Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 505 (sequence 527)
- Language
- German
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505 verlesen, und so will ich reden zu Euch, über die Weibe des Menschen: 1) Wie ist der Mensch ein Geweideter Gottes? 2) Wodurch bleibt er ein Geweideter Gottes? I. Wersen wir einen Blick, meine Freunde, aus die unendliche Reihe der Wesen, aus alle die Werke, die der Rus des Schöpfers in's Dasein brachte: wie sonderbar stehet der Mensch unter ihnen allen da. Die Sonnen und Sterne und Erden, die großen Welten wandeln unaufhörlich ihre feste, begrenzte Bahn; keine irret zur Rechten, noch zur Linken, keine nimmt ab und nimmt zu; so wandeln sie und werden wandeln, aber ste wissen es nicht und freuen sich deß nicht. Aus der Erde sprießen Pflanzen, unzählig an Verschiedenheit, diese sind sestgebunden an die Erde, aber das Leben treibt innen schon nach oben hinaus. Dann kommen die Thiere in ihrer unendlichen Mannichfaltigkeit, Thiere des Feldes, der Lust und des Wassers; diese bewegen sich frei, sie empfinden Wohlbehagen und Schmerz, sie erinnern sich, viele derselben, der Woblthaten und der Qualen. Endlich der Mensch. Auch er kann sich über die Erde nicht erheben, auch er ist begrenzt durch Geburt und Tod, auch er blühet auf wie Pflanze und Tbier, und verwelket nach kurzer Zeit — und dennoch hat sein Schöpfer ihn losgerissen von der Kette seiner Wesen, von dem ganzen Kreisläufe der Natur. Schon seinem Körper gab er eine zarte, feine Bildung, einen aufgerichteten Gang, den Blick zum Himmel emporgehoben, und eine Stimme, der mannichfaltigsten Töne fähig. Dann aber setzte er einen lebendigen Geist in seinen Leib, eine Welt der Gedanken und Gefühle, ein Bewußtsein alles seines Thuns; dieser Geist, der sich zu den Sonnen und Sternen emporschwingt, um sie zu messen, zu den Pflanzen sich bückt, um ihr Dasein zu erlauschen, die Thiere beobachtet, um ihr Wesen zu erkennen; dieser Geist, der der