Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 446 (sequence 468)
- Language
- German
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LL6 selbst in ihrer Mythologie hatten die Griechen vom Fato eine nicht zuverlässige Vorstellung, und die verschiedenen Göttergewalten durchkreuzten sich hierbei ungemein. Den ganzen übrigen Theil dieses größten Abschnittes widmet Maimonides der Lösung dieser Frage, die wir anderwärts noch einmal behandelt sehen werden. Wir können es ihm, der darüber öfters sogar getadelt worden (!), nur als Verdienst anrechnen, daß er diese Frage mit so vieler Sorgfalt behandelte. Denn auch dem Schreiber dieses scheint sie in jeder philosophischen und raisonnirenden Theologie die wichtigste, die Basis des ganzen Verhältnisses zwischen Mensch und Gott. — Zuvörderst zeigt Maimonides, daß nur die Naturereignisse vom Himmel beschlossen seien, und dies zwar vom Anbeginn der Schöpfung her durch den ersten Willen Gottes, daß die Natur ihren Gang und ihre Gesetze fest behalten solle. In Hinsicht der moralischen Handlungen sei der Mensch seiner eigenen Wahl überlassen, insofern das Voraus wissen Gottes nicht als eine Vorausbestimmung angesehen werden kann. Das Wissen Gottes nämlich sei von ihm selbst nicht getrennt, das Wissen Gottes nicht denkbar ohne Gott; während man sich den Menschen ohne sein Wissen, und sein Wissen ohne den Menschen denken kann. Darum sei denn auch das Wissen Gottes unbegreifbar, weil wenn wir dieses begriffen hätten, wir ihn selbst, also die Vollkommenheit selbst begriffen hätten, d. h. wir selbst vollkommen geworden wären. So hatte Maimonides in diesem Werke eine Einleitung in sein theologisch-philosophisches System gegeben, und vorläufig die wichtigsten Fragen über die moralischen Vollkommenheiten beseitiget. Wir sahen ihn hierbei ganz, im Allgemeinen wie im Einzelnen, den Grundansichten des Aristoteles folgen, nur da weiter gehend, wo die Frage sich auf das Gebiet der Gottes lehre wandte. Und dennoch zieht sich auch hier eine Aristotelische, aber mit der Offenbarung übereinstimmende Ansicht, wie ein rother Faden,