Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 289 (sequence 311)
- Language
- German
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L89 dein Schaffen, dein zu Gute thun wie dein Erwerben sind dahin — o Jüngling, so merke, daß dir die Seele ausgeht: höre, höre wieder und weiter, daß der Thau auf dich komme, der das Todte belebet! Dann, sowie Tag zu Tag kommt, wenn das Grau auf dein Haupt zu fallen beginnt, wie ein Sturm des Lebens nach dem andern über dich ergangen — da erheben sich wieder die Stimmen, erst leise, dann immer lauter, die dir zurufen: der Glaube, er ist doch kein Wahn, und von Allem, was du treibest, was bliebe dir übrig? und mit was du kämpfen kannst, das genüget nicht, und willst du Liebe und Pflichterfüllung, Tugend und Recht, du kannst sie nicht ohne Gott haben; siehe, da kommt es wie belebender Thau auf deine Seele, und Gebet und Verkehr mit Gott und fromme Uebung erhalten einen ganz andern Werth in deinen Augen; es ist das Leben, das wahrhaftige Leben; Gebet, Verkehr mit Gott, fromme Uebung, d. h. nicht Wortgeschwätz, nicht Formeltreiberei ohne Geist und Inhalt, vielmehr Gebet aus dem innersten Herzen, Verkehr mit Gott in der Tiefe des Geistes, fromme Uebung mit Sinn und Verständniß! Dies macht der Midrasch als erstes Moment geltend: die geistige Ueberwindung, die der geläuterte Glaube kostet, daß auch er, wie Alles des Menschen, erworben sein will, daß er nicht von selbst, sondern erst wie ein, das Todte belebender Thau kommt. Die Gottlehre, sobald du ans der Sphäre des Kindes getreten — ganz Israel, wie der einzelne Israelit — stößt zuerst dich ab, geht dir wie die Seele aus, sei es in Zweifel und Unglauben, sei es in Gleichgültigkeit und Geistesarmut!) — all' dies aber ist Geistestod — hörst du aber weiter, im Leben, so kehrt sie zurück, aus und im Leben, geläutert und läuternd, und belebt dich wie neues Leben! II. Aber, m. Z., hiermit ist noch nicht Alles gewonnen. Der Midrasch sagt zuz weit: 19