Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 376 (sequence 398)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/7166791-9630800--1733-9623646- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
376 aber die Leidenschaft, welche in der Bewegung und dem . Sturme des Geistes besteht, bringt in Aufruhr. Dies ahmt der Redner nach, und drängt den Geist der Zuhörer bald dahin, bald dorthin, so daß die Ordnung eine gewisse Verwirrung, die Verwirrung eine gewisse Ordnung mit sich bringt. (Kap. 20.) Hierhin gehören auch die sogenannten Hyperbata, die in einer gewissen Verwirrung der natürlichen Ordnung der Worte und Sätze bestehen, und gleichsam das sicherste Zeichen einer heftigeren Leidenschaft geben. Denn wie die wahrhaft Erzürnten, oder Erschrockenen, oder sonst leidenschaftlich Bewegten immer vom angefangenen Wege abirren, und Anderes hineinschiebend, ohne Ursache zu Anderm überspringen, dann wieder zum Anfänglichen zurückkehren, wie von einem Windstoß des Gemüthes hier- und dahin geschleudert, und die Worte und Dinge und natürliche Ordnung der Conftruction auf vielfache Art verändern, so ahmen die vorzüglichsten Schriftsteller die Natur durch die Hyperbata nach. Oft heben sie den Satz, den sie begonnen, auf, und indem sie immer Mebreres wie an fremdem und unpassendem Orte hineingeschoben und von außen hineingezogen haben, so daß sie dem Zuhörer Furcht einflößen, daß die ganze Rede auseinanderlaufe — fügen sie nnvermuthet, was jene schon lange erwarteten, weit hinterher zu Ende hinzu, und setzen sie durch die Kühnheit der Hyperbata und die Gefahr des Falls um so mehr in Erstaunen. (K. 22.) Wie in der Musik die Grundtöne durch Hinzufügung anderer Töne milder werden, so unterstützt die Umschreibung «Periphrase) oft wie durch den Nebenton die Eigentümlichkeit der Worte, und vermehrt die Schönheit. Wenn aber ' die Umschreibung nicht mäßig gebraucht wird, so ist sie viel gefährlicher als die übrigen Figuren, indem sie sogleich kraftlos wird und nach Eitelkeit schmeckt. (Kap. 18. 19.) Die Wahl eigenthümlicher und großartiger Worte zieht die Zuhörer auf bewundernswürdige Weise an. Daher erzielen Redner und andere Schriftsteller sie mit besonderem Eifer,