Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 208 (sequence 230)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/7166791-9630800--1565-9623478- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
208 liebten, seine Verirrungen sahen sie wehmüthigen Herzens, und was nun über ihn heraufgestiegen, der Sturm und die Windstöße, das Unglück und der Schmerz, die tobende See, das Drangsal, der drohende Untergang, sie empfinden es mit, sie theilen sein Loos, sie sehen sich ebenfalls an dem Rande des Abgrunds; da wehklagen sie, da suchen sie zu retten und zu helfen, da opfern sie ihre Habe und ihr Gut, werfen sie hinein, um das Schicksal abzuwenden und es zu erleichtern. O, wenn ihr wüßtet, ihr Söhne, ihr Gatten, wie es an dem Herzen der Eurigen nagt, euch auf dem Wege des Unheils, des Verderbens zu wissen, ihr würdet umkehren und die Thränen trocknen, die ihr hervorgerufen. Aber er selbst, der Sünder, der das Unheil heraufbeschworen? Er ist hinabgestiegen in den untersten Schiffsraum, er erschöpft das Laster bis auf die Hefe, die Verzweiflung reißt ihn immer tiefer und tiefer hinein, und seine Seele, sein besseres Ich, schläft, schläft an dem Rande des Abgrunds! - — Also, meine Lieben, setzet der sündhafte Mensch seine Laufbahn fort. Er ergibt sich den Lüsten der Welt, den Genüssen des Staubes, er vergißt seine Sendung, er flieht vor dem Ewigen, da erhebt sich Sturm und Unglück, er reißt die Seinen mit sich hinein, sie trauern und opfern sich auf— Er aber schläft in seinem Taumel und ist sich deß kaum bewußt. III. Endlich: wie der Mensch seine Laufbahn vollendet. Da, als er noch schläft (V. 6.), „da trat zu ihm hin der Schiffsherr, und spricht zu ihm: was schläfst du? Stehe auf! Rufe zu deinem Gott, vielleicht gedenket Gott unser, daß wir nicht zu Grunde gehen." Das Gewissen erwacht, meine Freunde, das ist der der Schiffs Herr, der das Thun und Treiben des Menschen beherrschen soll, der aber bis dahin die Herrschaft durch den Sturm der Leidenschaft verloren batte. Jetzt löset sich aus dem verworrenen Zustande die Stimme des Gewissens ab, und tritt mit aller Kraft und Gewalt auf,