Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 398 (sequence 420)
- Language
- German
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398 der Grieche konnte sich über den Menschen erheben, vielweniger der schwerfällige Römer, der eigennützige Egypter, und der nebulirende Indier. Israel vergaß den Menschen ganz, setzte das irdische Leben hinten an, vernachlässigte die Erde über die Maßen, sondern es befaßte sich allein mit Gott, mit Gotteslehre und Gottesgesetz. Da hatte denn zuvörderst die Verehrung des einigen Gottes einen schweren Kampf mit dem immer wieder erwachenden Götzendienste, der Israelit konnte seine geistigen Schätze noch nicht fassen, und sein noch kindischer Sinn lieh sich immer wieder Scheidemünze von seinen Nachbaren zum täglichen Gebrauche. Darum erhob sich in der Mitte des Landes ein erhabener Tempel, aber um ihn erstanden immer wieder Altäre und Höhen und Götzensäulen; und selbst Salomo, der Erbauer des Tempels, baute auch Götzentempel. Als aber mit dem zweiten Tempel dieser Kampf innerlich entschieden war, entstand der Kampf der mosaischen Religion nach außen, und die Eingriffe der Syrer und der römischen Kaiser mußten zurückgewiesen werden. Unterdeß arbeitete sich innerlich die Religion verschieden aus, Buchstabe und Geist rangen mit einander, Sadducäer, Essäer, Pharisäer zogen aus derselben Quelle ganz verschiedene Grundsätze. Die Tradition und der Traditionsglaube gewannen die Oberhand, und begleiteten die Israeliten in die gesammte Welt hinaus; der innere Kern hüllte sich in ein unermeßliches äußeres Gewand; an die Stelle des Tempeldienstes trat ein allgemeines, festes Ceremonienwesen, welches das Leben des Juden band, und seine Tage und Stunden mit einander verknüpfte. Und je mehr die Noth von außen schwoll, und das Schicksal der Juden mit Trübsal schwängerte, desto mehr zog sich der Jude in sich selbst zurück, desto mehr häufte er seine Gebetformulare, und desto tiefer versenkte er sich in die Ausarbeitung des ihm überkommenen theologischen Stoffes. Da die Außenwelt aufgegeben ward, so hielt sich der Jude an seine Tradition fest, die so viel Beruhigendes und Verheißendes enthielt, so viel, was