Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 2 (1876)
- Issue
- 28 (13.7.1876)
- Date
- 1876-07-13
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Rabb. Dr. Bamberger aus Königsberg und Dr. Nosenstein aus Graudenz, Studiencollegen des Heimgegangenen, und Dr. Schreiber aus Elbing hielten Grabreden, außerdem begleiteten die Herren Dr. Braun, (Stergardt) nnd Dr. Blüh (Berent), die Waisenkinder, Vorstände der Gemeinden, Lehrer und sonstige Corporationen in solch großer Anzahl, wie eine Beerdigung in Danzig noch nicht stattgefunden hat. Die Herren Nabb. Dr. Bamberger und Dr. Rosenstein sprachen voller Rührung, tief ergriffen über den Verlust des theueren Freundes und Studiengenoffen, mit dem sie in Breslau durch jahrelangen Verkehr einen festen Bund geschlossen, der auch nach dem Eintritt ins Amt nicht gelockert wurde. Hinweisend aus seine Tugenden als Mensch, Hirte und Familienvater blieb kein Auge trocken bei Anhörung der heftig gerührten, wir möchten sagen, leidtragenden Redner. Auch Herr Dr. Schreiber sprach zum Schluß einige Worte der Anerkenung. die nicht verfehlte, auf die Zuhörer einen tiefen Eindruck hervorzurufen. gana«, den 2. Juli. Am Donnerstag den 29. Juni, Nachmittags gegen 4 Uhr entlud sich ein schweres Gewitter über unsere Stadt und Umgegend. Viele Ortschaften unserer Umgebung hatten viel unter den Wirkungen des Unwetters zu leiden. In dem eine Stunde von hier entfernten, jenseits des Maines gelegenen ziemlich großen großherzoglich hessischen Dorfe Diedesheim am Main, wo 3 jüdische Familien wohnen, schlug der Blitz in das Haus des Handelsmanns E. Appel ein, richtete einige unbedeutende Beschädigungen an und traf die 14jährige Tochter des Hauses, welche sofort betäubt niedersank, aber allmälig durch schnelle ärztliche Hülfe wieder zur Besinnung kam und ihrer vollständigen Genesung entgegen geht. Die Fama, (welche nach des Dichters Wort (AenlY, 187) Städte schreckt mit ihrem Donnerton, so eifrig Ersonnenes und Lügen fest zu halten, als fertig, Wahrheit zu entfallen) hatte ungenau in den Zeitungen des Aergste schon verkündet. nD*!t^ bnxtr» Grabow, Herzogthum Posen, 30. Juni. (Priv.-Mitth.) Ein scheußlicher Raubmord, v erübt an einem Juden! Ich habe Ihnen von einem gräßlichen Raubmorde zu berichten, der in Blaschki vor Kurzem an einem „Die Mannschaft hat wacker gekämpft; Schade, daß die hex Braven Erv. Maj. nicht?.ur Anszeichnung empfohlen werden dürfen." „Dürfen? Ausgezeichnete Leute dürfen nicht —" „Im Regimente sind sechs Gemeine, welche die Fahne des Regiments gerettet haben, ich wollte dieselben Eurer Majestät zur Auszeichnung empfehlen, doch der Oberst Graf Festetis hat es mir verboten." Kennen Sie die Ursache?" „Die Leute, es sind deren sechs, sind Brüder, es sind die ersten Judensoldaten, recht wackere Kerle, sie führen ganz kuriose Namen, der erste heißt Holowek I., der zweite Holowek II. u. s. f. eigentlich heißen sie Menasse, sind aus Proßnitz, und deren Vater, ein Hausirer, besuchte dieselben oftmals im Felde." „Ich will die Leute sehen, morgen Mittag, Punkt 12 Uhr führen Sie mir dieselben vor." Der Kaiser reichte dem Hauptmann die Hand und entließ ihn äußerst huldvoll. „Herr Oberstlieutenant," so redete er den Hauptmann an, „Sie haben mich sehr erfreut."- Mit dem Glockenschlage 12 Uhr standen 6 Mann im kaiserlichen Vorzimmer, es waren Simon, Levi, Jakob, Esraim, Juda, Jsack Menasse. Auf ein gegebenes Commando traten sie in den Conserenzsaal, geführt von dem Offizier. Da saßen sie nun wD>er beisammen alle, Pater Wolf, Sonnenfels, Kaunitz und Muff und die Andern. „Meine Herren," sagte der Kaiser, „Herr ObrMieutenant, Gras Stahremberg hat hiermit die Ehre, Ihnen die Bravsten seines Regiments vorzustellen, erzählen Sie umständlich, Herr Graf, die Herren find sehr neugierig. Der Graf begann die Heldengeschichte des Holowek I bis Holowek II zu erzählen, die Herren sahen sich verdutzt an, Pater Wolf schnupfte ungewöhnlich viel. »Zu Offizieren kann ich Euch freilich nicht machen," sagte der Kaiser, „das würden die Offiziere der Armee nicht gleichgültig hinnehmen, aber daß Ihr brave Jungens seid, das darf ich Euch sagen. Reicht mir die Hand, Einer nach dem Andern — so — ich umarme Euch, mit Euch umarme ich ein befreites Volk, Judenblut ist mit Christenblut gemeinschaftlich auf dem Felde, für das Vaterland geflossen. Ihr dürft Menschen unter Menschen sein. (Liebhard, ibid.) armen Glaubensgenossen verübt wurde. In Blaschki, einer polnischen Stadt bei Kalisch, wohnte ein Jude, ein armer Wollhändler en detail. Derselbe kaufte jedes Jahr von einem Schäfer in der Umgegend Blaschki mehrere Pfund Wolle. Auch in diesem Jahr kam der Schäfer zu ihm mit der Bitte, ihm für eine bestimmte Summe Wolle abzukaufen. Der Israelit machte sah auf den Weg nach dem Hause des Schäfers und nahm!5 Rubel mit sich. Außer der Stadt angelangt, sagte der Schäfer zu dem Kaufmann, er möge im Roggen auf den Felde auf ihn warten, bis er die Wolle bringen werde. Der Jude aber wartete den ganzen Nachmittag vergebens, bis endlich der Schäfer des Mitternachts mit noch einem seines Gleichen ankam; Beide überfielen nun meuchlings oen Israeliten, stachen im die Augen aus, hieben ihm bie Füße ab und beraubten ihn alsdann seines Geldes, seiner Kleidungsstücke u. s. w. Als die Frau des Hingeschlachtetm 3 Tage lang vergebens auf die Rückkehr ihres Mannes gewartet hatte, machte sie sich auf, ihren Mann zu suchen und fand ihn auch im Felde im Roggen, tobt, gräßlich verstümmelt. Sie machte bei der Polizei Anzeige.^Sofort bei dem Schäfer Hausuntersuchung gehalten und man fand bei ihm die Kleider des Ermordeten. Er wurde gleich verhaftet und nach Kalisch transportirt, wo er seiner Verurtheilung entgegensieht. Zjppßadt, 5. Juli. P.-M. Heute haben wir wieder eine That bestialischer Roheit zu registnren, wie vor einigen Jahren. Auf unserm jüdischen Friedhöfe sind abermals 4 Grabdenksteine theils beschädigt, theils zertrümmert worden. Nach Aussage Sachkundiger konnte das Frevelwerk nur vermittelst eines schweren Instrumentes, von starker Hand geführt, ausgeübt werden. D:e jüdischen Friedhöfe zu Werl, Ahlen, Bonn, Tholey wurden in (neuerer Zeit auf ähnliche Weise geschändet. In den beute hier erscheinenden Localblättern verheißt der königl Staatsanwalt zu Paderborn Namens des Synagogenvorstandes eine Belohnung von 30 Nm. für die Ermittelung der Thäter. 8. II. Wrjburg, 9. Juli. In unserer Gemeinde gehts wieder etwas hitzzig her. Die Frage um die es sich handelt ist eine Autoritäts-- und, wenn juristisch aufgefaßt eine Rechtsfrage. Es ist bekanntlich lange her, seitdem in Deutschlaud eine gründliche Reform des Armenwesens in's Auge gefaßt wurde. Bayern speciell machte Anstrengung, um diese so Frage in geeignet? Form zu lösen. Vor etwa 2 Jahren gelangte auch die )o lange geyegre Idee zur Ausführung, und man sieht allenthalben mit Befriedigung auf das Resultat derselben. Der Hausbettel ist fast ganz unterdrückt, ohne daß der Mildthätigkeit des Einzelnen irgendwie wären Schranken gesetzt worden. In 6 Städten Bayerns, Fürth, Würzburg, Ansbach, Augsburg, München und Bamberg die, zuglich 5 Bezirke repräsentiren, werden sowohl durchreisende wie einheimische Arme mit Almosen betheilt, und so zwar, daß sie auf Hausbettel verzichten müssen. Zur Zeit nun als diese Einrichtung getroffen wurde, bestand der hiesige Cultus-Vorstand größtenteils aus Orthodoxen. Dieser wählte aus seiner Mitte 2 Mitglieder zur Leitung aller ins Armenfach einschlagenden Geschäfte, die auch mit größter Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit ihre Aufgabe lösten. Vor einiger Zeit wurde nun eine Vorstandswahl vorgenommen die in ganz antiorthodoxein Sinne ausfiel. Der Bezirk (und dieser ist sehr groß) kümmerte sich um diese eingetretene Aenderung nicht, und sandte nach wie vor sämmtliche Correspondenzen an die „Cultus-Verwaltung" die ihrerseits durch und aus dem Vorstande Gewählte die Einläufe in Empfag nehmen, sowie sämmtliche darauf bezügliche Arbeiten versehen ließ. Während nun die eine Partei das erst vor Kurzem ins Leben gerufene Armeninstitut als von der Cultusverwaltung völlig unabhängig betrachtet, und die Belastung der beiden früheren Leiter dieses Instituts in ihrem (Amte verlangt, erklärt die andere, (neologe) Partei, daß das Mandat dieser Herren mit ihrem Austritte aus dem Vorstande erloschen sei, da ja auch diese wieder nur aus dem Vorstande und von dem Vorstande gewählt wurden. Man darf auf den Ausgang dieser Frage gespannt sein. Allenfalls wäre es zu bedauern, wenn durch diesen im Grunde ja nur kleinlichen Streit, die Sache selbst irgendwie beeinträchtigt würde. Illingen, den 4. Juni. (Priv.-Mitth.) Wie wir hören, ist die Mutter des am 15. v. Mts. bei Neukirchen in der Blies gefundenen israelitischen Knaben in einer Person Namens Weiß, Mutter von drei unehelichen Kindern ausfindig gemacht und in Bonn, wo dieselbe schon früher sich aufgehalten, verhaftet worden. Die Thäterschast wurde durch einen hiesigen Einwohner, bei dessen Familie die Person am Tage des Mordes gewesen und wo dem Kindc noch ein buntes Tüchelchen mitgegeben wurde, konstatirt und durch die Neukircher Polizeibehörde erfolgreiche (Schritte zur Habhaftwerdung der Kindesmörderin gethan. Jugenheim, 22. Juni.^. -Heute Vormittag hatten Se. Maj. der Kaiser von Rußland einen seltenen Besuch in seinem Schloßparke dahier: eine mittlere Klaffe der höheren Töchterschule der orthodoxen Jsraelitengemeinde zu Frankfurt. Die Kinder waren nämlich, unter Führung ihrer Lehrerinnen, auf einem Ausfluge nach dem Felsberge und wollten gelegentlich den Schloßpark besuchen, wurden aber von den Schloßwärtern zurückgewiesen. Se. Maj. der mit seinem Adjutanten eben aus dem Schlosse heraustrat, bemerkte dies kaum, als er sofort durch den Adjutanten den Lehrerinnen bedeuten ließ, mit den Kindern einzutreten und munterte Allerhöchst selbst die Kinder dazu auf. Er unterhielt sich nun bald mit einer Lehrerin, bald mit dieser oder jener Kindergruppe auf's leutseligste, fragte nach der betreffenden Anstalt und dem Namen des Direktors, dann nach dem gegenwärtigen Stand ihres Mundvorraths und bot ihnen huldvollst gastfreundliche Bewirthung an. Die kleine Gesellschaft dankte ehrerbietigst und wies auf ihre wohlgefüllten Botanisirbüchsen hin. Er führte sie nun nach Punkten, von wo aus sich die herrlichste Umschau darboi und machte sie auf das Eine und Andere aufmerksam. Als sie den Felsberg als ihr Reiseziel angaben, schloß er sich in herablassenster, gewissermaßen traulicher Weise bis an's Ende des Parkes an, zeigte ihnen den Fußweg, rieth nachdrücklich von der staubigen Landstraße ab und wollte sich eben empfehlen, als die Kinder, wohl auf einen Wink der Lehrerin, das schöne Lied: „Kennst Du das Land in deutschen Gauen," gut eingeübt, munter und brav, ungenirt wie die Waldsänger, frei in die Waldluft ertönen ließen. Das schien den Kaiser sehr zu freuen; gelehnt auf seinen Spazierstock hörte er ihnen lächelnd bis zu Ende zu und grüßte dankend, was die Kinder mit Tücherichwenken erwiderten. Darauf wandte sich Se. Maj. noch einmal um, grüßten noch einmal freundlich und wünschten einen guten Tag. S. Sontheim, 30. Juni. (Priv.-Mitth.) Dem Lehrer und Vorsänger Stern, über dessen 50jähriges Dienstjubiläum in dem „Israelitischen Boden" berichtet wurde, ist folgende, den Jubilar so hoch ehrende Gratulations-Adresse von Seiten der Delegirten des israel. Lehrerstandes in Württemberg zu geworden — - Herr Lehrer und Vorsänger Jacob Stern in Sontheim. Mit großer Freude haben wir die Kunde vernommen, daß Ihre Gemeinde, Schüler und Freunde die Gelegenheit ergreifen, Ihnen am 30. d. des Tags Ihrer Jubiläumsfeier, ihre Dankbarkeit, Verehrung und herzliche Theilnahme zu bezeugen. Sie sind einer von denen des israelitischen Lehrer- und Vorsängerstandes, die an der Bildung der Jugend und der Hebung des religiös moralischen Sinnes der Israeliten des Landes während so vieler Jahre mit Eifer und Treue gewirkt und in Bescheidenheit und mit dem Bewußtsein gewissenhaft gethaner Pflicht in dem mühesamen Berufe auf Ihrem Posten bis in das hohe Alter ausgeharrt haben. Wir zählen Sie mit Stolz zu den würdigsten Mitarbeitern im Weinberge des Herrn; wie Sie auch stets Ihr warmes Interesse an den Standesangelegenheiten bewährt und zu deren Förderung mitgeholfen haben. Es drängt uns darum, Ihnen dies hiermit an diesem festlichen Tage schriftlich auszusprechen, weil uns dies persönlich zu thun des israel. Festes wegen, nur in beschränkter Weise möglich ist. Wir sind überzeugt, daß wir im Sinne des ganzen israel. Lehrerstandes des Landes handeln, wenn wir Ihnen, wie hiermit geschieht, unsre aufrichtige Gratulation darbringen mit dem innigen Wunsche, daß der Vater im Himmel Ihnen ferner seine Gnade in reichstem Maße zu Theil werden lassen und den Abend Ihres Lebens zu einem recht freundlichen gestalten möge. Verehrungsvollst rc. Stuttgart am 30. Mai 1876. Der Ausschuß des israel. Lehrer-Unterstützungs-Vereins I. d. N. Lehrer LiebmannH Durch langjährige Erfahrungen und direkte Correspondenzen mit Levante ist das Exporthaus und Südfrüchtenhandlung der Herren Tamburlini u. Comp, in Triest in der Lage wirklich feine Corfu, Parga sowie Corsica D'O'linx ferner Genueser Palmen und grüne Myrthen 'Din zu liefern, weshalb wir uns erlauben un sere geehrten Leser auf diese Firma aufmerksam zu machen und es wäre nur rathsam sich rechtzeitig zu melden, damit diese Firma sich bei Ihren Einkäufen darnach richten kann und damit die geehrten Besteller gewiß aufs beste befriedigt werden.