Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 275 (sequence 297)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/7166791-9630800--1632-9623545- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
275 erwecken will. Ein jedes unsrer Feste, fassen wir ste vom geistigen Standpunkte, stellt einen besondern religiösen Hauptgedanken auf und vor. Das Neujahrsfest verkündet uns das Richteramt Gottes; es ist ein Aufruf an uns: Auf! laßt uns umkehren auf dem Wege, den wir wandeln, mit der neuen Zeit laßt uns neu werden! Der Versöhnungstag verkündet uns die Barmherzigkeit Gottes, die uns sühnen will von den Schulden der Vergangenheit. Das Laubhüttenfest winkt uns zum mäßigen Genüsse des Lebens, zur gemäßigten Freude, zu weiser Lust, zum dankbaren Empfang der irdischen Gaben des Herrn. Das Schwuothfeft stellt uns den Ernst des Gesetzes vor, die Würde des religiösen Lebens, das die Stimme beherrscht, die vom Sinai ertönte. Das Peßachfest aber, das Fest, an welchem Sklaven zu Herren, Knechte zu Meistern, Gefesselte zu Freien, Gedrückte zu Erretteten wurden durch die starke Hand und den ansgestreckten Arm Gottes, dieses Fest ruft uns zu unbedingtem, zu schrankenlosem Vertrauen auf Gott, ^1257 den Fels, zur Hingebung in den Willen Gottes, 7>8"!5i7 des Erlösers! — Ist es nicht derselbe Gott, der die Wellen des rothen Meeres theilte, warum sollt' er nicht jetzt noch die Wellen des Lebens zu festen Mauern machen? Nicht derselbe Gott, der das Manna sandte und die Wachteln und den Brunnen des Felsens — warum sollt' er nicht jetzt noch die Hungrigen speisen, die Dürstenden tränken, die Nackenden bekleiden? Nicht derselbe Gott, der das Sklavenhaus öffnete und dessen Pforten sprengte, warum sollt' er nicht jetzt noch den Menschen aus jeglichem Sklavenhause führen, aus der Knechtschaft der Sorgen und Drangsale und Verirrungen, und die Pforten des Kummers sprengen, dem Hellen Lichtstrahl der Freude zum Eingang? — Aber, meine Freunde, das Vertrauen zu Gott ist mehr als ein bloßer Trost, ist mehr als eine bloße Stärkung — es ist zugleich die vollkommenste Anerkenntniß Gottes. So lange ihr zaget in eurer Brust, Israeliten, so lange Bangigkeit in euern Herzen lebet, so lange ihr euch fürchtet vor der Zukunft, vor 18"