Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 397 (sequence 419)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/7166791-9630800--1754-9623667- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
397 wieder in Erinnerung zu bringen, so wenig er auch absehen kann, inwiefern dieselben im Einzelnen befolgt werden. Welches Volk aber hätte mebr Erfahrungen gemacht, als das israelitische? Die Geschichte welcher Nation bietet so viele Schicksale, so viele Umwälzungen, so viele Höhen und Tiefen dar, als die des jüdischen Stammes? Welches Volk ist dreimal in's Exil gegangen, ohne sich zu verlieren? Hat ' dreimal die Fesseln der drückendsten Sclaverei getragen in Aegypten, Babylonien und im Mittelalter — ohne aufzuhören, zu sein, und nach der geraubten Freiheit immer wieder zu ringen? Welches Gebiet von Erfahrungen! welche unermeßliche Schätze von Lebenserkeuntnisseu! Rom, das mächtige Rom breitete sich aus seiner Siebenhügelstadt Schritt für Schritt aus, von diesem Mittelpunkte weist die Geschichte die Fußstapfen des anschwellenden Riesen nach allen Seiten hin nach; in Griechenland bildete sich eine Menge glücklicher Städte auf unangefochtenem Boden aus, ihre Morgengabe war die Freiheit — aber Israel ward groß in Sclavenfesseln, ward ein Volk in der Wüste, und mußte, ein Volk geworden, erst einen ewig bestrittenen Boden für sich erkämpfen; dann ward es von unzähligen kleinen Völkern belagert, und endlich streckten die großen Dynastien des Orient's und des Occident's ihre Harpyenhände über dasselbe aus. Dieses Volk war patriarchalische Republik unter einzelnen Richtern, eine Eidgenossenschaft, war Theokratie unter Hohenpriestern, war erbliche und Wahl-Monarchie (Juda und Israel); war römische Provinz; sie waren römische Bürger, und kaiserliche Kammerknechte. Und doch berührte der erwähnte Wechsel des Schicksals nur das Politische: welch' mannichfaltiger Wechsel, welche entgegengesetzten Richtungen entfalten sich auch noch aus dem geistigen Gebiete der israelitischen Geschichte. Hier steht Israel auf einer ganz , eigentümlichen, ihm allein angehörigen Höhe. Die geistigen Bestrebungen aller Völker des Erdbodens betrafen das irdische Leben, den Menschen und seine Genüsse. Selbst nicht