Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 399 (sequence 421)
- Language
- German
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399 ihm die Aengfte der Außenwelt vergessen machen konnte. Wie oft mag sich hier das Beispiel jenes Archimedes wiederholt haben, der ruhig seine mathematischen Figuren zeichnete, während die römischen Soldaten seine Vaterstadt eroberten, die er so lange vertheidigt hatte! Wie oft mag das Schwert gezückt worden sein über das Haupt eines ahnungslosen, in sein Studium versunkenen Rabbi's. Ein jeder von Ihnen, verehrte Zuhörer, weiß, daß endlich in der Mitte des vorigen Jahrhunderts ein neues Leben auf dem Gebiete des Judenthums erwachte. Die neuere Civilisation drang ein, und ward die Kritik des Alten. Von einem Extrem ging man zum andern über, der Glaube an die Tradition, die Basis der einen, in ihren bisherigen Rechten gefährdeten Partei, löste sich für die andere, neue Rechte erstrebende Partei in Nichts auf — bis man zuletzt, in jüngster und jetziger Zeit, durch Ausgleichung der Extreme nach der Mitte eilt. Dies, meine Zuhörer, sind in politischer und religiöser Beziehung die allgemeinen Umrisse der israelitischen Geschichte, aus der der Erfahrungen so viele fließen, daß sie für alle Verhältnisse genügenden Aufschluß geben können. Denn wie in der Natur jedes einzelne Geschöpf seine eigenthümliche Beschaffenheit hat, so gibt es doch auch allgemeine Typen für alle Klassen von Geschöpfen, in welchen die einzelnen Geschöpfe sich wieder vereinigen. Gibt es streitende Parteien, treten verschiedene Richtungen im Kampfe gegen einander auf, die Geschichte Israels kann lehren, welches das Resultat ist, wenu nicht der wahre Enthusiasmus, der eigennutzlose Eifer für die Wahrheit sie lehrt, Nachgibigkeit und Nachsicht am rechten Orte zu übe». Geräth der himmlische Theil des Menschen mit seinem irdischen in Streit, wollen die Leidenschaften Herr werden und die Seele gewältigen, die Geschichte Israels lehrt, jenes zu wählen, dieses zu verstoßen, die Leidenschaften zu unterdrücken: sie lehrt mit lauter und verständlicher Sprache, daß nur Enthaltsamkeit, Strenge und Konsequenz des Charakters erhält, und dem Strome der Zeit