Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 368 (sequence 390)
- Language
- German
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368 den soll, daß er es weder gestatten darf, daß die Bedeutung der ceremoniellen Gesetze unerkannt bleibe, und die Ausführung derselben dadurch wirkungslos, noch daß der Israelit sich vom ceremoniellen Gebiete seiner Religion ganz enrferne, weil er eben gleichgültig dagegen gelassen worden. Er vergißt, daß er den Israeliten der neueren Zeit mit einem neuen Enthusiasmus für seine Religion entflammen soll, indem er ihm die erhabene Bedeutung dieser Religion, und des Israeliten durch sie, offenbare. Er irrt, indem er glaubt, daß die Moral allein den Menschen beseligen, und in ihm wahrhaft lebendig werden könne, wenn sie nicht unter dem Brennpunkte einer böhern Flamme, der Gottesfurcht und Gotteserkenntniß, die von der Offenbarung ausgehen, gesehen wird. Nicht weniger irrt der, der aus der israelitischen Predigt eine Draschah machen will; der in eine alte Form, die nur gut war für das, für was sie geschaffen worden, den neuen Stoff hineinzwängen will; der aus allzugroßer Schonung von dem neuen Stoffe nur so viel herüber nehmen will, daß er nicht ganz zurückzubleiben scheine, aber seines wesentlichen Zweckes sich nicht bewußt geworden. Allerdings ist es wahr, daß selten Gelegenheit und Raum genug vorhanden ist, um aus einer Sache alles das zu machen, wozu sie werden sollte. Die Localitäten geben hier allerdings Bedingungen auf; und manche höher gebildete und überbildete Gemeinde stellt Forderungen, die denen schnurstracks widersprechen, welche von anderen, ruhig schreitenden. Gemeinden geheischt werden. Jndeß läßt sich auch hier wieder in Anschlag bringen, daß derjenige, welcher von wahrem, heiligem Enthusiasmus für seinen Beruf erfüllt ist, sich nie so unter die Verhältnisse beugen wird, daß er seines Zwekkes verfehlt, und — er wird sich auch uie so zu beugen brauchen, denn in seiner Gewalt wird es stehen, seine Gemeinde zu sich heraufzubilden, und ausgehend mit ihr von ihrem Standpunkte bald, man glaubt nicht wie bald, zu seinem Standpunkte zu kommen. Denn wenn dem Men-