Mannheim
Compact Memory

Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin · 1854-01-01 · 1854 · p. Seite 445

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
Volume
1854
Date
1854-01-01
Page
Seite 445 (sequence 467)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/7166791-9630800--1802-9623715
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Lt5 der Natur hervorgeht, behauptet Maimonides im Anfänge seines achten Abschnitts, wie Aristoteles im Anfänge seines zweiten Buches Nikomachischer Ethik. Man freuet sich darüber, wie Maimonides hierbei so umsichtig zu Werke geht, und das Materialistische, das man gewöhnlich zu sehr übersieht, in Erwägung zieht. So sagt er unter Anderem: „ein Mensch, dessen Temperament zum Trocknen neigt, dessen Gehirn fein und von geringer Feuchtigkeit ist: dem wird das Erlernen, Behalten und tiefere Auffassen leichter" u. s. w. Die Erziehung und Bildung aber gebe diesen Anlagen ibre bestimmte Richtung und wahrhafte Entwickelung. Deshalb sei die Astrologie — man bedenke, wie die damalige gekämmte Menschheit unter dem Zepter dieses Truggebildes stand — reine Unwahrheit; wenn sie Wahrheit hätte, und der Mensch zu seinen Handlungen gezwungen wäre, hätten alle Religion, alle Gesetze und Vorschriften ein Ende, alle Vorsichtsmaßregeln wären umsonst, an Belohnung und Bestrafung wäre nicht zu denken. Nein! der Mensch ist frei bei seinem Thun, und nur jene natürlichen Anlagen geben ihm eine Richtung. Bis hierher geht Maimonides mit Aristoteles Hand in. Hand, nur daß Letzterer bei weitem tiefer in die Sache eindringt, und eine genaue Untersuchung über die Seelenkräfte, die zur freien Wahl des Menschen beitragen, anstellt*). Nun aber geht Maimonides zu der göttlichen Bestimmung über, und kommt auf die bekannte verwickelte Frage, wie sich die Freiheit des Menschen zu der Vorausbestimmung durch Gott verhalte: eine Frage, von der, wie wir schon oben bemerkt, Aristoteles nichts wußte. Denn *) dlioomaek. Ltli. 1^ III. c. 1 — 5. ^IaZn. moral. I,. I. o. II — -N. Loäem. I.. II o. 6 — 11. Er leugnet jede Naturgewalt (Instinkt), die auf den andern Geschöpfen lastet, und läßt die Handlungen aus ösr^ts Begierde und nyo«l'sk0ts überlegter Wahl entstehen, die 8-kAs sei wieder dreifach: Luft, öv/tös Gcmüthsbewegung und Wille.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.