Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 354 (sequence 376)
- Language
- German
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35L Kindern selbst ein Kastengeist, und in den Schulen, die für Begüterte bestimmt sind, ein Hochmuthsgeist aus, der sebr verderblich ist: so wie im Gegentheil Schulen, die nur für Arme sind, ein Gefühl der Bedrückung und Beschränkung mit sich führen. Seben wir auf das erstere, den Unterricht, so sehe ich nickt ab, warum den Augen der armen Kinder nickt dasselbe Pantheon des Geistes und der Wissenschaft geöffnet werden soll, als denen der Reicken? Die Schule soll den Menschen zum geistigen Menschen machen, und der sei nicht abhängig von der äußern, bürgerlichen Stellung. Dadurch geschieht nicht etwa eine Ueberhebung über seinen Stand, wenn man den Aermern einige Bissen besserer geistiger Nahrung reicht, die er im gewöhnlichen Leben freilich nicht als Tauschmittel für körperliche Nahrung gebrauchen kann, an der er aber in den Stunden körperlicher Entbehrung nagen könnte, um wenigstens von einer Seite gesättigt zu sein. Aber, wird man einwenden, wenn auch die Unterrichtsgegenstände nickt verschieden sind, so muß die Methode, die Behandlungsweise eine verschiedene sein. Die Kinder reicher Eltern werden meist sorgfältiger erzogen, feiner behandelt, sind an eine gebildete Sprache gewöhnt, und die Schule und das Haus müssen in einander greifen. Jedoch auch diese Meinung wird man, ohne Vorurtheil urtheilend, nur engherzig finden. Wenn auch das Leben reibend und verwundend schon in das Jugendleben des Armen eintritt, daß sein Aeußeres härter ist als die Aalhaut des Kindes, mit dem die Leckerbissen des Schicksals schon in der Wiege zusanzmenlagen: so muß eben die Schule sich ihm als Ausgleichung der göttlichen Gnade eröffnen. Die Schule muß den Ungebildeten zu sich beraufheben, in ihrem Schooße muß ein unverletzbarer Geist der Bildung leben und weben, der Unterricht muß sich nicht zum Armen Hinunterneigen, sondern ihn Heraufziehen, daß er geistig reich ist und wird. Stelle daher, Lehrer, deine Forderung auch an das arme Kind so hoch wie an das reiche, und du wirst sehen — es erfüllt sie, es kommt ihr nach.