Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 378 (sequence 400)
- Language
- German
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378 des Geistes aber kann, wie bei einem großen Vermögen, etwas vernachlässigt werden — daraus folgt aber auf keinen Fall, daß niedrige und mittelmäßige Geister, weil sie sich nirgends der Gefahr anvertrauen, und das Hohe nicht erstreben, meist frei von Fehlern und sicher vor dem Fall bleiben, große Geister hingegen schon wegen ihrer Größe zum Falle geneigt seien. Auch das weiß ich wohl, daß gerade das Fehlerhafte leichter von den Menschen erkannt werde, und daß das Andenken der Fehler unauslöschlich sei, das der Tugenden leicht entgehe. (Kap. 33.) — Welches ist also die Absicht jener göttlichen Männer, die nur das Höchste in der Schrift verfolgten, und die über Alles verbreitete Sorgfalt verschmähten? Außer vielem Anderen das, daß die Natur den Menschen nicht zu einem niedern Thiere haben wollte, sondern uns einführend, wie in ein großes Lob, in das Leben und die ganze Welt; als Beschauer ihrer Werke und eifrigste Nachahmer, wollte sie unfern Geistern die unbestrittene Liebe zur Größe einpflanzen, die durch uns göttlicher wäre. Darum genügt nicht einmal die ganze Welt dem Anlauf der menschlichen Beschauung und Einsicht, sondern oft gehen unsre Gedanken über die Grenzen der Welt hinaus. Und wenn Einer das ganze Leben durchforscht, wie oft in jeder Art die Fülle und Größe der Schönheit vorgezogen werden, wird er schnell wissen, wozu wir geboren sind. Daher, der Natur folgend, bewundern wir nicht den Bach, wenn auch hell und nützlich, sondern den Nil, die Donau, den Rhein, und noch viel mehr den Ocean, und mehr als die von uns entzündete Flamme, obgleich ihr Leuchten rein bleibt, setzen uns die himmlischen Lichter in Erstaunen, wenn sie auch oft verdunkelt, und der Krater des Aetna, aus dessen Schoß Steine und ganze Massen Asche herausgeworfen werden. Bon diesem kann aber gesagt werden, daß das Nützliche und Notwendige leicht durch Bereitung geschafft, das Unvermuthete aber bewundert wird. (Kap. 33.) — Kauft nicht oft ein solcher erhabener Schriftsteller alle seine Irrthümer mit einer einzigen hohen