Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 441 (sequence 463)
- Language
- German
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441 nur Dessen zu freuen und zu beklagen, was man muß*)." Wenn nun die Seele moralisch krank geworden, und sich dem einen Extrem ergeben hat, so kann man sie nur dadurch heilen, daß man sie geradezu zum andern Extreme bringt, als den Geizigen zur Verschwendung, um dann die rechte Mitte, das Gleichgewicht, herauszubringen. Dieser Lehrsatz des Maimonides ist völlig der des Aristoteles**), und gründet sich auf die medicinische Ansicht des Letztem, daß die Gesundheit, welche die Mitte ist, dadurch bewirkt wird, daß man den Kranken erst in die seinem Uebel gerade entgegengesetzte Krankheit führe, wodurch das Gleichgewicht hergestellt werde***). Daß dies die Grnndansicht des Maimonides in der Arzneikunde nicht weniger war, zeigt z. B. das hier von ihm angeführte Beispiel eines Fieberhitzigen, den man nicht bloß mit das Blut beruhigenden Mitteln behandeln soll****). — Es ist dies gewiß eine interessante pädagogische Frage, eines gründlichen Versuches wohl würdig, inwiefern diese vom Aristoteles und Maimonides, zwei so gewichtigen Männern, empfohlene Behandlungsweise sich praktisch bewahrheiten würde. — Wahrhafte Bewunderung erregt aber Maimonides, in Betracht seines Zeitalters, indem er über die rechte Bedeutung religiöser Handlungen spricht, und zu einer Zeit, wo eine finstere Ascetik sich über die ganze Welt gelagert hatte, vorurtheilslos alle diese Kasteiungen und Selbstpeinigungen von sich weift. Er erweist in dieser Beziehung hinlänglich, daß die Verbote der Speisen, der gesetzwidrigen Ehen, die Beschränkung des ehelichen Umganges, *) II. 3: ötö öe! irw§ ^x ve'wv, w§ 6 THocrwv oa§ re ^aiyetv rk x«l ökL. **) H- 9. ***) Ich habe dies aus mehreren, noch übrig gebliebenen medicinischen Stellen, z. B. krobl. 8. I. pr. 2. erwiesen: Podalirius, Heft I Seite 128.