Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 2 (1876)
- Issue
- 27 (6.7.1876)
- Date
- 1876-07-06
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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G-erschlefische Zchul-IuMnde. Fortsetzung. Dein talmudisches Souvenir l. F. ist tatsächlich praktisch und was Hauptsache ist, billig und zweckerstrebend. Immerwährend hat Dein -pro Deine Frage über einen so gangbaren Artikel robn "lZTl mich, wie es diese und zu jeder Zeit obliegende Pflicht erheischt — auf der Rückreise — zu Hause, meinem Hinlegen und Aufstehen beschäftigt. Ich gestatte mir eine Wiederholung derselben: Warum waren vor 38 Zähren meine College« für und die Rabbiner Oberschlesien's wider mich — und jetzt, erlebe ich das Gegentheil — oder kurz gefaßt:!vnn m — non pnn nuntro ro Da wir^nun durch die hebr. HD Frage - Stellung uns auf das Gebiet der Hagadah versetzt sehen — so ist der Gedanken-Conner ein natürlicher, wenn wir an die 3 verschiedenen Charktere des Hagadisten 2N und yt£>Tl D^n gemahnt und erinnert roerden. — Eigentlich gibt es nur 3 verschiedene Religions-Beurtheiler resp. Anschauungsweisen, die des Chacham des Rascha und die des Tam. Die Abstufung zwischen 2N und W'tT ist viel zu subtil, als daß wir uns sprachliche Gewissens-Skrupeln machen sollten — sie gleichen einander fast wie ein Ei dem andern. —Also wir können füglich nur von 3 verschiedenen religiösen Charakleren sprechen. — Nun unter den Arbeitern JTIX21* H D"D2 sind diese männiglich vertreten. Wir besitzen unter unsern Lehrern nicht nur rV'n Schüler der Chachanim sondern Gl. Chachanim des Hebräischen Kundige — aus der alten Schule; aber sie sind auch schlau und lebensklug. Vor Allem haben sie stets sich im Auge und die Schule ist für sie — nicht aber sie für die Schule. — Mit rührender Gewissenhaftigkeit erfüllen sie jenes heilige Gebot DDimtS'SJ NX namentlich beim Unterricht des Hebräischen. Sie beruhigen ihr Gewissen mit dem Gedanken: gegen die Zeitströmung können wir einmal nicht schwimmen. Die Knaben verlassen die jüd. Schule unabänderlich mit dem 9. Jahre. Sie hören mit dem Alter aus, mit welchem sie eigentlich erst beginnen sollten, also, wozu uns unnütz quälen? Die Eltern wollen durchaus das Dabenen erreichen — wollten sie mehr erstreben, so würden sie auch ihre Kinder der jüd. Schule länger anvertrauen. -- Demnach lehren sie Dabenen, abermals Daueutii aus ixjkkvum Dabepew Theibv-ist st? Recht, aber nur theilweise, denn abgesehen davon, daß ein passiver, nicht auf Selbstthätigkeit des Schüler's berechneter Unterricht, eine Zeitvergeudung und Beeinträchtigung der Kindes-Fähigkeiten überhaupt ist — schadet ein solches Verfahren dem gesammten Schulunterricht, macht das Hebräische den Kindern, die später Gelegenheit haben Sprachen methodisch zu lernen, geradezu widrig. — Zu den Rschaim zählen die Lehrer, die außer in den Elementar-Fächern, selbst in Sprachen was Tüchtiges — nur im Hebr. wenig oder gar nichts geleistet — oder wie ein bon mot sagt: „sie lernen und lehren alle 70 Sprachen, nur nicht die heilige Sprache" — die doch eigentlich das Lebens-Element der jüd. Schule ist, das Tag und Rächt zu pflegen uns geboten; widrigenfalls erübrigt sie sich entschieden. — Mit diesen erwähnten beiden Klassen fruchtet unser Streiten und Rechten wenig oder gar nichts. Sie leben, handeln nach ihren sich gebildeten Principien und sind darum mit uns im Principe uneinig — mithin unverbesserlich. — Hingegen hoffen wir, daß eine Verständigung mit der 3. Klasse, die mit dem IWX"n "15D gar nichts anzufangen weiß — nicht ganz vergeblich und fruchtlos sein wird und genügen somit gleichzeitig der Anordnung des Hagadisten: „eröffne Du ihm das Gespräch, Erkläre und erläutere ihm seine Fragen und Zweifel." Um nun zur Lösung Deiner mir gestellten HD Frage des mir gegebenen Souvenirs zu gelangen, stellte ich Mir zwei Vorfragen und zwar: a) was bewog Dich überhaupt nach den gemachten Erfahrungen in der jüdischen Schriftstellerei zu einem 4. unglücklichen Versuche — zur Herausgabe Deines b) wie willst Du es in der Praxis behandelt wissen? — Da mir durch unser mehrjähriges Zusammenleben Deine didaetischen Ansichten überhaupt, insbesondere aber die des Hebräischen genugsam bekannt sind, so siel deren Lösung mir durchaus nicht schwer, und gestattest Du sie zum Nutzen und Frommen der Lehrer und der Jugend Tobh lühh zu veröffentlichen. Nach Deiner pädagogischen und auch richtigen Ansicht dürfen nur Schulbücher, die auf Selbstthätigkeit der Schüler berechnet sind — den Kindern in die Hand gegeben werden; — ferner müssen sie eigends für die Jugend, möglichst correkt für die verschiedenen Altersstufen bearbeitet sein — und endlich galt es ein Schulbuch zu schaffen, das bei der kurzen Zeit vom 7. bis höchstens 10. Lebensjahre, bei täglich höchstens Einer Stunde — den Lehrer in den Stand setzen soll, etwas mehr als Dabenen zu lehren — ihm diesen für unsere Jugend unerläßlichen Lehr-Gegenstand zu erleichtern — mit einem Worte — ein Schulbuch, das Lehrer und Schüler durch gegenseitige Selbstthätigkeit anregt und nicht langweilt — den hebr. Unterricht nicht als Basis unseres hehren, heiligen Religionstempels — sondern möglichste Kenntniß der Bibel in der Ursprache zu erstreben und den gesammten Sprachunterricht fruchtbar machen; es soll zum Segen und nicht zum Nachtheile unserer Muttersprache — der Deutschen — gereichen, und nicht denselben, wie es leider bis jetzt durch unmethodische, unzweckmäßige Unterrichtsweise geschieht — schädigen und beeinträchtigen, was mir gewiß sämmtliche Pädagogen einräumen werden. Uom „ Judenfresser" Richard Muzner. Der Schöpfer der „Zukunfts-Musik" und Lieferant eines Centennial-Eröffnungs-Marsches für D. 5000 oasb, Herr Richard Wagner, hat sich bekanntlich schon vor Jahren durch Wort und That, namentlich in einer von ihm verfaßten Broschüre als hart gesottener Judenfeind bekannt. In seinem Hasse gegen alles Jüdische unterscheidet er nicht zwischen Mensch und Künstler und verringert die Leistungen und Verdienste von Juden, welche am Kunsthimmel als Sterne ersten Ranges glänzen, eben blos aus purem Haß. Wenn wir von dem Künstler Richard Wagner absahen und uns den Menschen gleichen Namens näher betrachteten, so drängte sich uns stets die Ansicht auf, daß wir durchaus keinen Grund haben, uns sonderlich darüber zu grämen, wenn ein Sitten-Heros a la Wagner die Zahl unserer vermehrt. Einen weiteren Beleg für diese Ansicht erblicken wir in der Oper „Tristan und Isolde", einem der neuesten Machwerke des gegenwärtig lebenden Zukunfts - Componisten, über deren erste Aufführung in Berlin uns ein Bericht vorliegt, dem wir das Folgende entnehmen: Der Geburtstag des Prinzen Friedrich Karl (20. März) mit seiner großen Auffahrt im Schloß und den beflaggten öffentlichen Gebäuden gab dem Tage der ersten Aufführung von „Tristan und Isolde" auch äußerlich mit ein festliches Gepräge. Natürlich war dieses Zusammen* allen kein Zufall. Die mächtigen Gönner Wagner's ha- | l-H d' Sache so zu schieben daß das „große Ereigniß" in die Feftzeit fiel, welche so und so vier sremoe > Fürstlichkeiten nach Berlin führt. Spielte Talma einst zu | Erfurt vor einem Parterre von Königen, so muß Wagner doch wenigstens einen ersten Rang von Fürsten haben. Gleichzeitig hat man mit dem Angenehmen auch das Nütziche zu verbinden gewußt und durch Erhöhung der Eintrittspreise auf das Doppelte eine Einnahme von 5300 Thalern erzielt, welche dem Bayreuther Unternehmen zu Gute kommt. Fünf Stunden lang haben die „Glücklichen", denen es vergönnt war, der ersten Aufführung beizuwohnen, Auge und Ohr angestrengt der Bühne zuwenden müssen, um eine schmutzige Liebesgeschichte mit dem Tode der beiden Liebes-Rasenden enden zu sehen. Nüchterne Menschen finden die Geschichte ekelhaft und sehen in ihrer breiten Auffrischung nur den Versuch einer Rechtfertigung eines ähnlichen Verhältnisses zwischen Wagner und der „Gattin" Hans von Bülow's. Und darüber daß Wagner die „vornehme Welt" zu sich herübergezogen hat, weil er es versteht, die ordinärste Lüsternheit scheinbar zu verklären, besteht hier kein Zweifel. Die ganze Wagner- Verherrlichung macht einen recht bedenklichen Eindruck, den eines stark im Anzuge befindlichen sittlichen Verfalls. Und wenn man sich diesem nicht kraftvoll entgegenstemmt, dann wird er Deutschland gefährlich werden, wie er einst schon andere größere Reiche gestürzt hat. Was will dieser ernsten Frage gegenüber die Thatsache bedeuten, daß Wagner doch ein großer Musiker ist? Gar nichts! Und deshalb haben diejenigen Recht und zehnmal Recht, welche ihn verurtheilen, je schärfer, desto besser! Zu den Anhängern Wagner's gehört natürlich auch die fromme „Kreuz-Ztg." (bekanntlich die getreue Assistentin der ultramontanen „Germania" im Fache der „Judenhatz"), denn trotz aller Kirchlichkeit sind ihre Leser gehörige Lebensmänner. Die National-Ztg. hingegen spricht ihre Verwunderung darüber aus, daß man die königliche Bühne zur Verbreitung so unsittlicher Anschauungen hergebe. Nun, wenn's das Unglück mit uns gut meint, kann's noch besser kommen. Man vergleiche die stetigen Fortschritte, welche Wagner auf dem Berliner Boden gemacht hat, und man wird die Nachricht nicht mehr für unglaublich halten, daß er uns schließlich doch noch als General-Musik-Direktor aufgehalst werden soll. Einen bedeutsamen und wohlthuenden Gegensatz gegen' das wüste Wagner-Treiben im gegenüber gelegenen Opernhause bildete die Festrede des Professor Curtius in der Universität, welche derselbe am 22. März, dem Geburtstage des Kaisers, hielt. Als die unserer Zeit gewordene große Aufgabe erkannte der Redner die Versöhnung zwischen Glauben und Vernunft, Religion und Wissenschaft. Von den Juden sei uns die reine Gottes- Idee, von den Hellenen die Wissenschaft und Kunst als Erbe überkommen. Beide Völker ergänzen sich und aus der Hinterlassenschaft Beider beruht unser modernes Leben. Kein unversöhnlicher Gegensatz waltet zwischen Beiden, und er muß überwunden werden. .... 1 .- IlitullMachrichtlil und Correspoudeuzl«. Deutschland. Köln, 30. Juni. Pr.-Mitth. In letzterer Zeit sind von der kgl. Negierung zu Düsseldorf die jüdischen Elementarschulen zu Kettwig an d. N., Viersen, Kempen, Anrath, Alpen, Rheydt und Mörs aufgehoben worden. In dem betreffenden Schreiben der Regierung wird als Motiv dieser Verfügung angegeben, daß kein Bedürfniß vorhanden sei für einklassige jüdische Elementarschulen, wo mehrklassige Volksschulen bestehen. Wir geben heute diese Nachricht, die gewiß einen panischen Schrecken unter die Lehrer Rheinland und Westfalens bringen wird, in kurzen Worten und werden später darauf zurückkommen. L. Sregburg. 27. Juni. (Orig.-Eorr.) Unsere Gemeinde bot in der verMngenen Woche ein wahres Abbild des menschlichen Lebens dar. Sowie dort Angenehmes mit Traurigem sich mischt, Glück mit Unglück wechselt, ebenso waren es auch hier freudige und betrübende Gefühle, die den sonst stillen, sanft fließenden Strom unsres Gemeindelebens ixt Bewegung setzten. Siegburg gehört noch zu jenen frommen, gottesfürchtigen Gemeinden, die alle Mitglieder derselben theilweise durch Verwandtschaft, theilweise durch Freundschaft zu einer großen Familie vereinen, und jedes freudige und jedes traurige Ereigniß findet daher bei allen Mitgliedern gleiche innige und rege Theilnahme. So schlug denn, wie ein zerstörender Blitzschlag in die stille Hütte, die betrübende Kunde in unsere Gemeinde ein, daß ein würdiger Sohn derselben, der Stolz der Eltern und aller Bekannten und Freunde, Herr Rabbiner Dr. Josus Wallerstein in Danzig, j Sohn un,ercs hochachtöa.—., frommen, gütt-'^-.-^enrn <£?- I meindemitgliedes, Herrn Samuel Wallerstein und Schwiegersohn des gleich hochachtbaren und frommen Herrn Dülkerr in Deutz, in dem blühenden Lebensalter von 39 Jahren, das Zeitliche gesegnet hat. Groß, sehr groß war die Theilnahme an diesem Trauerfall in der ganzen sowohl jüdischen wie nicht jüdischen Bevölkerung. Dr. Wallerstein, ausgestattet mit reichen Kenntnissen in den talmudischen und wissenschaftlichen Fächern, einer der besten Schüler des jüdischtheologischen Semmars in Breslau, — seine Difsertationsschrift war die Herausgabe des berühmten rn3K 'pX) mit lateinischer Uebersetzung und gründlichen kritischen Roten, — hat mit Liebe und treuer Hingebung, im Sinne des conservativen Judenthums sein heiliges Amt verwaltet. Friedlichen Sinnes mit warmer Pietät gegen die überkommenen Lehren unsrer Religion, war er in Danzig bemüht, die dort seit vielen Jahren, weniger aus religiösen Motiven, getrennten 4—5 Gemeinden zu einem Ganzen zu bilden; und wie der Abgeordnete Hirsch in den Debatten im. Abgeordnetenhaus über das neue Judengesetz bestätigte, steht die Verschmelzung dem Vorabende ihrer Verwirklichung, — da ruft der unerforschliche Rathschluß Gottes den Mann ab, der, wie Moses, nur bis an die Grenze des heiligen Landes kommen und seine Lebensaufgabe nicht ganz lösen durfte, prorm>D xi>l ynxi Das Zudenthum verliert viel, sehr viel durch den Heimgang solcher jungen Kräfte, die mit jugendlichem Eifer, ohne das zerstörende Feuer des Fanatismus, für Glauben und Sitte eintreten und kämpfen. Es war ein besonderes Verdienst des Heimgegangenen, daß durch seine Bemühungen in Danzig, wo er sich der ungetheilten Achtung der bürgerlichen und politischen Behörden erfreute, an den öffentlichen Unterrichts- Anstalten der jüdische Religionsunterricht ertheilt wird. Ach! Es klagt die Gemeinde um ihren treuen Hirten, die Jugend um ihren frommen Lehrer; Frau nnd Kinder um den guten Vater, Eltern und Schwiegereltern trauern um den lieben Sohn, Geschwister jammern um den braven Bruder, Freunde und Bekannte um den edlen Menschen, und das Judenthum steht schwarzumflort an dem Grabe eines seiner frommen Bekenner. Sein Andenken sei, wie sein Leben gesegnet! Das ist die betrübende Seite unsres Gemeindelebens in