Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 400 (sequence 422)
- Language
- German
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L00 widersteht. Gilt es, einer äußern Macht zu gehorchen, Folge zu leisten, ohne das Reich des Innern aufzugeben, fich zu beugen in Geduld sonder Murren, ohne seine Ueberzeugung, ohne das innere Walten der Wahrheit aufzngeben, welche Geschichte spräche hier stärker? Leidet es einen Zweifel, erhebt sich ein Schwanken in uns, ob die Wahrheit, die Humanität, die Tugend immerfort siege, ob die Hand Gottes wirklich die Schicksale und Tbaten der Menschen leite und immer zum Lichte führe: vor der Fackel der Geschichte Israels löst jede Dunkelheit, jedes Dämmerlicht sich auf. So leitet die Geschichte Israels auf langer Bahn zu einer Höhe hinauf, die, wie der Horizont, zwischen Erde und Himmel steht, und dem Blicke hinunter und hinauf die rechte Helle gibt und eine weite, klare, nebellose Aussicht und Uebersicht. Freilich, hochgeehrte Zuhörer, kommt es überall auf das Auge selbst an, das die Dinge betrachtet. Die Geschichte ist eine Schattenwelt. Todte wandeln darin vor uns vorüber. Diese sagen uns nicht von selbst, was sie empfanden und dachten, und wovor sie uns warnen und wahren möchten. Sehen wir sie nur als Todte an, dünken sie uns nur fteinerue Monumente, die höchstens metallene Buchstaben als Aufschrift führen, dann sind sie stumm, und wir erfahren bloß Namen und Zeit. Aber kommt der rechte Beschwörer: dann strömen sie ihre Klagen und Lehren aus mit unversiegbarer Weisheit. — Was gilt dem Erfahrung, der sie nicht versteht? Besonders aber dem Gleichgültigen bleibt Alles gleichgültig und todt; sein hohles Ich findet sich nur überall leer und hohl wieder. Wenn also unsere Geschichte eine so tiefe und reiche Quelle der Erfahrung ist, so müssen wir diese begreifen, fassen und anwenden. Wodurch aber kann dieser glückliche Einfluß uns bewahrt werden? Wenn wir die Annalen unsrer Geschichte mit dem lebendigen Interesse lesen, mit welchem wir die Geschichte unsrer Familie vernehmen; wenn wir die Geschichte Israels wie unsere eigene betrachten, die Vergangenheit Israels als unsre, die Begebenheiten