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Der israelitische Bote · 1876-05-11 · 19 (11.5.1876) · p. [Seite 2]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
2 (1876)
Issue
19 (11.5.1876)
Date
1876-05-11
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German
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begründete priesterliche ^.atznahmen da eintreten können, wo man vollständig oem bürgerlichen und staatlichen Gesetze ja rvo man gezwungen ist, der Intoleranz ny;Jf? Altsprüchen der Priesterschaft gegenüber die staatl'.'EEührung und gesetzliche Befreiung vom priesterlichcn als eine der größten Wohlthaten in Anspruch zu ^74'lsmcn, so offenbare sich darin nicht nur eine verwerfliche j Oppostton gegen eine staatliche Institution, sondern es trete in solchem Verfahren auch die Absicht klar zu Tage, das staatliche Gesetz den priesterlichcn Anforderungen gegenüber j unwirksam zu machen. Er halte die Anordnungen des Landrabbiners für widergesetzlich und bitte daher, denselben dahin zu instruiren, daß er seine früher getroffene Entscheidung wieder aufhebe. Auf diese Beschwerde erhielt Herr Th. eine unter dem 18. März erlassene Verfügung der Landdrostei zu Hannover, welche also lautet: „Auf die an den Herrn Minister der geistlichen Angelegenheiten gerichtete und an uns zur Verfügung abgegebene Vorstellung vom 28. ' Februar d. I., die Verweigerung der gottesdienstlichen Fürbitte für Ihre Tochter betreffend, gereicht Ihnen zum Bescheide, daß die Frage, ob eine Jüdin, welche eine s. g. Mischehe eingegangen ist, noch auf die Fürbitte und Segnungen der Synagoge Anspruch hat, als eine reine Cultus- ^angelegenheit, sich der Kognition der staatlichen Behörde ent- Wir sind deshalb zu unserem Bedauern nicht im Stande in der gewünschten Weise auf den Landrabbiner )r. Meyer Hierselbst einzuwirken." — Ob sich Herr Thorner bei diesem Bescheide beruhigen ad sich nicht vielmehr mit einer Peuuvn an das Abgeord-! ^enhauS wenden wird, steht noch dahin. Zlit»UMllchrichtl« und ComrMdemii. Deutschland. jtöltt, 3. Mai. (Gründerproceß Germania.) Heute Mor- Iwurde am hiesigen Zuchtpolizeigericht das Urtheil in auf Grund Denuncialion gegen den General-Director, M. Neuerbnrg aus Kalk, wegen Untreue angesrreng- Irocesse publicirt. Dasselbe lautete auf vollständige bring. Die Motive des UrtheilS heben hervor, daß der ersten Ser-e der Grundstücke, welche zu 1200 |an die Germania bgetreten wurden, zu bemerken, schon r-öt kt' Grsi düng der Germania von Neuerjrn. ger eben aenrninte Preis als .... b-e zu u ICUiC*, ©ermatua abgetretenen G' szu dem Preise von 15M Thlrn.) aus größeren komplexen hätten ausgeschieden werden müssen; daß der Beschuldigte die größeren Complexe auf eigene Hand ankaufen mußte und einzelne günstige Ankäufe nicht als maßgebend zu erachten seien; daß die Expertise (500—600 Thlr. pro Morgen) gegenüber Ausführungen der Schutzzcugen unhaltbar gewesen. Als bemerkenSwerth ist noch anzuführen, daß das Gericht ferner in den Erwägungsgründen sowohl die vorgebrachte Behauptung, die Germania sei aU ein Schwindelproject zu betrachten, widerlegt, als auch dra durch die eingeleitete Untersuchung in Mitleidenschaft gh genen guten Ruf des Beschuldigten hergestcllt hat. Bei 1 ser Gelegenheit werden wir an das tragische Ende des He m v. Kaufmanu-Asser erinnert, welcher in jene Untersruyr. ig kurz vor deren Schluß als Aussichtsrathsmitglied der Germania mitverwickelt wurde, aber bei seinem bekannten erregbaren Temperamente nicht die Ruhe und Kraft besaß, eine so schwere Anschuldigung zu ertragen. Da eS sich hti ihm nur um einen der Herrn Neuerburg zu Last gcicgten Punkte handelte, so konnte auch seine Freisprechung nicht auSbleiben. Im Andenken an den Verstorbenen glauben wir hierauf Hinweisen zu sollen. ffotut. Die „Der sch' Eisenbahn-Zeitung" bringt folgende Berechnung: seitdem Laster im Jahre 1865 die Parlaments-Tribüne . etreten, hat er am Dönhofsplatze und am andern Ende der Leipziger Straße im Ganzen 927,745,328 Worte gesprochen, 15*1 mal so viel Worte, als das ganze alte Testament (excl. Apokryphen) enthält, oder 422 mal so viel, als Göthe geschrieben, oder 3912 mal so viel, als Cicero in den von hm aufbewahrten Reden gesprochen. Wenn man Lasters sämmtliche in den verschiedenen Parlamenten gesprochenen Worte hinter einander auf einen Streifen Papier schriebe, ^so würde dieser mehr als neun Mal um die Erde reiHm, d. h. neun Mal von Berlin aus über den Atlantischen Dcean, Amerika, den Stillen Ocean, Japan, Asien, Jerusalem bis wieder Berlin erreichen. Spricht Lasker nur i zwei Drittel einer Legislaturperiode so fort wie bisher, \o reicht der Streifen von Dönhofsplatze bis an den Mond. Anträge und Amendements hat Lasker im Ganzen 7344 gestellt, wovon 7211 angenommen sind. An Bravos verzeichnen die stenographischen Berichte nicht weniger als 11,874 in nur 11 Jahren! Darunter stürmische Bravos 450. Zur Ordnung ist er einmal gerufen und das zwar vor einem Jahre im Reichstage, wegen einer Aeußerung gegen Windthorst. Die 927,745,328 Worte Lasters vertheile:. sich aus 866,194 Reden und 14,312 persönliche Bemerkrurgen. Davon beziehen sich 44,912 Reden auf das Bnd: 0 und Finanzwesen, 1953 Reden auf das Strafgesetzbur^E auf Wucherzinsen, 14 auf die Lumpen- Ausfuhr dech^^r.'ins, 17 auf die Jmpfordnung. 289 auf den .-en G^nndungsschwindel, 77 auf Actienw S. auf die Leckage * auf % we elften Milliarde. Schtwdkck n. k . Unsere sonst so ruhige und friedliche Gemeinde bra m 'JD'O in tiefes Weinen aus, als der von Allen geliebte und geehrte H. Anschel in ein besseres Jenseits gerufen wurde. Der Verstorbene hat durch seine Frömmigkeit, seine Rechtschaffenheit und seine Güte einen Namen sich erworben, der, obgleich der Geschiedene keine Kinder hinterläßt, ewig hier bleiben und ewig mit Ehrfurcht genannt werden wird. Der Heimgegangene war Der Kurfürst erhob das Haupt und blickte den Sekretär fragend an. „Da weiß er gewiß wieder etwas, das er aus Umwegen bei mir anbringen will. — Red' er grad heraus, etwas Aergerliches wird es bestimmt sein." „Gnädigster Herr! ich erfülle ja nur redlich meine Pflicht, wenn ich meinem durchlauchtigsten Gebieter allerunterthänigst unterbreite, was ich aus sicherer Quelle erfahre." „Mann! sprecht er ohne Flausen, — was weiß er aus sicherer Quelle?" „Ich erfuhr^ aus sicherer Quelle, daß man in allen Bierhäusern Münchens seit einigen Tagen eine komische Geschichte erzählt . . . wie die Juden die hohe Zollbehörde hinterlistig hintergangen haben." „Die Juden? spuken die wieder?" frug der Kurfürst, einen Moment die Pfeife aus dem Munde nehmend. „Ich glaube, denen ließ ich doch gründlich das Handwerk legen — was haben die Juden gethan?" „Ja, Euer Durchlaucht," entgegnete der Sekretär tief bekümmert, „das Volk sagt, die Juden können alles wagen — werm's am Härtesten geht — kommt ihr Protektor der Hofbanquier Eichthal, und dem, sagen die Leut', schlagen Euer kurfürstliche Durchlaucht nie etwas ab." „Stocknach, Stocknach," rief der Kurfürst mit der Pfeifenspitze drohend, „er ist, das merke ich schon, lange den Juden und ganz besonders meinem braven Eichthal spinnefeind. — Wenn Jemand sagt, daß ich die Juden besonders begünstige, so muß das ein Hauptesel sein; ich bin genug streng gegen sie gewesen! vielleicht allzustreng: — aber das sag ich ihm, gegen den Eichthal hat er nichts zu reden, gar nichts — der ist treu wie Gold, hat's im letzten unglücklichen Kriege bewiesen, ließ sich plündern, und rettete mein Eigentum; — thut mir nur leid, daß er ein Jude ist — will sich nicht Lausen lassen, nicht um die Welt — auf den laß ich nichts kommen — verstanden?" Der Sekretär verbeugte sich schweigend. „Also red' er doch — es brennt ihm ja auf der Zunge — was haben die Juden wieder augestellt?" „Ein Zoll-Juspector bekommt vor etwa 8 Tagen einen anonymen Brief, der wörtlich so lautet: Morgen werden 39 Wagen an ihrem Zollhause die Gräuze überschreiten, lassen Sie dieselben ganz ruhig vorüberfahreu, ohne sie anzuhalten, da sonst die richtige Contrebande jenseits der Gräuze bleiben würde. Der achtunddreißigste, mit zwei starken Rappen bespannte Wagen hat einen doppelten Boden, den untersuchen Sie genau, da sind die theuersten Waaren, die eingeschmuggelt werden sollen, verborgen. Den mir als Angeber gebührenden Antheil au der Zollstrafe werde ich mir gegen Vorweisung einer Copie dieses Briefes feiner Zeit erheben." Der Sekretär machte eine Kuustpause. „Leun, da haben die Zollwächter doch wohl genau aufgepaßt?" frug der Fürst mit Interesse. „Die armen Zollbeamten," antwortete der Sekretär mit» leibig, „den ganzen lieben Tag hatten sie sich wie närrisch gefreut auf den schönen Fang . . „Und," . . . gleichsam die Fahne der Gemeinde, um die sich Alles schaarte; er war aber auch die Stütze aller Gemeinde-Institutionen, da er stets zu jedem guten Werke reichlich beitrug. Sein Amt als 1^23 für yiX hat er länger ^als 20 Jahre mit der größten Aufmerksamkeit und Treue verwaltet; die öfteren Sendungen für das h. Land suchte er auf jede Weise zu vergrößern. Ein mehrjähriges Leiden stärkte ihn immer mehr in der nnttnn auf Vtyn. Mit Sehnsucht wünschte er cinzntreten in die Pforten der Ewigkeit, 'n Wip "jnW^ war der Wahlspruch in seinen Leiden, die er mit bewunderungswürdiger Geduld getragen hat np^EOl. Mit einem Lächeln schied er von seinen umstehenden Freunden, als wolle er ihnen den Trost hinterlaffen, daß man dorten mit dem Rufe entgegerureten: D’O’IDX ID'lttf pm YD N2Y) DYW 1NND Ein großartiger Leichenzug erwies dem Geliebten die letzte Ehre. Am Grabe hielt Herr Wolf aus Bocholt, früher Lehrer hier, eine mit trostvollen Sprüchen gewürzte Rede, in welcher er aber nur einen kleinen Theil der Verdienste des Geschiedenen erwähnen zu können glaubt. Im Trauerhause gab Herr W. Wolf aus Cöln der trauernden Wittwe, sowie auch der betrübten Gemeinde einen erhabenen Trost. Auch Herr Lehrer Cohn aus Rees, ehemals Lehrer hier, tröstete uns durch eine keruvolle Rede. men vbz mas bi bva nrvi Ins Westfalen. nDBn "X Bl’ starb zu Iserlohn, nach kurzem Krankenlager, in Folge Altersschwäche der Veteran Daniel Gerson im vollendeten 87. Lebensjahre. Der Verstorbene hat die glorreichen Freiheitskriege von 1813, 14 und 15 nütgemacht und in seinem hohen Alter noch die Freude erlebt, Deutschland, das vor einigen Jahren gezwungen ward, wiedernru gegen den übermüthigen Feind zu Felde zu ziehen, einig und stark dastehen zu sehen. Zur Beerdigung. welche ^ön "m "221^ stattfand, hatte der Vorstand des städtischen Kriegervereins mittels Bekanntmachung in den Localblättenr sämmtliche Mitglieder des gedachten Vereins, dem auch mehre Israeliten angehören, einladen lassen. Diese fand denn auch in einer Weise statt, wie sie in Iserlohn bei einem Glaubensgenossen und vielleicht in ganz Westfalen noch nie vorgekommen. Voran die Leiche, dann der Lehrer und W/d^'^' -ylcnburg im Ornate, hinter her die Mitglieder ' in Unr.jrm unter Musikbegleitung (e? ^räle ei geübt) und 5E--' '''de ° ' 'ich ahn s auch viel> 01:u\vuiu . :s der Umgegend, die sich dem ... chenzuge angeschlossen yatten. Auf dem Friedhofe hielt Herr Ohleuburg eine allen Anwesenden zu Herzen gehende, ergreifende Rede?') Der Heimgegangene war ein schlichter, rechtlicher '»TUT der den Kelch des Leidens bis zur Neige geleert, Mehre Kinder starben ihm in den Heranwachsenden Jahren; vor einigen Jahren noch eine unverheirathete Tochter in blühenden Jahren und noch vor Kurzem der erst einige Jahre verheirathet gewesene einzige Sohn. Seine Frau ist ihm schon vor längeren Jahren ins Jenseits vorausgegaugen. Er hinterläßt nur noch eine einzige unverheirathete Tochter. Ans Westfalen. Einigkeit macht stark, sagt ein altes Sprüchwort, und daß es ein wahres ist, das beweisen sehr häufig kleine jüd. Gemeinden, die in kurzer Zeit und mit wenig Mühe sich die nothwendigsten jüd. Gemeinde-Institutionen einzurichten wissen, während größere Gemeinden hierum oft jahrelang vergeblich sich bemühen. Die kleine aus nur 5 Fanülicn bestehende zur Synagogengemeinde Dorstfeld gehörende Gemeinde Annen, bei Witten, mußte bis jetzt ihre Leichen auf dem fast l1/* Stunde davon entfernten Friedhofe zu Witten beerdigen lassen, da der zu Dorstfeld noch weiter davon entfernt liegt. Nun hat sich aber kürzlich daselbst eine N12N gebildet, deren Mitglieder während der kurzen Zeit des Bestehens derselben durch we. sentliche Beiträge schon einen solchen Fond zusammen gebracht haben, daß es denselben in Bälde möglich sein wird, ein geeignetes Grundstück zu einem 2Y>nnrV>2 ankausen zu können. Ta zu erwarten steht, daß in kurzer Zeit die Mitgliederzahl genannter Gemeinde sich vermehren wird, so ist zu hoffen, daß sich daselbst recht bald eine eigne von der Syn-rgogengemeinde unabhängige Gemeinde bilden wird. — Wie vor etwa 3 Wochen in Ahlen, so wurde auch kürz- *) Wir können es allerdings nicht billigen, daß dw ya Y>rv> von yn -isonb düm? eine Leichenrede gehalten werde. Doch was kümmert man sich in Js. um den -]VV;; hier paSkent ein Jeder nach seinem eigenen "j'ny ’jrDtP. (Forts, folgt.) Der Eorrespondent.

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