Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 279 (sequence 301)
- Language
- German
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279 tbum, der Andre nach Genuß und Wollust, der Dritte nach Ebre und Glanz; den Einen verzehrt der Neid, in dem Andern braust die Rache, den Dritten geißelt Unfriede und Zwietracht. Alle aber sollen die Leidenschaft bekämpfen, Alle sollen die Leidenschaft der Vernunft unterwerfen, und ob der Eine beiß ist wie der Süden, der Andre kalt wie der Norden: die Tugend und das Gesetz Gottes sollen die Oberband behalten. — Das ist der Streit des Menschen. Wollet ihr seine Folgen sehen? Sehet auf die Verbrecher an Ketten, und ans die Verbrecher ohne Ketten; sehet auf die bohlen Wangen des Wüstlings, auf die matten Augen des Dürftigen! Habt ibr einen Jüngling in seiner Blüthe gekannt, wenige Jahre, und ihr erkennt sein Schattenbild nicht mehr. Habet ihr eine Jungfrau in ihrem Lenze gekannt, wenige Jahre, und die verfallenen Züge erinnern euch kaum an ihre Jugendsrische. Der Mensch ist eine Lehmhütte, ruft Hiob aus: kurze Zeit, und das Unwetter des Schicksals bat das Dach zertrümmert, und der Sturm der Leidenschaft hat die Wände eingeworfen!- 2) An diesen Folgen aber, geliebte Zuhörer, könnt ihr zugleich sehen, wie der Mensch seinen Streit streitet, wenn er ihn allein ausficht. Wie stellt er sich dem Schicksale entgegen, der blos menschliche Mensch? Entweder er gibt sich der Verzweiflung hin; da ihn keine höhere Kraft unterstützt und beseelt, läßt er das Leben und die Zukunft fahren, und fällt in den Staub. Oder er weichet der Prüfung, und wird ein Sünder und fällt in den Schmuz; was die Kraft nicht vermag, soll die Lift vollbringen; was das redliche Streben nicht errang, soll der Trug und Lug gewinnen; was die Mühe nicht erwirbt, soll die Hinterlist und Bosheit abtrotzen. Wie stellt er sich der Leidenschaft entgegen, der blos menschliche Mensch? Gar nicht — er wirft sich in ihre Arme, er übergibt sich ihr. Laß fahren hin! laß fahren! ruft er, die Sonne geht auf und geht unter, wir wollen die Stunden genießen vor der Nacht! Du