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Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin · 1854-01-01 · 1854 · p. Seite 188

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Journal
Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
Volume
1854
Date
1854-01-01
Page
Seite 188 (sequence 210)
Language
German
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IRI
…/7166791-9630800--1545-9623458
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188 Beleidigten, des Verfolgten, des Beschädigten, die Verzeihung allein ertheilen zu können — darum kann der Allversöhner selbst es nicht versöhnen, bevor wir nicht jenem ersetzt, jenen entschädigt, jenen versöhnt, oder es wenigstens aus vollem Herzen und mit vollen Händen zu vollführen gesucht. O, meine Brüder und Schwestern, wie viel Unrecht können wir aber nimmer ersetzen! Der und die sind schon mit Erde bedeckt, und sie sind dahingegangen im Schmerz über uns — darum eile, eile mit dem Lebenden! Und kannst du das Wort zurückrufen, womit du das innerste Herz verwundet? den Blick, mit dem du das Auge deines Nächsten verletzt? kannst du die getödtete Ehre wieder Herstellen, die du mit giftigen Worten erdrückt? den untergrabenen Ruf, das wankend gemachte Brod? Der Mensch ist wohl Herr über das Glück und Unglück seines Bruders, Herr ist er über tausend Mittel, ihn zu erfreuen und zu kränken, aber der Pfeil, der von der Senne des Bogens entsendet ist, selten kannst du ihn wiederfinden und die Wunde heilen, die er geschlagen. Kannst du das verwundete Vaterherz wieder heilen, entarteter Sohn? Kannst du das gebrochene Mntterherz wieder ausrichten, ungetreue Tochter? Und der verlassene Bruder, und die einsame Schwester? zu versöhnen wären sie leicht, aber wie zu ersetzen die Schmerzen ihrer Brust? — und die zurückgewiesene Gattin, kannst du stilleu die Thräneu, die ihr Auge verblöden, die Thränen ihrer Liebe, die du verstoßen, die Thränen ihrer Treue, die du gebrocheu? — Und ist das blos Unrecht, was wir tbun? Es gibt auch Unrecht, indem wir unterlassen. Wem sich ein gutes Werk anbot, und dieses Werk zu thun war er im Stande, und dieses gute Werk unterließ er: der hat ein Unrecht gethan, das er zu ersetzen, einen Schaden zugefügt, den er zu entschädigen, einen Zwiespalt gebracht, den er zu versöhnen hat. O, meine Brüder, laßt es uns heute offen bekennen: wie schwach sieht es noch mit unsrer Barmherzigkeit, mit unsrer Wohlthätigkeit aus! Lasset uns einen Vergleich ziehen zwischen dem, was wir,

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