Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 369 (sequence 391)
- Language
- German
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369 scheu Genüge geschehen ist, so ist er zu Allem bereit. Und Enthusiasmus schafft Enthusiasmus. Aber der leidige Eigennutz, die Sucht zu glänzen und auszufallen, sei es durch Altes oder Neues, sobald diese sich hineinmischen, wird der gerade Wuchs der Pflanze unterbrochen, und eine Kreuzung der Interessen ist nicht zu vermeiden. Die vier Theile, die wir oben als die eigentümlichen Gegenstände des israelitischen Predigers angegeben, 1) die Weltgeschichtlichkeit unseres Glaubens und unseres Stammes, 2) der Rationalismus unserer Religion, 3) die Offenbarung und Moral, und L) das Ceremonielle, insofern Offenbarung und Moral in dasselbe versenkt sind — wobei zu bemerken, daß in der Ausführung, wo alle vier zusammenlaufen, Nummer zwei nur als Polemik von Nummer drei verschieden ist — diese vier Theile, sage ich, geben schon, vermöge ihrer Eigenthümlichkeit, gewisse allgemeine Regeln für den jüdischen Prediger ab, die nun durch den allgemeinen Charakter des jüdischen Stammes noch vergewissert werden. Damit nämlich die Fortbildung unserer Theologie durch die neueren Prediger eine organische werde, müssen diese die geschichtliche Entwickelung unserer Theologie in sich anfnehmen, und diese in ihren Vorträgen nach ihrer gegenwärtigen Umgestaltung hervortreten lassen — es versteht sich von selbst, daß dies hier nicht von jeder einzelnen Predigt, sondern vom ganzen Gange des Redners verstanden sein soll. Die israelitische Predigt muß daher sich nicht immer mit einer freien Entwickelung eines Bibeltextes begnügen, sondern dieselbe mit früheren Schriften unserer theologischen Literatur in Zusammenhang bringen. Dadurch vermag er es, sich an die bisherige volksthümliche Weisheit anzuschließen, und ihre Schätze für sich zu gewinnen, der Kreis wird erweitert, der Stoff vergrößert, und das wirkliche Leben näher heraugebracht. Die Entwickelung selbst muß eine geschichtliche Färbung erhalten, weshalb die analytische Methode in der israelitischen Predigt anwendbarer ist als die synthetische. Es ist nicht 24