Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 2 (1876)
- Issue
- 27 (6.7.1876)
- Date
- 1876-07-06
- Page
- [Seite 4] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Iber vergangenen Woche. Doch auch Freudiges, nicht weniger allgemeine Theilnahme Erregendes ist geschehen. Der Vorsteher unsrer Gemeinde, Herr Samuel Bürger, ein Mann gleich ausgezeichnet durch musterhafte strenge Religiosität wie durch edle Herzenstugenden, ein min bv^, Mitglied des Euratoriums des unter der Leitung des Herrn Dr. Plato stehenden Seminars in Cöln und Präses des Sieger Kreises, beging in seiner Frmilie eine Doppelfeier. Am 22. Juni feierte derselbe seine silberne Hochzeit und zugleich das Hochzertsfest seiner Tochter Billa mit seinem Pflegesohn, Herrn N. Leubsdorf aus Cöln. Wer die Beliebtheit und die wohlverdiente Achtung, deren sich die Familie Bürger im Siegerkreis und darüber hinaus erfreut, kennt, wird es begreiflich sinden, daß dieses Doppelfest nicht ohne sehr proste Betheiligung aus den verschiedensten Kreisen von Statten ging. Im Hotel Bellevue zu Deutz fanden die Festlichkeiten statt, und zu Dutzenden liefen die Beglückwünschungßtelegramme und Festgedichte von nah und fern, von Jud und Christ ein. Es konnte daher auch mit Recht der Rabbiner der Synagogen-Gemeinde Cölns, Herr Dr. Frank, . der die Trauung vollzog, das junge Brautpaar auf das 25jährige Eheleben der Bürgerlichen Eheleute als Muster und Vorbild Hinweisen und dasselbe auffordern, in die Fußtapfen des-Jubelpaares zu treten. Es brauche in keiner Lage des Lebens über das was es zu thun oder zu unterlassen habe, im Unklaren sein, denn, so meinte der Redner, •^lEEXn -pm -pEX bxw, es brauche nur den Vater zu fragen, aus die Ellern hinzublicken, um zu ^wissen, daß wahre Frömmigkeit sich mit Liebe paaren, wahre Gottesfurcht sich mit Frieden vereinen müsse, daß sowie Bürger, ein nmEI DBES in des Wortes vollkommenster Bedeutung dadurch war und ist, daß er nicht in eigensinniger Rechthaberei sich päpstlicher Unfehlbarkeit rühmte, sondern mit Milde und Nachsicht dem Andersdenkenden und Andermeinenden begegnete, ebenso auch das Brautpaar die gegenseitigen Meinungen und Gedanken auötauschen und würdigen und gemeinsam das Gute anstreben möge. — Das Fest verlies in heiterster Stimmung und auf den Lippen Aller schwebte der Wunsch, daß nach 25 Jahren wiederum ein Doppelfest gefeiert werden möge, nämlich die silberne Hochzeit der Neuvermählten und die goldene des kräftigen und gesunden Jubelpaares. Und wir Alle stimmen bei und rufen aus pn \T> pl px! Kreslar, 22. Juni. (Priv.-Mitth.) EEEEE '2 btP'XBn starb hier der greife Nabbinats-Affeffor I. L. Feder s. A. br 1VW2 yib spv i'l 1TO l'l’Hn sin Der Verblichene war gebürtig in Rawicz, ein Schüler des seiner Zeit hochbcrühmten Rabbi Akba Eger b"1 zu Posen und fungirte hier mehrere Decenien als pE Nabbinats-Affeffor. Vermöge seiner großen talmudischen Gelehrsamkeit, eines festen, religiösen Charakters und bescheidenen, aber dennoch in seinem Amte thätigen Lebenswandels genoß derselbe hier die allgemeine Liebe und Hochachtung, die sich namentlich auch bei der Beerdigung in der all gemein en Theilnahme kund gab. Drei Rabbiner hielten Trauerreden am JTTOpn Im Hause sprach der, dem Dahingeschiedenen befreundet gewesene Rabbiner aus Wieruxhow und auf dem p^y nn an der Bahre sprachen die Ortsrabb., die Herrn Landrabb. Tilitin und Dr. Joel Worte des Schmer* * zes ob des Verlustes eines solchen Mannes. 's bw'R En *]r6yTO hielt Herr Rabbiner Dr. S. Neustadt in seiner Synagoge „zum Tempel" einen EDDIE Trauergottesdienst um den Heimgerufenen ab. In der Einleitung der Trauerrede schon klagte Herr Dr. N. wehmüthig: 1X21E ■"BOT 'S btP v I. — war es, als die Schreckensnachricht sich verbreilele nEW rbx BEE daß zu Ihm heimgegangen ist Jehuda nvyExv im -rrm» p mim 'e -iTnro xdeh E"*! ^x und Trauer Jammer unser Herz erfüllte und nun war es HEEDE 'S bw 'X En daß der Atann, der sein ganzes Leben einer HEEE einer Wüste gleich machte NX ni^p^ miniE um sich unaufhörlich mit der Torah zu beschäftigen 'e TfmD p »Tnm *pn n eeW'd pEn ehe b"l EHEEX von uns genommen wurde. Haben wir damals den braven, charaktervollen und felsenfesten Jehudi und den würdigen Vorsitzenden des Vorstandes dieser Synagoge beklagt, o so haben wir heute einen E^EN p^Etf emen der würdigsten Lehrer in Israel, wie nicht minder den Vorsitzenden des Vorstandes unseres Vereins rTTinb EW yElp zu beklagen, der bis zum Eintritt seiner Schwäche nicht nur selbst der Redner dieses Vereins war,*) sondern iniE En Eybis zu seinem Todestage der Vorsitzende dieses Vereins blieb und deffen Erhaltung und Förderung ^XEtra NEIN pEEffc und pNNN^ NEIN EEl5 ihm immer am Herzen lag und für diese M2E sich immer lebhaft interessirte. Der Redner schilderte hierauf den schweren Verlust solcher Männer, legte die ersten Verse der Sidrah EN^yNE zu Grunde und gab in beredten Worten ein Charakterbild des dahingeschiedeneu Mannes und schloß seine Rede mit der herzerhebenden Anrede: „Doch, Gel., nicht klagen allein wollen wir, sondern uns auch erheben. Dl X1EED E>EH wenn wir sehen, daß solche Epn^ und NEIN '»EB'6 uns entrissen werden lyötSTI ESItP yiDBOI sollen wir das so zur Besserung unseres Lebenswandels benutzen als wenn wir die Stimme des Schofars vernehmen möchten. Was ruft uns vor Allem des Schofars Stimme zu: DEVOTE IEEE' „Bessert euren Lebenswandel". Besserteuren Lebenswandel dadurch, daß ihr tretet in die Fußstapfen der frommen Beter, daß ihr euch anklammert M2E1 min, daß Ihr eure Kinder in diesem Sinne und Geiste erzieht, düß Ihr min nEI^ unterstützet, wie Kindern dürftiger Ellern zum „Lernen" die Gelegenheit verschaffet, lyEpl BBEeS wenn ihr aus diese Weise diesen EDEN Trauergottesdienst für euch nützet und um den Verlust unseres pEI EE euch so „euer Herz zerreißet" EE^EÜE bxi, dann werdet ihr das Glück haben, wie diese Stelle erklärt, bax nana mh» imai? irna'sri ^>xi „daß ihr nicht nöthig haben werdet, eure Kleider wegen eines Trauerfalls zu zerreißen", und Gott wird für immer den Tod aushören lassen und dieThränen trocknen von jeglichem Gesichte." Seit Kurzem ist die hiesige Gemeinde der Thätigkeit ihrer dreier Rabbinats-Assesioren enthoben und zwar sind zwei derselben mit Tode abgegangen*) und der dritte Herr R.-A. Schlesinger befindet sich schon im hohen Lebensalter. Ob die hiesige Verwaltung uns wenigstens wieder ein ne EXE1.E byE geben wird, muß die nächste Zukunft lehren. Gott n"E bessere es! Kresla«, 22. Juni. Pr.-M. Die hiesige Xtsmp NEE!E hat am verfl. Sonntag ihr 150jähriges Bestehen in der neuen großen Syvagoge gefeiert. Die Herren Rabbinen Tiktin und Joel hielten die Festpredigt. 8. II. Wurfturg, am 25. Juni. (Priv.-Mitth.) In aller Stille -und vielleicht^vv»^keinem jüdischen Herzen nach Gebühr bemitleidet stirbt innerhalb des baierischen Judenthums ein Institut ab, das seit langer Zeit als einzig in seiner Art aus deutschem Boden bestanden: die hiesige Jeschi w a h ist ihrer völligen Auflösung begriffen. Ich nenne sie einzig in ihrer Art, denn es dürste während der letzten Jahrzehnte kaum eine Anstalt in Deutschland gegeben haben, in welcher der Grundsatz mny '['»XI miEn HX1 IEEEN 'pX 'E E^ einen so prägnanten Ausdruck gefunden hätte, als in der hiesigen Jeschiwah. Das herannahende Ende derselben wurde bereits vor einem Jahre von einem Reformblatte signalisirt, allein in einem Tone, den der Eingeweihte mit Entschiedenheit zurückweisen muß. Es ist durchaus unrichtig, daß eine bei unserem Herrn Rabbiner eingetretene Kühle gegen seine Jeschiwah das Ende derselben beschleunigte, wenn es auch anderseits richtig ist, daß das hiesige Lehrerseminar das Interesse dieses Mannes in einem Grade absorbirte, der ein ausschließliches Wirken für die Jeschiwah unmöglich machte. Auch nicht Mangel an Gelegenheit zum Studiren war es, der unsere Talmudgäuger von hier entfernte, wir haben ja Gymnasien und eine Universität, deren Besuch jedem Bocher gestattet war. Die heute zur allgemeinen Geltung gelangte Ansicht, daß der jüdische Seelsorger neben talmudischem Wissen auch ein bedeutendes profanes Wissen besitzen müsse, und dieses vereint in einer Anstalt erworben werden müsse, kann allein als schuldtragend angesehen werden; ein Unrecht aber wäre es, wollte man unfern Herrn [Tistriktsrabbiner für den Untergang einer Anstalt verantwortlich machen, die bis auf die jüngste Zeit ihren Charakter als altehrwürdige Reliquie des deutschell Judenthums zu wahren wußte. (Anm. der Redaction: Wenn sich diese pessimistischen Mittheilungen unseres sonst so gut unterrichteten Herrn Correspondenten bewahrheiten sollten, so würde durch das allmälige Eingehen der Jeschiwah dem religiösen Leben und *) Seit siebzehn Jahren hält Herr Dr. N. allsabbathlich Nachmitt, diese Vorträge in dem l^mEIE mEW diesem Sommer werden dieselben, des Raumes wegen in der Synagoge „zum Tempel" abgehalten. *) Rabbinats-Assessor Falk s. A. ist vor etwa drei Jahren gestorben. der talmudischen Forschung in Süddeutschland eine beinahe t ödtliche Wunde versetzt werden. Wir hoffen von dem bewährten Eifer und der Rührigkeit des Herrn Distriktrabbiners zü Würzburg, daß er alle seine Kraft anspannt, um diesem Unglück vorzubeugen und aus den Trümmern selbst neuest Leben emporblühen zu lassen!) Dom badischen Vderlaud. (Priv.-Mitth.) Einen Ak* der Toleranz hat unser allverehrter Landesfürst dadurch wiederum consiatirt, daß er den Dr. M. Bloch in Emmendingen zum Großherzog Bezirksarzt ernannte.— In. Freiburg i. B. zahlt die politische Gemeinde dem isr. Hauptlehrer Bodenheimer von Emmendingen für den Religonsunterricht, welcher den oberen Schülern der höhern Bürgerschule, des Lyceums oder h. Töchterschule ertheilt wird 1000 Mk. — Vor 25 Jahren wurde nur eine einzige eingebürgerte Familie (Weil) da geduldet. — Welch ein Sieg des fortschrittlichen Zeitgeistes! — der Vorstand der sr. Gemeinde in Freiburg, Herr Adolf Weil, Mitglied dev gemischten Schulcommission daselbst, nahm am „schwarze n Kloster" die Osterprüfung vor und mußten die schwarzen Schwestern und Nonnen in einem Juden ihren Examinatoranerkennen. Maßbach (Unterfranken), 27. Juni. Pr.-M. sE i n A k t d e r Toleranz). Geehrtester Herr Redakteur! Ich habe Ihnen heute von einem Akte der Toleranz zu berichten, der esverdient, in weiteren Kreisen zur Kennlniß zu gelangen, um so mehr, als man solche Vorgänge auf dem platten Lande, wohin die lichten Strahlen der Aufklärung nur mit Mühe zu dringen vermögen, nur selten wahrzunehmen Gelegenheit hat. Es ist dieser eben die logische Consequenz. eines wahrhaften Liberalismus, im Gegensätze zu dem Schein-- liberalismns, der oft nur mit hohlen Phrasen um sich wirft, sich in einen Lichtmantel hüllt, jedoch mit finsterem Fanatismus und Berserkerwuth gegen Andersgläubige erfüllt ist. — Am 25. ds. Mts. schied von seiner irdischen Laufbahn Herr Isaak Pollak, ein Veteran von Anno 1815, im 82. Lebensjahre. Bis zum Abende seines Lebens war er geistesfrisch. trotz der großen Schmerzen, welche ihn in letzterer Zeit an das Krankenlager fesselten. Mit großer Vorliebe gab er Reminiscenzen aus seinen Erlebnissen von dem erwähnten Kriegsjahre zum Besten, stets mit demselben lebhaften Interesse und der Wärme, welche solchen Naturerr. eigen ist. Bei Jung und Alt war er deßhalb beliebt und sein frischer Humor erregte oft die Lachmuskeln. Am 27. ds. fand nun seine Beerdigung statt. In früher Morgenstunde schon hatte sich der hiesige Kampfgenoffenverein, dem der Verstorbe als Ehrenmitglied angehörte, aus eigener Initiative im Trauerhause eingesunden, um demselben das letzte Geleite zu geben. Im Schritte folgten die Tapferen der Bahre bis zum Ende des Dorfes; hier wurde Halt gemacht und drei Ehrensalven abgeseuert. Es erregte Bewunderung, christliche Bürger eine jüdische Leiche begleiten zu sehen. Darum Ehre den wackeren Kampfgenossen, daß. sie die confesfionelle Schranke übersehen und ihrem Principe, Gleichheit und Brüderlichkeit, treu geblieben sind. Sie haben sich mit diesem Tage eine neue Perle in ihren Ruhmeskranz geflochten und gezeigt, daß Vorurtheil und Intoleranz keinen Platz in ihrem Herzen hat. Möge die Hoheit solcher Gedanken und der Adel solcher Gesinnungen auch ferner unter ihnen walten, auf daß ihr junger Verein gedeihe und zur schönsten Blüthe heranreife. H. G. Oesterreich-Ungarn. Wie aus Kun-Szent-Miklos geschrieben wird ist daselbst am 26. v. M. der älteste Bürger der Stadt S. Deutsch, im Alter von hundert Jahren verschieden. Der Verstorbene war — mit Ausnahme der letzten Monate — nie im Leben krank gewesen Deutsch hinterläßt einen Sohn vier Töchter, 35 Enkel, 65 Urenkel und zwei Ur-Urenkel — in Summe nicht weniger als 105 direkte Nachkommen. In Großwardein fand jüngst zu Ehren des dortigen isr. Predigers Dr. Alexander Nosenberg unter großer Theilnahme des Publikums ein glänzendes Banket statt, bei welchem Dr. Nosenberg seinem Bedauern darüber Ausdruck gab, daß die gebildete, im Lande zu einer Führerrolle berufene Gemeinde noch immer kein, ihrer würdiges Gotteshaus besitzt. Sofort wurde ein Subscriptionsbogen angefertigt und binnen Kurzem waren zum Zwecke eines Tempelbaues 25,000 Gulden gezeichnet. Jedenfalls ein schöner Ansang. Druck der Langen'schen Buchdruckerei in Cöln.