Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 506 (sequence 528)
- Language
- German
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506 - Liebe fähig ward, aber auch des Hasses; des Friedens, aber auch der Zwietracht; der Barmherzigkeit, aber auch der Habsucht; der Aufopferung, aber auch des Eigennutzes; dieser Geist sollte zugleich unsterblich sein, unsterblich für die Erde,' denn die Geschlechter, die kommen, erben den Segen derer, die gingen; unsterblich für den Himmel, für das Jenseits. Endlich machte der Schöpfer den Menschen zugleich gesellig, verband alle Einzelnen zu einer großen Gesellschaft, in deren Bereiche sich alle Kräfte seiner Seele beleben, entwickeln, schärfen und regeln sollten. Also bat der Schöpfer den Menschen unter allen Geschöpfen ausgezeichnet hingeftellt; und wozu dies? wozu dieser edelste Körperbau, dieser bohe, unsterbliche Geist, alle diese mannichsaltigen Kräfte und Vermögen? Unser Text antwortet uns: weil der Mensch werden sollte ein Geweideter Gottes. Was sind die andern Geschöpfe, die Sonnen und Sterne, die Erden, die Pflanzen, die Thiere, was sind sie? Dem Leben geweiht, dem bloßen Dasein, dem Genüsse ibrer Existenz, aber der Mensch ist Gott geweihet! Sebet da, geliebte Zuhörer, welch' einen erhabenen Blick diese Worte uns in die menschliche Natur eröffnen. Sind es nicht zwei Dinge, die Alles umfassen? Das Irdische und Gott, das Vergängliche und Gott, die Welt und Gott. Außer diesen Beiden gibt es kein Drittes. Aber zwischen dem Irdischen und Gott, zwischen dem Vergänglichen und Gott, zwischen der Welt und Gott stehet der Mensch; ihn hat Gott auserlesen und bat ihn sich geweihet; ihn hat er emporgehoben zu sich über die Erde, schon während er noch aus Erden wandelt; ihm hat er den Blick in den Himmel geöffnet, während sein irdisches Auge noch aus den Wesen der Erde weilt; ihm hat er für sein ganzes Dasein die höchste und erhabenste Bestimmung gegeben, Gott, die Wahrheit des Weltalls, zu erkennen und zu verehren durch Gedanken, Wort und That! Gott geweiht! Israeliten — d. h. dem Allerheiligsten geheiligt. — Wenn keine Stunde unsers