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Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin · 1854-01-01 · 1854 · p. Seite 288

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Journal
Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
Volume
1854
Date
1854-01-01
Page
Seite 288 (sequence 310)
Language
German
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IRI
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288 Zeit gerade die Jugend ungläubig ist, diese in ihrer Glaubenslostgkeit ein Großes zu besitzen, ein kühnes, neues Werk zu festigen glaubt; dann aber, wie Jahr an Jahr, wie Lebenserfahrung an Lebenserfahrung, wie Kampf an Kampf, Niederlage und Sieg im Leben an einander sich reihen, ge- . rade der Mann in seiner Kraft Zweifel und Unglauben von sich stößt und überwindet, und in lauterer Erkenntniß, soweit diese dem Menschen gestattet ist, und in fester Ueberzeugung, soweit diese der Mensch zu hegen vermag, und in innigem, geläutertem Glauben sein Heil, seine Befriedigung, seinen Felsenschutz suchet? Fraget euch selbst. An der Schwelle eures Lebens, in eurer Kindheit, da stehet ein Vater, eine Mutter, die mit frommem Munde und mit leuchtendem Auge euch Gott auf die kindlichen Lippen legten, euch Gebet und fromme Uebung lehrten; dann, in eurem Knabenalter, erinnert euch, war es der Lehrer, der euch das Wort und die Lehre Gottes verkündete, der von eurem Geiste die Hingebung und die Demuth verlangte — aber dann, ha! da war es, als ob euch die Seele ausginge! Bald lehnte eure Seele sich wider diese Gotteslehre auf, den schäumenden Becher der Jugend setztet Ihr an eure Lippen, euer Verstand klügelte, und kam euren Leidenschaften, die sich von der Religion des Herrn genirt fühlten, zu Hülfe — wozu Gebet und Gottesdienst und fromme Uebung? Lächerlich! was soll mir eure Lehre und eure Schrift und euer Wort, was mir Erkenntniß, Ueberzeugung? Leere Dinge, von denen ich nichts habe und die mich nichts angehen, die ich nicht brauche und die mir sehr gleichgültig sind! Ich muß schaffen — und dann will ich genießen, ich muß erwerben — und dann will ich mir was zu Gute thun — es ist ja die Blüthezeit, die Rosenzeit des Lebens. — Jüngling, du weißt nicht, daß dir die Seele ausgegangen, daß du fast schon zu den Todten gehörst— Du lachst: steh doch ein Weilchen weiter, Überschläge einige Jahrzehende, und du siehst selbst, daß du todt geworden, daß dir die Seele ausgegangen, dein Genießen wie

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