Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 209 (sequence 231)
- Language
- German
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209 die durch die lange Unterdrückung nur um so stärker geworden. Sie tritt auf in der Hoffnungslosigkeit des Menschen, und sprickt zu ihm mit Donnerstimme, die gehört wird trotz des Sturms von außen: warum schläfst du? Auf, erwache, schüttle den Schlaf von dir ab, ermanne dich, reiße dich los von den Banden, die dich gefangen halten, von den Fesseln, die dir angelegt sind. Und was ist das erste, was das Gewissen rege macht? Der Gedanke an Gott! Wende dich zu ihm, flüstert es dem Menschen zu, rufe ihn an, vielleicht gedenkt er deiner, daß du nicht zu Grunde gehest! Aber siehe da! Jona antwortete dem Schiffsberrn nicht! — und so auch der Mensch, wenn das Gewissen den Gedanken an Gott erweckt. Nein! da fühlet er, daß er der Gnade Gottes nicht werth, daß er keinen Anspruch an ihn hat, den er so schmählich verlassen, hintenangesetzt, dessen Befehl er verachtet, dessen Gebot er verletzt, dessen Lehre er verspottet. Er füblt es und schweigt. Ob er auch wolle, er kann seine Hände nicht emporheben zum Gebete, seine Augen nicht aufschlagen zum Himmel. Er fühlet, er müsse erst büßen seine Schuld und das Maaß der Neue erst füllen, und den Becher der Sühne erst leeren. Da erheben sich dann alle einzelnen Stimmen im Menschen, die Stimme der Sinnlichkeit, die Stimme des Lebens, die Stimme der Leidenschaft, die Stimme der Vernunft, und streiten mit einander, wer der Urheber des Uebels sei? Darum heißt es V. 7: „Es sprach einer zum andern: Wohlan, lasset uns Loose werfen, damit wir wissen, um wessentwillen uns dies Uebel widerfährt; sie warfen die Loose — das Loos fiel auf Jona." Also auf die Seele selbst, auf die Vernunft fiel das Loos, sie ist die Urheberin des Uebels, warum? Weil diese bestimmt ist und ausgerüstet, den Menschen zu beherrschen, die Sinnlichkeit zu unterdrücken, die Leidenschaft zu mäßigen, das Leben zu regeln und zu ordnen. Da fragen sie ihn: „sage uns doch, um wessentwillen uns dies Uebel geschieht? was ist dein Werk? von woher kommst du? was ist dein Vaterland, und von welchem Volke