Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 2 (1876)
- Issue
- 20 (18.5.1876)
- Date
- 1876-05-18
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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seiner Linken!" (Mtelot 10, 2.) Aber noch ein anderer I eure Nachkommen, auf daß sie den Geist des Omergebetes, Gedanke ist's, der unser äußeres Mühen stets zu begleiten hat und zwar der Gedanke an Gott! Wir sollen von der Überzeugung durchdrungen und erfüllt sein, daß alle unsere Arbeit ohne Segen, unser Fleiß ohne Erfolg, unser Bemühen fruchtlos bleibt, wenn nicht die Hand Gottes über uns sich aufthut, um ihre Gaben uns zu spenden! Dieser Gedanke führt uns zur Liebe, zur Dankbarkeit, zur Ehrfurcht gegen Gott! Die Getreideerndte beginnt in Palästina zur Zeit des Peßachfestes und erreicht ihr Ende um die Zeit des Wochenfestes! Es ist dies die Zeit Gottes, von der der Prophet sagt: „Die bestimmten Wochen der Erndtezeit bewahrt er uns" (Jerem. 5, 24.), die Zeit, in der wir der Gnade Gottes an jeglichem Tage von Neuem inne, in der wir zu immer erneuten Dankesgefühlen gegen Gott er> weckt wurden! Daher sollte auch ein jeglicher dieser Tage ein besonderes Gewicht für sich erhalten, dadurch, daß wir sie in ununterbrochener Reihenfolge nacheinander zählen! Nicht dem blinden Wollen und 'Walten der Natur sollen wir das Gedeihen oder Mißgedeihen der Saaten zuschreiben, sondern dieses Alles aus der Providenz Gottes herleiten, welche uns den Segen spendet, so wie ihre Gesetze befolgen, ihn uns aber entzieht, so wir uns freventlich über sie hinwegsetzen! Dies ist auch der Gedanke, der unsere Weise in dem Ausdrucke: rnt^PI rflP.öD den Tag nach dem Peßachfeste erkennen läßt! Wir sollen die Tage zu Ehren desselben zählen, der sich in der Geschichte unseres Stammes so wunderbar am Peßachfeste offenbart, dessen Wille aber so gnädig für die Menschheit in der Natur waltet! Ein drastischer Gegensatz gegen die. Ansicht der Baitosäer, welche in dem rQD'H mnDD den Tag nach dem Sabbath, als dem Tage, an welchem die Natur den Tag ihrer Vollendung feiert, erblicken! In diesem Sinne beißt cs wie bereits angeführt: So ihr in das Land kommt, das ich euch geben werde und darin Erndte haltet, denn Erndte soll der Mensch halten, aber in dem Sinne, in welchem das Land geartet war, das den Israeliten zum Wohnsitze angewiesen wurde. „Ein Land, darin du nicht kümdein Brod issest, in welchem du an Nichts Mangel sollst," d. h. ein Land, welches die nothwendigen v der höhere Lebenszwecke gewährt.) .yä , 'chr sollet Mn$en.em,^y en y# L Kster, und er soll damit eiste Bindung machen vor dßmrdie^m yröftf;! Diese Wendung oder besser Schmiegung vor dem j “ÖD. Von dir kommt Alles und aus deurer Hand haben wir dir gegeben. Und Brod d. h. neues ec. sollt ihr nicht genießen bis zu dem Tage, da ihr dargebracht das Opfer eures Gottes, d. h. wir sollen den Gottesgedanken bei allen Lebensgenüssen festhalten. Dies sei eine ewige Satzung für „Giöt's noch etwas?" Leider ja. Auf dem Lande greift die Unsicherheit in erschreckender Weise um sich, auf den Gütern des Freiherrn von Frank ist ein Förster am helllichten Tage von Wilddieben erschossen worden, zu Brunnern ist man in den Pfarrhof eingebrochen und hat den Pfarrer ermordet und beraubt." „Herr der Welt!" rief der Kurfürst entsetzt, — „es geht ja in meinenr Lande ärger zu als in den Eorsaren« siaatcn — das kömmt von der Verwilderung, welche die Folge des Krieges ist; — aber ich will, so wahr Gott lebt! Ordnung schassen, man soll es fühlen in: Lande, daß eine starke Hand das Szepter führt." Der Kurfürst war wieder lebhaft auf- und abgegangen, dann blieb er vor Stocknach stehen. „Er läßt mich heute das Unangenehme in aufsteigender Ordnung hören; — er hat mir fatale Geschichten erzählt und mir ivenig Vergnügen bereitet. Ist er fertig, oder hat er noch etwas vorzubringen?" Der Sekretär verbeugte sich scheinbar erschrocken. Wenn er die Absicht gehabt hatte, den Fürsten in böse Laune zu versetzen, so war diese vollkommen erreicht, — und eben diesen Moment wollte er benützen, um einen Hauptschlag auszuführen. „Ich werde," sprach er, nachdem er zuerst wie selbstvergessen den Kopf schüttelt, „mit allergnädigster Erlaubniß abbrechen, denn was ich etwa noch unterthänigst vorzubringen hätte, ist allerdings höchst betrübend." „Ei! wenn jetzt erst das Betrübende kommen soll! — da spannt er meine Neugierde auf die höchste Folter — heraus damit!" (Fortsetzung folgt.) den Sinn des Sephirazählens für immer festhalten, auch wenn die Darbringung des Omer nicht mehr möglich ist! So weit die eine Seite der Betrachtung! Welche andere Seite die Betrachtung der Sephira noch darbietet, wollen wir im Folgenden versuchen! Fortsetzung folgt. Die (OucJirn des Judenhasses. Gott ist der Urquell der Liebe! An den Gestaden wo Liebe, dieser reine Bronnen fließt, keimet und grünet jede Pflanze des Guten, Edlen und Schönen. Des Hasses wilder Strom hingegen kann nur sumpfigem, unhciischwangere Dünste emporqualmendem Pfuhle entfließen: über die Leichname gemordeter Tugenden stürmt er dahin, und wie einst vom Nil kann man von ihm sagen: TIKV1 es ist ein Strom, der mefitische Düfte aushaucht, und ins todte Meer fällt! Und so wie jeder Haß oder seine That nur aus einem Laster entspringen kann, sei dieses nun Rache. Neid, Zorn, Habsucht, Ehrgeiz, Blutgier, Aberglaube, und wie sie sonst heißen die gefräßigen Tigerjungen, so ist es auch mit dem mittelalterlichen, nun wieder in Mode kommenden Judenhasse. Die Geschichte — wo sie nicht gefälscht, eine unparteiische Richtern: — kann uns 1000 Belege für das gesagte an die Hand geben. — Der römische Clerus, der das Christenthum, und mit ihm die eigene geistliche und weltliche Macht nach allen Gegenden zu verbreiten strebte, stieß aller Orlen auf jene Juden, deren Priester nur Diener und Beamten ihres Volkes waren; deren Lehre die Sklaverei des Körpers, des Bodens, des Geistes pcrhorreszirt, und die so einen Protest, einen Wall bildeten gegen die römische Weltherrschaft. Jene Clerisei, die einen deutschen Kaiser barfuß und im Büßerhemde im Vorsaale zu Canossa verächtlich warten ließ, sollte mit den Ueberresten des zerstreuten jüdischen Völkchens nicht fertig werden? Sie stellte also die Juden als Gottesmörder, als gefährliche Feinde des Christenthums dar; sie vergifteten die väterlichen Gesinnungen schwacher Fürsten und brachten cs d.a, hin ' y Juden 'Htürlichsten Rechte berauL^y u ""'Vns- V2N Kruste und träumerischer Mystizismus das Judenthum überzogen harten; als Johann Kapistranus mit der dummböfcn Fabel von blutenden Hostien und den dadurch hervorgerufenen Metzeleien zur Ehre Gottes eben so wenig Erfolg hatte wie der große Pyrotechniker seiner Zeit Torquemada mit seinen Menschenhekatomben und dem Verbrennen jüdischer Bibliotheken, und das Judenthum noch inuner intact bestand, — theils wegen seiner Zähigkeit, theils aber auch, weil Regierungeu und Völker zur Einsicht des besseren kamen — da mußte das Bckämpfungssystem geändert weden, und mau sing an mit in Galle getauchter Feder, mit dein zersetzenden Gifte der Soststik zu streiten, und so scheu wir heute noch von Zeit zu Zeit die geistigen Blätterschwümme der! vaterländischen volksfreundlichen Skribenten emporj schießen; doch bleibt uns der Trost, daß Pilze schon in wenigen Tagen nur eine stinkende Gallerte bilden, die der Fuß selbst zu zertreten scheut. Cs waren also in erster Reihe Herrschsucht der römischen Priester, und der von diesem durch Wort und Schrift beim Volke erzeugte und genährte Aberglaube die Grundursache des Judenhasses. Und so oft und nachhaltig kehrten die Anklagen von Osterblut, durchstochenen Hostien, Brunnenvergiftung, Arbeitsscheu und Teufelsumgang wieder, daß der dadurch emporgewuchcrte Haß mit der Muttermilch eiugesogen, sin Blut und Fleisch überging. Nur so ist es erklärlich, daß selbst Männer auf der Höhe der Wissenschaft gleicht Billroth, noch heutzutage die Jünger ihrer Wissenschaft in christliche und jüdische eintheilen; was um so! sonderbarer als lange bevor es noch berühmte deutsche Univer-! sitäts-Professoren gab, Juden als hochgefeierte Meister der ' Heilkunde, als fürstliche Leibärzte an gar vielen Höfen Europas und Asiens fungirtcn. In zweiter Linie waren eS Neid und Habsucht, die un-! serer Nation Gegner in Menge schufen: Die Umsicht, Aus-1 dauer und Sparsamkeit, welche die verachteten von jedem j bürgerlichen Gewerbe ausgeschlossenen Männer in den Han- I dcl — dem einzigen ihnen Zugänglichen Nahrungszweig —! brachten, machte sie bald reich, und sowohl von Regierungen j alz Bürgern waren Erpressungen und Güter-ConfiScation-n an der Tagesordnung so wie der „Meidende Pöbel es für bas Einfachste hielt Plünderungen in Szene zu setzen, wobei es auf ein wenig Mordbrennen und Blutvergießen nicht ankam. CoSmas, der alte böhmische Geschichtsschreiber läßt Hilburga ihrem Schwager Wratislav sagen: „Nirgends kannst du dich besser bereichern als in der Gasse von Wyhsehrad im Burgflecken Prags; dort gibt es Juden voll Gold und Silber." Eben dieser Historiker berichtet, daß im Jahre 1098 die Prager Juden gezwungen werden sollten, sich taufen, oder das Land mit Zurücklassung ihres Vermögens zu verlassen, und bemerkt hierbei: „So viel Geld als man damals den unglücklichen Juden abgenommen, haben selbst die Griechen aus Troja nicht weggeführt." Als man sich aber des Vermögens versichert hatte, durften sie ferner ungetauft im Lande verbleiben, um, wenn die Wolle gewachsen, eine abermalige Schur vorzunehmen. Die Kreuzzüge boten den heiligen Kämpfern die schönste Gelegenheit eine allgemeine Plünderung der Juden in Europa durchzuführen, und selbst der löwenherzige Richard (der in ein jüdisches Mädchen rasend verliebt gewesen sein soll) zeichnete seinen Zug auf solch' ritterliche Art aus. — Warum sollte man auch Bedenken tragen, die Juden zur Befreiung des heiligen Grabes Beiträge leisten zu lassen? Der dort begraben lag, war doch von ihrem Stamme! — Die Nation, der man so gerne die Scheu vor schwerer Arbeit vorwarf, durfte bis zur josefinischen Zeit keine bürgerlichen Gewerbe ausüben, keinen Boden bearbeiten; obzwar es historisch festgestellt ist, daß sie früher genäht, gefärbt, gebraut, geschmiedet, gezimmert, gebaut, gewebt u. s. w. hatten; daß die Burg Podivin in Mähren im 11. Jahrhunderte von den Judenbaumeister Podiva („a conditore Podiva Judeo") erbaut worden war; daß es ein Regierungsedikt den Juden verbot, bei Kirchen» und Kapellenbauten als Maurer sich verwenden zu lassen, und daß endlich die viclverleumdeten Schiffer, Bergleute (später durften sie in den Bcrgstädten nicht einmal übernachten!) Münzer, tüchtige Bildhauer und berühmte Goldschmiede waren. Noch in diesem Jahrhunderte ließen die zünftigen Ge , Lverket keinen jüdischen zu.— aus Brodneid. ihrer Alles nivelirenden BM.t ln einem großen Theil Europas die AusnahMstellung oer Juden auszuheben; es bedurfte auch hier zu Lande der Freiheitskämpfe, um zu beweisen, daß das Vaterland der Kräfte aller seiner Söhne bedarf, und daß mit gleichen Lasten auch gleiche Rechte verbunden sein müssen; e§ bedurfte einer weitern Revolution — der Geister — um die Menschheit in zwei Lager zu theilen; in das Eine, der die Freiheit, den Fortschritt, die Veredlung liebenden Menschen, und in das Lager der Blindschleicher, Finsterlinge und die Freiheit hassender Junker und Pfaffen. — Dieser Kampf der sich gegenüberftehenden zwei Parteien dauert noch; doch glauben wir, daß es die letzten giftigen Pfeile der Ultramontanen und Feudalen sind, die sie gegen die Juden, als Freiheitskämpfer abschnellen. Es ist das letzte Aufflackern, der dem Verlöschen nahen trüben Lampe! (Ung. JSr.) (Ans Oberschlefien.) Ihr geehrter Elbinger Correspondent in Nr. 13 Ihres geschätzten Blattes, der bezugnehmend auf die 2 Artikel oberschl. Zustände in Nr. 11, hat nicht Unrecht, wenn er behauptet, dieselben resultiren größtentheils aus dem Umstande, daß die jüd. Lehrer sich leider keiner einheitlichen Seminarbildung erfreuen — sondern meistentheils dem günstigen ober ungünstigen Zufall— ihre Bildung überhaupt, speciell aber der jüd. verdanken. Letztere befindet sich leider sehr im Argen und der poetische Ausbruch jenes Elegien-Dichters: »Torah! Torah! gürte Dich mit Säcken, lege Dich in Asche, stelle trübe Klage an" u. s. w. ist gegenwärtig gewiß begründet und gerechtfertigt, wenn man mit Kennerblick den jetzigen hebr. Unterricht betrachtet. Derselbe will und kann, wie die Verhältnisse in der That liegen, nur ein fehlerhaftes Dabenen (von 'D' nn arm abgeleitet) erstreben; weil thatsächlich unsere Jugend, selbst wo jüd Schulen vorhanden, dieselben mir dem 9. Jahre verläßt, uni höhere Anstalten zu besuchen, woran entschieden nicht die Lehrer und Rabbiner, sondern lediglich die Eltern Schuld haben. — Dagegen ankämpfen wäre bei dem JndifserentismuS der jetzigen Generation, deren Unkenntniß des Juden-- thums im Allgemeinen, insbesondere aber des Hebräischen, fruchtlos und hieße gegen die Zeitströmuug schwimmen.