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Der israelitische Bote · 1876-05-25 · 21 (25.5.1876) · p. [Seite 2]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
2 (1876)
Issue
21 (25.5.1876)
Date
1876-05-25
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German
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nur Gesetzgebung und Kapitalmacht, sondern auch Literatur und Presse entweder unter dem stärksten Einfluß oder ganz und gar in der Hand des Zudenthums sich befinden. Ist der Herr Correspondent „pt" etwa neidisch? Gut, so mag er auch eine Zeitung verlegen oder herausgeben. Und wie viel Zeitungen befinden sich denn, wohl direkt oder indirekt in den Händen von Christen? Ihre Zahl ist Legion. Wenn Israeliten Zeitungen verlegen oder herausgeben, so zeugt dies von einem Hohen Grad patriotischer Gefühle; kann man doch all den Blättern nicht nachsagen, daß si gegen König und Vaterland schreiben; auch schnöde Gewinnsucht ist dabei sicher nicht im Spiele. Thatsachen reden. Die Schrift des Professor Dr. Rohling „der Talmudjude" ist mir gänzlich unbekannt; jedenfalls hat noch nicht ein einziger Jude davon Kenntniß genommen, sonst wäre gewiß irgend einer bereit gewesen, dieselbe zu widerlegen/'') Der Christ erscheint dem Juden nicht blos als kein Feind; es haben vielmehr manche Juden und Christen innige, ewige Freundschaft geschlossen, wie Mendelsohn und Lessing u. A. — Beispiele daß der Jude den Christen ehrenvoll, höflich und treu behandelte, selbst wenn zum Gegeutheil Veranlassung gewesen wäre, wie etwa in der Zeit des Mittelalters, der Kreuzzügc u. s. w., könnte ich aus der israel. Geschichte wie auch aus dem Leben, das daran durchaus nicht arm ist, in großen Massen anführen; doch dar wäre soviel, als wenn Jemand sich die Mühe nehmen will, Eulen nach Athen zu tragen. Greifen wir zur Bibel, so finden wir überall den Israeliten zur Pflicht gemacht, Fremde, das sind Nichtjuden, ehrenvoll und anständig zu behandeln; so heißt es 2. B. M., K. 22, V. 20. „Und den Fremden sollst du nicht kranken und ihn nicht drücken, denn Fremdlinge ward ihr im Lande Mizrajim." 3. B. M., K. 25, V. 35: „Und so bei dir dein Bruder verarmt und seine Hand wankt, so greif' ihm unter die Arme, Fremdlinge wie Beisaß, daß er bei dir lebe." V. 36: „Nimm von ihm nicht Zins und Wucher, und fürchte dich vor deinem Gotte, daß dein Bruder lebe neben dir." V. 37: Dein Geld gib ihm nicht um Zins, und um Wucher gieb ihm nicht deine Speise." 3. Buch Moses, K. 19., V. 33 und 34: „Und wenn ein Fremder sich bei Dir aushült, so sollt ihr ihn nicht unterdrücken, wie der Einheimische von Euch, so soll der Fremde ..de^sttbLei dir aufhält; du wllst ihn lieben wie dich ßWR denn tS:uuT‘a jdost'F» zwänge rmp'-hU te-; Ich, |ber Ewige, euer Gott." 3. B- M.,' K. 24, V. 22: „Einerlei Recht soll Lei Euch sein, dem Fremdling wie dem Einheimischen, denn ich der Ewige bin Euer Gott." Die jüdischen Gelehrten sagen: „Die Frommen aller Nationen — also auch Nichtjuden — haben Antheil am jenseiligen Leben." „Wir schließen nicht aus, werden aber of: ausgeschlossen. Daß Wucher, an Christen geübt, ein verdienstliches Werk sei, unr das zu beweisen, hat der betreffende Correspondeut der Leipz. Volkszeitung auch nicht Eine Stelle angeführt; weshalb? Es ist ihm wahrscheinlich keine bekannt, weil es eben keine gibt; noch weniger kann er den Beweis liefern, daß der Jude verpflichtet sei, vom Christen Wucher zu nehmen; denn jeder Wucher ist gegen Jeden ohne Unterschied des Glaubens dem Israeliten verboten. „Liebe zu heucheln," sei erlaubt, wenn Israels Interesse dies erfordere; auch diese Behauptung ist unwahr; ebenso bleibt er nicht bei der Wahrheit, wenn er meint, „mit dem Christen Erbarmen zu haben, ist Unrecht." Spr. Sal. 20, V. 22 heißt es: „Sage nicht, ich will Böses vergelten, hoffe auf Gott, der wird dir helfen. Das. 24 V, 29. „Sage nicht, wie er mir gethan, so will ich ihm wieder thun; ich will dem Manne vergelten nach seiner Handlung. Das. 25. V. 21 und 22: Hungert deinen Feind, so reiche ihm Brod, dürstet ihn, so hole ihm Wasser; scharrest du dadurch auch gleichsam Kohlen über sein Haupt, so vergibt der Ewige doch deine Thal." Ps. 120 V. 2: „Ewiger, bewahre meine Seele vor falscher Rede." Spr. Sal. K. 21. V. 6: „Schätze sammeln durch Lugen- Reden heißt um eitles Nichts den Tod suchen." Daß der Jude ein auf den Talmud gegründetes Vorurtheil gegen Ackerbau habe, das ist gleichfalls eine Unwahrheit; sagen doch die Gelehrten: „Wer nicht ein Stück Grund und Boden sein nennt, der ist in gewissem Sinne kein Mensch"; wo bleibt ferner die Wahrheit, wenn der Corrspondent der L. V. Z. sagt: „nur in der äußersten Noth greift es (Israel) zum Handwerk." „Der Erwerb durch körperliche Arbeit widerstrebt seinem Nationalcharakter." — Hierzu vergleiche der Leser: „Jeder Vater lasse seinen Sohn ein Gewerbe lernen!" „EinGroßes ist es um die Arbeit, wenn der, der sich ihr weiht, *) Ist bereits geschehen, wie ich später erfahren. D. E. erwärmt ist dafür"; so sagen die jüdischen Weisen. Weiter: „Im Schweiße deines Angesicht sollst du dein Brob essen, bis du wieder zurückkehrst zue ck'de, von welcher du genommen." — Ps. 128. V. 2: Nährst du dich von deiner Hände Arbeit, Heil dir, du hast es gut." „Fleißige Hand herrscht, lässige wird dienstbar." — Daß das Volk Israel Vorliebe zum Handel, daß es kein Verlangen nach manchen Handwerken hat, das wird Jeder begreifen, der die Behandlung kennt, die dem Volke Israel in ganz Europa all die Jahrhunderte des Mittelalters hindurch zu Theil wurde. Angewiesen auf Trödel, Kleinhandel und Geldgeschäfte wären sie froh gewesen, wenn sie Schuhmacher, Schneider Bäcker, Metzger und Gerber hätten sein können; die Innungen (Zunft) nahmen sie jedock nicht auf, und daß die ewigen Nörgeleien und Neckereien Spannung und gegenseitige Mißachtung zwischen Christen und Juden zur Folge hatten, vielleicht hier und da heuw noch haben, das ist doch ebenfalls recht begreiflich. Daß der Jude im Handel eine den Christen weit überlegene Gewandtheit erlangt habe, and) das wäre nach obiger Ausführung sehr natürlich und erklärlich, ist aber demnach nicht erweislich; so hat Peter der Große verschiedenen Juden aus Holland, die gerne nach Rußland ziehen wollten, gerathen: „Freunde, behalteteuer Geld, ein Russe ist psifsiger als 4 Juden"; und ob diese Behauptung nicht auch wohl anderswo, vielleicht in Deutschland Anwendung finde, das ist gewiß der Prüfung wertst Wie oft gestattet sich mancher unkundige Christ die maßloseste Kritik jüdischer Eigenthümtichkeiten! Kein Zeitungsblatt, kein Brochürchen, fein Büchlein fast wird vom Stapel gelassen, ohne dem verhaßten Inden eins zu versetzen. Auch die Alliance Jsraelite wird hart mitgenommen. Wer aber ihre Zwecke kennt, wer ihre Erfolge gelesen, wer die Stellung zu würdigen weiß, welche unsere Glaubensgenossen noch hier und da gezwungener Weise einnehmen, der wird gewiß gestehen: „Nur ein weises und verständiges Volk ist diese mächtige Nation." „Denn der Wohlthätigkeitssinn, die Hllbthätigkeit, die Herzensgute, die Bereitwilligkeit zu helfen, wo immer die Noth ihren Hilferuf erhebt; sowie das Streben nach Intelligenz, nach Bildung und Wissenschaftlichkeit; dabei die Innigkeit des ehelichen, elterlichen und kindlichen Verhältnisses; und dann endlich die Nüchternheit und Enthaltsamkeit sind nirgends in schönerem Maße vorhanden, als aerab^J't Widern Volke, ja es sind dres^ckuge, pt-Correspondent behauptet: „Ä"er Jude beulet hier die Gewinnsucht, dort die Noth ans." Auch diese Behauptung entbehrt jeglicher Begründung. So sagen unsere Weisen: „Das Gold ist nur geschaffen, um das Heiligthum damit zu schmücken." „Wer ist reich? der sich freut mit seinem Theile. Wer ist weise? der von Jedem lernt. Wer ist ein Held? der seine Leidenschaften bezwingt." Spr. Sal. K. 15 V. 27: Der Gewinnsüchtige betrübt sein eigenes H ms; wer Geschenke haßt, lebt glücklich. Spr. Sal. 22 V. 1. „Besser ist guter Name, als großer Neichthum, beliebt sein ist besser als Silber und Gold." Leider war es seit undenklichen Zeiten stets Mode, daß, was Einzelne durch Untreue, Unredlichkeit rc. verschuldeten, allen Israeliten zur Last gelegt wurde. Deshalb betet auch Moses: „Wenn Einer sündigt, willst du dann über das ganze Volk zürnen?" Was würden die Christen dazu sagen, wenn sie allsammt Christen für die Fehler Einzelner unter ihnen öffentlich an den Pranger kommen sollten!? An einem jonischen Tempel fand man einst geschrieben; „Erkenne Dich selbst!" Zum Mgchknskstk! Die Leiden Bundestafeln! Die Sonne der Gottescrkenntniß, welche dereinst am geistigen Horizonte der Menschheit ausging, vergoldete nicht nur die Gipfel des Sinai, sondern bereitete auch ihren himmlischen Strahlenglanz über die Mchbargebirge Seir und Patera und erfüllte weiter hin immer mehr und mehr die Wohnsitze der Menschen, Die göttliche Stimme, welche dereinst unter rollendem Donnern und züngelnden Blitzen hernieder tönte von des Himmels Höhen zu der Erde Tiefen, drang nicht nur in das mit bebender Ehrfurcht horchende Ohr Israels, sondern ward auch im Lause der dahinrauschenden Zeit vernehmbar für die gesammte gesittete Menschheit! Denn wir wüßten wo,)l kein gebildetes Volk der Erde zu neunen, kein Glaubensbekenntniß, welches die Veredlung der Bekenner anstrebt, anzugeben, das nicht in dem „Zehnwort" die Grundlage und der Kern aller Religion und Gesittung erblickte, welches nch der Einsicht verschlösse, daß dieses die Quelle ist, der ^lle Vernunft- und Moralgebote entströmen. Unser Verdienst und Stolz jedoch bleibt es, daß wir die ersten wäre:?, die wir uns in den Besitz dieser Grundwahrheiten setzten, daß wir sie am frühesten inLehren und Leben bethätigten, daß wir sie als nationales Banner hochhielten und es vorantrugen in Freud' und Leid der nach Wahrheit ringenden Menschheit, aus daß auch diese sich in die Gottesidee vertiefe und hineinlebel In diesem Sinne betrachten wir uns allerdings als ,r6^D DJ? ein auserkorenes Volk, so wie auch um des Willen, daß wir unsere Pflicht und unsere Berus frühzeitig Erkennend, das Heiligthum unserer Ueberzeugung. den idealen^ Gehalt ^unserer Lehre unversehrt erhielten durch alle Jahrhunderte und keine Gefahr, keine Noth und kein Tod et vermochte, uns derselben abtrünnig zu machen! Worin nun der eigentliche Vorzug unserer Lehre besteht, ist in einem Ausspruche unserer Weisen ausgedrückt, der wie eine Zahlenspielerei aussieht, aber gleichwohl einen so tiefen Sinn hat, daß er Alles hier sagt. Dieser Ausspruch lautet: KntDSVa Q^ID das Wort „Snllam" zu deutsch „Leiter" habe den Zahlenwerth von „Sinai"! d. h. mit anderen Worten: Unsere auf dem Sinai geoffenbarte Lehre bildet gleichsam die Leiter, die mit ihrer Spitze bis zum Himmel ragt, mit ihren Füße aber auf der Erde steht, sie will daß die Menschen sich als die Sendboten Gottes ansehen, welche die Leiter auf und nieder steigen sollen, sie gebietet, daß wir die Ergebnisse, die wir in dem Himmel der Religion gewonnen, auf dem Wohnsitze der Erde, unter unseren Mitmenschen bezeugen und bethä-> Ligen! Dieses Postulat unserer Lehre auch ist es, welches ihr nicht nur die treue Hingebung ihrer Bekenner, sondern auch die Bewunderung und Anerkennung der übrigen einsichtsvollen und vornrtheilsfreien Nationen und Confessionen sichert! Diesen Sinn hat offenbar folgende Stellen im Midrasch: tihty '"I "1DK Rabbi Ulla sprach: Wenn cs also heißt: Dich priesen, Herr, alle Könige der Erde, da sie vernahmen die Aussprüche deines Mundes, so haben wir darunter Folgendes zu verstehen: Als die Nationen die Sinaitischen Gebote vernahmen, sprachen sie, als die ersten derselben ihnen bekannt wurden: das ist führwahr eine einseitige Lehre, eine Lehre die es nur mit dem zwar allmächtigen und allwissenden, aber doch ebenso unsichtbbaren und unbegreiflichen Wejen zu thun hat; sie ist unserem Verständnisse unzugänglich; anders aber, als ihnen noch die Gebote genannt wurden: „Ehre Vater und Mutter u. s.rv. Jetzt erst erkannten sie, daß diese Lehre eine Lehre sei, dem Menschen für den Menschen gegeben, huldigten ihr fortan dE—A•; der sie der Menschheit offenbarte! Und in der That stellt unsere Lehre den Anspruch, daß wir Gott geben, was Gottes ist, aber auch., dem Menschen, was des Menschen ist, sie will den Himmel der Religion in unsere Brust gepflanzt, aber auch die Säulen der sittlichen Weltordnung in unserer Mitte begründet wissen! Nur den einen Gedanken läßt sie überall durchblicken und heißt uns ihn festhalten, daß sich die Religion zur Moral wie etwa die Ursache zur Wirkung verhalte, daß die Pflanzungen der Moral nur in dem Boden der Religion feste Wurzel zu schlagen vermögen, daß beide innerlich miteinander eng Zusammenhängen, so zwar, daß die eine ohne die andere undenkbar ist. Daher find auch die „Zehnworte" auf zwei Tafeln niedergeschrieben worden. Die Zahl der Worte ist fürwahr feine so große, daß für dieselben der Raum einer Tafel nicht ausgereicht hätte, wohl aber ist es der Sinn derselben, welcher zwei Tafeln nothwendig machte! Auf der einen sollten sich die Religionsgebote, aus der andere die Moralgebote befinden, um schon äußerlich anzud'cuten, daß beide Tafeln gleichen Anspruch auf Werthschätznng haben, daß der Mensch die gleiche Pflicht hat, den Geboten der einen, wie der andere Tafel mit strengster Gewissenhaftigkeit gerecht zu werden! Dazu kommt noch, daß die Anordnung der Gebote auf beiden Tafeln eine solche ist, daß diese letzteren sich wechselseitig entsprechen! (S. mein: „Hohes Lied, metrisch übersetzt rc." Seite 45.) Wie in der Reihe der Religionsgebote die Gortesleugnung die größte Versündigung ist, so ist in der Reihe der Moralgeboten der Mord das schwerste Verbrechen, und letzteres kann füglich nur derjenige begehen, der keinen Gott fürchtet und keinen höheren Richter anerkennt! Wie durch den Abfall von dem wahren Gott und den Anschluß an einen von dem Aberglauben oder auch Unglauben erfundenen Gott der Mensch seinem religiösen Zerfalle entgegen geht, also verfällt auch der moralischen Zersetzung derjenige, welcher die Heiligkeit der Ehe bricht, die Keuschheit des Familienlebens versetzt. Und wie diese, entsprechen sich bei einem prüfenden Blicke auch wechselseitig die übrigen Gebote auf den beiden Bundestafeln! Die gleiche Berechtigung also, welche die Religions- und Moralgebote nebeneinander haben sollen, sie sollte versinnlicht werden durch die beiden Bundestafeln,

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