Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 436 (sequence 458)
- Language
- German
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ein Lebensalter von 70 Jahren erreichend, aber in demselben Werke, des Andenkens von Jahrtausenden würdig, vollendend. Maimonides, gleich weit von Oberflächlichkeit und von aller Mystik entsernt, ging im Gewände eines jüdischen Theologen den Weg der griechischen Denker, und stellt uns daher zum andern Male die glänzende Erscheinung dar, in welcher die mosaische Offenbarung mit griechischer Kultur zusammenftieß, und sich mit dieser zu einem harmonischen, in vollem Sinne des Wortes, humanen Ganzen gestaltete. Als Theolog war er ein Eiferer für seine Religion, aber nicht in seiner Religion. Wie er, was unten näher betrachtet werden wird, die Mitte als das allein Wahre anerkannte, verwarf er alle jene Selbstpeinigung und verschmähete selbst im Ceremonialen alles was zu weit geht. Er würdigte das Wohlbefinden des Körpers vom Standpunkte der Seele aus sehr richtig, und führt öfters das talmudische Sprichwort an: „eine angenehme Wohnung, eine schöne Gattin, und anmuthiges Hausgeräth ist den Gelehrten wohl anständig" * **)). Dann hielt er auch das Studium anderer Wissenschaften, insbesondere der Medicin, für den Theologen durchaus nothwendig. Von der Arzneikunde meint er, „daß sie ein vortreffliches Mittel sei zur intellectuellen und moralischen Vervollkommnung; sie führe geradezu zur Erkenntniß Gottes, folglich zur wahrhaftesten Glückseligkeit u. s. f." Wir sehen hieraus, wie er, als Jünger des Aesculap, auch aus seiner Kunst den echten Honig der Wissenschaft zog, und sich innerhalb ihrer nur desto mehr in der Anhänglichkeit an Gott bestärkte. Als Philosoph war es sein Endzweck, die Philosophie mit der Offenbarung zu vereinigen, und jene zum Ausbau dieser zu gebrauchen. Am passendsten fand er hiezu die Aristotelische Philosophie"), welche damals unter Arabern *) V')22N 718: 71A8 718: Tl^n **) Für die Unkundigeren Folgendes: Aristoteles aus Stagira, geboren 38L, geft. 322 vor d. gew. Z., Sohn des macedoniscken Leibarztes Nikomachus, Schüler des Plato, nächst diesem der größte grie-