Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 393 (sequence 415)
- Language
- German
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893 In bürgerlicher Hinsicht sollen wir uns den Nationen, denen wir durch Ort und Bürgerthum angehöreu, ganz hingeben, alle Pflichten gegen Vaterland, Staat und Obrigkeit auf's strengste erfüllen, um zu erweisen, daß wir nur eine religiöse Gesellschaft, keine Corporation im Staate bilden. Denn die Volksselbstständigkeit hat der Herr uns genommen. So wachse denn, Vereinteste, die wahre Bildung in Israel: wie jene Palmen unseres früheren Vaterlandes steige sie empor ohne Aeste und abgehende Zweige, in gerader Linie, droben ein weites Schirmdach bildend für Humanität und Religion! Sind dies die großen Lehren, welche die israelitische Geschichte uns zu geben im Stande ist, so wollen wir nun auch noch einige Blicke auf die gemächliche Seite derselben werfen Der Mensch gehört nicht allein seiner Gegenwart an, die Vergangenheit ist darum eben so sehr sein Eigenthum, weil sein Leben, seine Bildung, seine Verhältnisse nicht so und so sich gestaltet hätten, wären sie nicht seit Väter- und Urväter - Zeiten allmälig so herangewachsen — nehmet die gesammte Vergangenheit hinweg, und es wird unerklärlich sein, wie der Mensch nach seiner jeweiligen Art daftehen könne. Die Gewißheit alles geistigen Besitzthums erhalten wir nur durch die Geschichte. Besonders aber wird dies mit Allem sein, was Israel hat, weil eben Alles, was dies hat, längst vergangener Zeit angehört, in solcher seine Quelle findet. Zweierlei Art Empfindungen wird uns daher unsere Geschichte einflößen. Zunächst die der Erhebung, entsprossen zu sein in unmittelbarer Verbindung mit grauem Alterthum, gleichsam verwandtschaftlich an eine Zeit geknüpft, welcher andere Nationen fremd sind, und die ihnen das spärliche Dämmerlicht verworrener Sage nur wenig erhellt. Alsdann das Gefühl der Sicherheit über unsere religiöse Beschaffenheit, deren Innerstes nicht wechselnder Zeit entströmt ist, sondern als das Wahrhafteste einfach da steht, an und für sich unbestritten und zugegeben. — Dies die Geschichte.