Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 207 (sequence 229)
- Language
- German
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207 bleibet denn die Reinbeit und Unschuld, mit der sie binabgekommen? Wie Viele treten vor das Angesicht der Religion, die Strahlen der Wahrheit zu schanen? Wie Viele kümmern sich um die Gesetze Gottes, um Rechtlichkeit und Sittlichkeit, um Gutes und Schönes, um Wahres und Helles? Sie fliehen nach Tarschisch, nur der Genuß des Lebens ist ihr Panier, und welch ein Genuß — diesem widmen sie ihre Kräfte, ihre Anstrengungen, ihre Mühen. Der Ernst des Lebens wird ihnen von der Lust, wie die dunkle Woge des Meeres vom weißen Schaume, hedeckt. Da erregt der Ewige einen großen Sturm auf der See, Windstöße fahren über das Meer, und das Schiff drohet zu scheitern. Sehet, welch ein Bild des wirklichen Lebens! Wenn der Mensch versunken ist in das sinnliche Leben, da kommen die Stürme und Windstöße der Himmel verfinstert sich, die See wogt und tobt, Verlust auf Verlust, Schrecken auf Schrecken, Schmerz auf Schmerz, Angst auf Angst, Noth auf Noth; das Schiff drobt unterzngehen, zu scheitern, zu bersten, die Tiefen öffnen sich, die Felsen starren entgegen. Das ängstliche Auge schweift umher und sieht nur überall Tod und Untergang-Wie? spricht es Wahrheit, dieses heilige Buch? sind es eitle und trügerische Worte? Wer unter euch fühlte noch nie die Hand des Geschickes? wann die Angst ans der Brust Hinaufstieg, wann die Noth das Auge verfinsterte, wann der Schrecken die Zunge lähmte, wann das Tbeuerste, das Beste, das ganze Leben zu zerfallen und zu versinken drohte?... Und was thut da die sündhafte Seele? Höret. (V. 5.) „Da fürchteten sich die Schiffsleute, und schrien ein jeglicher zu seinem Gott, und warfen das Geräth, das im Schiffe war, in das Meer, um es davon zu erleichtern, Jona aber war hinabgestiegen in den untern Schiffsraum und lag und schlief." — Der Mensch steht nicht allein; da stehen um ihn Vater und Mutter, Brüder und Schwestern, Gattin und Kinder, Freunde und Freundinnen. Das sind die Schiffsleute, sie haben sein Schiff mit bestiegen, sie nehmen Theil an dem Schicksale des Ge-