Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 370 (sequence 392)
- Language
- German
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370 genug, daß eine Einleitung einen Punkt unserer Geschichte berührt, der im eigentlichen Körper der Predigt völlig vergessen ist, sondern die allgemeinen Lehren müssen immer wieder in dem geschichtlichen Ereigniß nachgewiesen werden. Alles dieses bringt allerdings mehr Schwierigkeit herein, aber erfordert auch desto mehr Scharfsinn, und desto mehr Kunst, um ein organisches Ganzes hervorzutreiben. Gerade dieser Scharfsinn aber ist die Volkseigenthümlichkeit der Israeliten, und muß als solche befriedigt werden. — Es ist eine schöne Bestimmung, eine erhabene, die des neuern jüdischen Predigers. Eine verstoßene Religion, welche dennoch die Mutter alles religiösen Seins und Lebens ist, nicht allein zu Ehren zu bringen, sondern ihr die ihr zukommende Stelle des höchsten Patronats einzuräumen und zu vindiciren; in diese Religion zugleich das reckte Verftändniß zu bringen, und in allen ihren Tiefen und Höhen das alte verglommene Feuer wieder anzufachen; ferner ihren Besitzer von dem unbekannten Werthe des Kleinods zu überzeugen, und mit der Freude über den Besitz eines solchen zu durchströmen. Und diese Bestimmung verkennet ihr? Und lasset euch herab zu niederer, kalter Nachahmerei? Und findet in eurer Brust keine hellere Flamme, auf eurer Lippe kein lebendigeres Wort, als — Entlehnung? Aber ich sage euch, hiemit werdet ihr nicht bestehen, und eure Wirkung wird eine eitle, vergängliche, und die Liebe zu euch schwach, und euer Degen unkräftig sein!