Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 194 (sequence 216)
- Language
- German
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194 ist hell. Wir sind geboren auf der Erde, leben aber, zum Himmel zu reifen. So muß das Dunkel weichen aus unserm Innern, und es hell werden in uns, unsre Bahn muß immer lichter werden, und in diesem unserm Streben müssen wir schon mit der Kindheit beginnen, soll unser Leben des Herrn Tag werden. Darum betet nur über der Wiege des Kindes: „der du es herausgezogen aus Mutterleibe, erleuchte seine finstre Bahn!" Denn wohl dem Kinde, dessen Schritte geleitet werden von klugen Eltern, weisen Lehrern, die es anleiten zur Wahrheit und Frömmigkeit, die es durch Liebe lieben lehren, die in ihm erwecken die Stimme des Gewissens, daß es das Unrecht kennt und scheut: das ist das erste Licht des Herrn auf seine finstre Bahn. Wehe aber dem Kinde, das die Vorsehung gelegt in die Hände zwietrachtiger, unlauterer, unfrommer Eltern, das Beispiel der Kindheit prägt sich der erwachenden Seele ein, da wird die Lüge heimisch und der böse Wille und die Verachtung der heiligsten Gesetze und die Verletzung der heiligsten Vorschriften, da bleibet die Bahn finster, der Herr that sein Licht ab von derselben, er ist für ihn der, von dem es heißet: „Er gedenket der Sünden der Väter an den Kindern." Und wenn also trüb' und bewölkt der Morgen ist, wie wird es um den Tag stehen? Und wie es mit dieser Kindheit sich so verhält, so verhält es sich auch, andächtige Zuhörer, mit dem Morgengebete des heutigen Tages. Eine dunkle Bahn liegt mit dem Morgen des heutigen Tages vor uns: wird sie hell werden, wie sie soll? Ein Fasten des Leibes und der Seele erwartet uns gleich den harten Prüfungen des Lebens, die der thörichte Mensch Unglück nennt; werden sie uns zum Lichte führen? Finster ist es noch am heutigen Morgen in unserer Seele, wie in der Seele eines Kindes, wird es in ihr dunkel bleiben, und die unbereuete Sünde und der ungebüßte Fehler nicht lassen von ihr? Darum wohl uns, wenn wir unsre Morgengebete andächtig und wahrhaft und frommen Sinnes begannen; wehe uns, wenn wir sie lässig und widerwillig und