Mannheim
Compact Memory

Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin · 1854-01-01 · 1854 · p. Seite 377

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
Volume
1854
Date
1854-01-01
Page
Seite 377 (sequence 399)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/7166791-9630800--1734-9623647
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

377 weil sie bewirkt, daß in der Rede wie in den schönsten Gemälden die Größe, die Schönheit, die edle Einfachheit, die Wirksamkeit, die Kraft, die Gewichtigkeit hervorblühen, und daß die Dinge wie von der Stimme belebt werden. Völlig unnütz ist aber, hierin in Schwulst zu verfallen: denn in kleinen Dingen Pracht- und würdevolle Worte gebrauchen, scheint dasselbe, als einem Kinde eine große tragische Persönlichkeit anzudichten. lKap. 30.) Eine andere Frage ist es, die verschieden beantwortet wird, ob es zu billigen sei, mehr als zwei oder höchstens drei Metaphern an einem Orte zu gebrauchen. Aber wie ich schon über die Figuren gesagt habe, so ist eine passende und heftige Leidenschaft ein eigentümliches Hülfsmittel für viele und kühne Metaphern, weil durch die Heftigkeit alles Andere hingerissen und fortgestoßen zu werden pflegt, so daß dem Zuhörer nicht Zeit gelassen wird, die Fülle der Metaphern zu untersuchen. Außerdem wenn man gewöhnliche Dinge zu beschreiben hat, bezeichnet nichts die Sache klarer, als fortgesetzte immer neue Metaphern. So beschreibt Plato den menschlichen Körper auf eine ausge- . zeichnete Weise, von der wir Einiges hier als Beispiel erwähnen wollen. Den Kopf nennt er die Burg des Menschen, zwischen welche und die Brust der Hals als Isthmus (Landenge) gesetzt sei, die Wirbel nennt er Riegel, das Vergnügen die Speise der Laster, die Zunge Richterin des Geschmackes rc. Dennoch muß der Gebrauch der Metaphern wie der übrigen Hülfsmittel der Rede nie zur Ueberschreitung des Maßes geneigt sein. (Kap. 32.) Denken wir uns einen Schriftsteller von allen Fehlern frei und untadelig, so ist es vor Allem die Frage, ob die Größe mit einigen Fehlern in Gedicht und Rede nicht jener Mittelmäßigkeit vcrzuziehen sei, in der Alles recht, gesund und ohne Jrrthum ist? ob in der Rede mehrere Tugenden den größeren vorzuziehen seien? Das ist mir bekannt, daß große Geister etwas Fehlerhaftes zu haben pflegen, denn der äußerste Fleiß iu allen Theilen scheint kleinlich; in der Größe

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.