so möge, mit Verlaub Sr. Maj-, Pinchas Steinitz, der Schlächter, reden." „Er rede, sagte der Kaiser. Pinchas Steinitz war von Schrecken gelähmt, er konnte das Wort nicht finden, endlich stotterte er: „der Herr wird auf die Zunge seines Knechtes Rüben Menasse legen, was er durch mich sagen lassen will." Rüben Menasse aber war ein Unwissender im Talmud, griff des hebräischen Wortes auch deutsch wiedergeben, wovon ihn die Vocabelkenntniß sattsam überzeugt. — Einzeln und ihm Chore wurde dann die 1. Lection resp. das erste Capitel in angeführter Weise durchgenommen und ich kann mit gutem Gewissen bezeugen, daß ein derartiger Unterricht nicht nur nicht anstrengend, sondern durch die wechselseitige Ergänzung von Lehrer und Schüler mehr das Gepräge einer, gewiß heilbringenden Unterhaltung — als das eines so fremdartigen Unterrichtes — an sich hat. Ich dankte meinem Freunde und beglückwünschte ihn zu den Erfolgen, die das erringen wird unb muß. Nun erübrigt mir noch die eigentliche PDntfi^ HD Frage zu erledigen. Tue bekannte tempora wuntantur et mutalriur in illis bewährt sich auch auf diesem Gebliete vollständig. Als Du vor 33 Jahren in Oberschlesien Deine Schul- Amtsthätigkeit begannest — da war es den Eltern mit dem Hebräischen noch vollständiger Ernst. Sie unterhielten nur eigne Schulen des Hebr. willen. — Die zwei verschiedenen Species von Lehrern — der Chacham sowohl — als der Raschah waren darum für das Hebräische so begeistert, unterrichteten dasselbe mit Leib und Seele — und begrüßten darum freudigst einen Collegen, der durch Methode einen günstigeren Erfolg erstrebte. Die damaligen Rabbiner aus der alten Schule s. A. standen der Elementarschule vollständig fern, hatten ihr Augenmerk darauf, ob Dabene, Chumesch und Raschi u. z. in Fülle gelehrt wurde. Sie waren, wie ich mich dessen genau erinnere, Deine Gegner, waren entrüstet über Deinen rationellen Unterricht. Rief Dir doch der Eine s. A. in seinem zelotischen Eifer zu: „Wir wollen kein Dikduck, — Chumerz, Raschi rc. Das zwischen jener Zeit liegende Menschenalter gestattete Alles um. Der Chacham- und Rascha-Lehrer mögen sich nun gar nicht mehr mit diesem undankbaren Unterrichtsgegenstande, — der obendrein leider nicht einmal von den Ellern begehrt wird — befassen. Der Tam - Lehrer weiß natürlich das nicht zu handhaben und zu würdigeu. Allein die erstehende Simultanschule, deren Verehrer ich zwar im Interesse der möglich zu erzielenden gegenseitigen Toleranz sein könnte — entschieden aber im Interesse des Judenthum's nicht sein kann und bin — die muß und wird schon der 5£L üir: ,,-nretu GJst, der o/uf Dir ist, und meine Worte die ich in Deinen Mund gelegt — sie sollen nicht weichen aus Deinem Munde n. s. w. halber, Religionsschüler in's Leben rufen. — Die Herrn Rabbiner, die sich nicht mehr mit der Heranbildung von Talmud-Jüngern, wie ehedem, befassen — deren Aufgabe dürste es nun sein das Wort Gottes im Urtexte der Jugend zu lehren. In diesem Vorgefühle nun, begrüßen und würdigen sie jetzt auf das Unzweideutigste Dein ^"^"D allein bewährtes Lehrmittel, das die mühevolle Arbeit, die der hebr. Unterricht in so zartem Alter, bei so knapper Zeit, verursacht — nicht nur bedeutend erleichtert, sondern überhaupt erfolgreich machen wird. der dachte, was der weise Nathan Eskeles, der reiche Banquier, für gut hält, muß doch gut sein; darum faßte er ein Herz und sagte: „Wollen Ew. Maj. ein Moschel hörenich weiß eins, das Moschel (Geschichtchen) paßt, es ist mir so eben eingefallen; wenn ich darf will ich's dem Herrn Geistlichen erzählen. „Warum nicht mir?" fragte der Kaiser, „warum dem Pater?" „Das soll der Herr Kaiser auch bald erfahren, wer ka Geduld hat, kann nicht kreißen, wer nicht kreißt, kann keine Kinder hoben, darum Geduld." „Bei uns, in Proßnitz lebte in alter Zeit ein Bäcker, den nannten die Leute die Schlafmutzen, denn er ließ sich von Allen Alles gefallen. Hat ihm Jemand das Fenster eingeschlagen, so schickte er um den Glaser und ließ ein anderes machen, warf ihm ein Anderer einen Stein in's Haus, sagte er: vergelt's Gott; darum heiß es allgemein von Jemandem, der keine Courage hat, das ist ein zweiter Holoweck, so hieß nämlich der Bauer. Dieser Holoweck hatte eine schöne Tochter, in welche sich der Amtsschreiber von Proßnitz bis über die'Ohren verliebte; heirathen wollte er das Mädl nicht, aber verführt hat er es, ohne Furcht, denn sie war ja Holoweck's Tochter. Wie Holoweck die Sache erfahren, daß jener sein Kind unglücklich gemacht haß da ward er plötzlich ein ganz anderer Mensch, er ging auf's Amt, klopfte demüthig an die Thür, bat, weinte und machte dem Amtsschreiber gütliche Vorstellungen; er möge sein Kind nicht unglücklich machen. Der Amtsschreiber aber lachte den Narren aus. von dem er wußte, daß er keine — Darum rufe ich Dir, mein Freund, zu n&^ ^22 "n hx hn' und Euch Lehrern -npDzb-nsh inrrrD^ itdtidk nt mb xn i-mrp -hx tntn -hm Kadisch. Eben sprach die letzten Worte Des 01eiim der Chasan, Und zu hoher Himmelspforte Schwang sich sein Gebet hinan. Hinter ihm in kleiner Ferne Steht ein Knabe, zart und fein, Dessen blaue Augensterne Thränen still an Thränen reih'n. Schluchzend sagt der Kadisch leise, Für den Vater, der ihm todt, Wie es nach der alten Weise Heischt der Weisen ernst Gebot. Neben diesem kleinen Knaben Steht ein Mann, den Kopf gesenkt, Der, erachtend „Jetz'ges Haben" Nur an das Zukünft'ge denkt. Düst'rer Ahnung bange hebet Sich sein tief ergriff'nes Herz, Und die ferne Zukunft webet Weites Denken tief in Schmerz. Dann zu einem andern Kinde, Welches betend bei ihm steht, Wendet er sich leis geschwinde — Dann sein Aug' zum Himmel fleht. — Streichelt dann des Kindes Wangen Und das kraus gelockte Haar, Und in Harrendem Verlangen < Blickt er ihm in's Augenpaar: „O, mein Sohn," spricht er mit Schauern - „O, mein Sohn," spricht er zu sich, „Ach wie lange mag's noch dauern „Sprichst Du dies Gebet für mich!" — Gb. Bn., Cöln. ZLlwMMchüchirrL md LörrL§MZ§r.M. ~ ~~ Deutschland. Köln. Das Haus der Abgeordneten hat den Gesetzentwurf, den Austritt aus der Synagogengemeinde, wie derselbe vom Herrenhause amendirt wurde, auf Befürwortung Lasker's genehmigt. Das Gesetz bedarf jetzt noch der königlichen Sanction. Daujig. (Orig.-Corr.) Zn Ihrem vortrelflichen, wohlverdienten Nachrufe, welchen Sie unserm sel. Rabbiner Dr. Wallerstein in Ihrer letzten Nummer widmeten, tragen wir Ihnen noch nach, daß der Leichenwagen von ca. 6000 Menschen aller Confessionen begleitet war. Die Herren Courage habe, aber Holoweck ward ein anderer Mann, da es sein Höchstes auf Erden, sein Kind, galt. Die Schlafmutzen ward ein Held; alle Bäckergesellen mußten zusammentreten, Holowek kommandirte sie, sie zogen in den Krieg gegen die Amtsleute, selbst gegen des Kaisers Soldaten, die von Holowek geschlagen wurden. Den Amtsschreiber erschlug der Holowek, und der Kaiser, der Holowek's Macht anerkannte, schloß Frieden mit ihm und machte ihn zum Fürsten von Holowek." „Was soll das bedeuten? Das hat keinen Sinn." „Gar wohl; Holowek, meine Herren, ist der Jude, der/ wenn er einmal weiß, wofür er kämpfen soll, ein Held werden wird. Die Schlafmutzen wird ein Federhut werden Was man darf, was man nicht darf, darnach fragt man beim warmen Ofen Holowek, Holowek, Euer Majestät, denken Sie an Holowek. Ich habe sechs Söhne, sie mögen den Anfang machen, sie sollen Soldaten werden, Ew. Maj. Herrendienst geht vor Gottesdienst." Lobert, Curiosa Josefina.) Die Confereyz war zu Ende. Der Kaiser hatte die Conscriptionspflichtigkeit der Juden, decretirt, trotzdem dies seine Räthe mißbilligt hatten. Zwei Jahre seit jener epochemachenden Entscheidung verflossen, als eines Tages ein mährisches Infanterie-Regiment die Burgwache bezog. Hauptmann Graf Stahremberg kommandirte die Wache. Der -Vorschrift gemäß, machte dieser dem Kaiser die Aufwartung. „Ihre Leute sehen musterhaft aus," sagte der Kaiser zu dem Hauptmann, „und doch kommen Sie aus dem Felde.,,